BDEW-Elektromobilitäts-Monitor: Es geht voran, bei Elektrifizierung und Infrastruktur
Der Energie- und Wasserwirtschaftsverband BDEW sieht eine positive Tendenz bei der Elektrifizierung des Verkehrs. Das zumindest legen die Erkenntnisse des 7. BDEW-Elektromobilitätsmonitors nahe.
"Elektromobilität bekommt gerade neuen Schwung. Die guten E-Pkw-Neuzulassungszahlen, die Erfolge beim Ausbau des Ladeangebots für E-Pkw und E-Lkw zeigen, dass der Markt läuft. Es zeigt sich: Mögliche Bedenken hinsichtlich der Reichweite und des Ladens gehören der Vergangenheit an. Elektromobilität ist für immer mehr Menschen die bessere Alternative. Auf diese positive Dynamik muss die Bundesregierung jetzt aufsetzen, um die Elektromobilität in Deutschland weiter voranzubringen und auch für Privatkunden noch attraktiver zu machen", erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
Um international weiter erfolgreich zu sein, brauche es einen starken Heimatmarkt für Elektromobilität. Andreae hält das für die beste Standortpolitik. Eine Absenkung der EU-Flottengrenzwerte schade dagegen unseren Elektromobilitäts-Investitionen und Arbeitsplätzen. Es sei gut, dass in diesem Jahr noch ein Auto-Dialog geplant ist. Hier müsse die Energiebranche als wichtiger Teil und Ermöglicher der Elektromobilität mit an den Tisch, forderte die BDEW-Chefin. Es gelte jetzt, die guten Ansätze der Bundesregierung weiter auszubauen. So solle der Bund etwa bei der Beschaffung von Fahrzeugen für seine eigene Flotte vorangehen.
"Der kürzlich beschlossene Innovationsbooster, der Sonderabschreibungen für Neufahrzeuge ermöglicht, sollte für Leasing-Fahrzeuge geöffnet werden. Und statt teurer Förderprogramme sollte die Politik auf nachhaltige Steueranreize für E-Fahrzeuge setzen. Das hat die Elektromobilität in vielen unserer Nachbarstaaten wie etwa Norwegen, den Niederlanden und Belgien den entscheidenden Schwung gegeben", meint Andreae.
Dazu gehöre auch, dass die EU-CO2-Flottengrenzwerte zurzeit die verlässlichste Rahmensetzung für die Elektromobilität sind. Sie schaffen Planungssicherheit für alle Marktteilnehmer. Keinesfalls dürften sie weiter aufgeweicht werden. Es gehe auch um Arbeitsplätze bei Unternehmen, die in die Elektromobilität investiert haben. Die Bundesregierung und auch die EU-Kommission sollten vor diesem Hintergrund dringend eine umfassende Elektromobilitätsstrategie entwickeln, die Jobs und Investitionen in diesem Land und auf diesem Kontinent sichert.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Monitor:
- Neuzulassungen von E-Pkw sind im 1. Halbjahr sprunghaft angestiegen und liegen auf Rekordniveau, der BEV-Anteil an den Neuzulassungen lag im August bei 19 Prozent Im ersten Halbjahr 2025 wurden 248.726 E-Pkw in Deutschland neu zugelassen – das sind so viele wie noch nie und gut 35 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2024 und 13 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2023. Die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Neuzulassungen konnten damit erfolgreich zur Einhaltung der gestiegenen Flottengrenzwerte gesenkt werden.
- Das öffentliche Ladeangebot wurde im 1. Halbjahr 2025 weiter ausgebaut auf rund 184.000 Ladepunkte und 8,5 GW Damit setzte sich im ersten Halbjahr 2025 der massive Ausbau der letzten Jahre fort: Deutschlandweit wurden seit dem 1. Januar 2025 über 20.000 öffentliche Ladepunkte durch die private Wirtschaft zugebaut, ein Plus von 11 Prozent. Gleichzeitig ist durch den starken Ausbau bei den Ultraschnellladern die Ladeleistung weiter stark gestiegen. Trotz der starken Zulassungszahlen von E-Pkw in den ersten sechs Monaten des Jahres waren im Schnitt nur 15 Prozent der öffentlich zugänglichen Ladepunkte in Deutschland am Ende des Halbjahres zeitgleich belegt.
- Für E-Auto-Fahrer, die laden möchten, bedeutet dies: Durchschnittlich 85 Prozent der Ladepunkte sind frei. Außerdem nimmt der Monitor erstmals den Ausbaustand des Ladeangebots für E-Lkw in den Blick. Dabei wird deutlich, dass auch hier der Ausbau sehr gut vorankommt. So sind in diesem neuen Anwendungsfall bereits 70 Ladestandorte verfügbar, von denen 50 die Kriterien zur Anrechnung auf die EU-Ziele erfüllen. Damit werden bereits 67 Prozent des 13.300 km langen Autobahnnetzes abgedeckt. Das EU-Ziel von 15 Prozent in Deutschland wird somit um das 4,5-fache übertroffen.
- Laden ist fast immer günstiger als Tanken Durch die Wahl des passenden Ladetarifs ist das Fahren mit einem E-Auto günstiger als mit einem Verbrenner. Neben dem Laden des eigenen Photovoltaik-Stroms oder beim Arbeitgeber, ist Laden in vier von fünf Ladeszenarien günstiger als Tanken: 1) zu Hause, 2) öffentliches Normalladen beim Vertragspartner, 3) öffentliches Schnellladen beim Vertragspartner und 4) öffentliches Normalladen beim Roamingpartner. Beim fünften Lade-Anwendungsfall, dem öffentlichen Schnellladen beim Roamingpartner, kommt es auf den Vertrag an. Und selbst im Extremszenario, in dem ein BEV zu 100 Prozent an öffentlichen Schnellladesäulen und nur über Roaming lädt, also ohne jede Mischkalkulation, muss Laden nicht mehr kosten als die durchschnittlichen Tankkosten.
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