Beim Virenschutz im Taxi zählen Abstand und Hygiene

Trenneinrichtungen sind nur ein Zusatzbaustein, und häufiges Lüften bringt mehr als ein Luftreiniger im Auto, sagen Experten der BG Verkehr.

Beim Reinigen von Taxis Einmalhandschuhe zu tragen und Einmaltücher zu verwenden, empfehlen die BG-Experten. Desinfektionsmittel halten sie aber nicht für besser als Haushaltsreiniger. (Foto: Dietmar Fund)
Beim Reinigen von Taxis Einmalhandschuhe zu tragen und Einmaltücher zu verwenden, empfehlen die BG-Experten. Desinfektionsmittel halten sie aber nicht für besser als Haushaltsreiniger. (Foto: Dietmar Fund)
Dietmar Fund

Das Risiko von Fahrerinnen und Fahrern von Taxis und Mietwagen, sich über Tröpfchen und feine Aerosole mit Corona-Viren zu infizieren, steigt mit der Anzahl und der Dauer ihrer Kontakte. Gegen dieses Risiko können sie sich selbst am besten schützen, wenn sie bei Besetztfahrten eine FFP2-Maske tragen, möglichst großen Abstand zu den Fahrgästen halten, nach dem Fahrgastwechsel gut durchlüften und Kontaktflächen regelmäßig mit fettlösendem Haushaltsreiniger abwischen. Diese Ratschläge gaben Dipl.-Ing. Bernd Hörter und Björn Helmke von der BG Verkehr am 30. April bei ihrem Vortrag „Professionelle Hygiene in Taxis, Mietwagen und Flottenfahrzeugen“. Er war Bestandteil der Bühne „Automotive und Taxi“ der Conference-Days des HUSS-VERLAGES.

Gebrieft von Dietmar Fund, dem Chefredakteur von taxi heute, stellten Arbeitsschutz-Experte und Aufsichtsperson Hörter und Pressesprecher Helmke klar, dass wegen der Übertragung des Covid-19-Virus über Aerosole eine FFP2-Maske einen bedeutend höheren Schutz verspreche als Trenneinrichtungen hinter den Vordersitzen, weil die nicht dicht schließen würden. Als Husten-, Nies- und Spuckschutz hätten sie aber eine ergänzende Wirkung. Daher empfehle die BG Verkehr sie grundsätzlich und rate dazu, darauf zu achten, dass diese für den öffentlichen Straßenverkehr zulässig sind.

Gegenüber der Übertragung über die Luft sei das Risiko, sich Corona-Viren über kontaminierte Kontaktflächen einzufangen, deutlich geringer, berichtete Hörter. Er empfahl den Fahrerinnen und Fahrern, die Kontaktflächen ihrer Fahrzeuge nach dem Fahrgastwechsel und vor einem Schichtwechsel mit Einmal-Tüchern und fettlösendem Haushaltsreiniger gründlich abzuwischen und dabei Einmal-Handschuhe zu tragen. Eine Alternative dazu seien Desinfektionsmittel. Die müssten aber nachgewiesenermaßen begrenzt viruzid, begrenzt viruzid plus oder viruzid sein und per Wischdesinfektion aufgetragen werden. Beim Sprühen erreiche man zum Beispiel die Bereiche hinter dem Lenkrad nicht und es könne zu gesundheitlichen Gefährdungen kommen. „Einen zusätzlichen Infektionsschutz bietet das Desinfizieren von Flächen nicht“, stellte der Arbeitssicherheits-Fachmann klar.

Eher skeptisch beurteilt die BG Verkehr laut ihrem Pressesprecher Björn Helmke die Desinfektion mit Ozon oder UV-Licht, deren Nutzung man am besten mit Unterstützung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit gegen mögliche Gesundheitsrisiken abwägen müsse. Das gelte auch für Luftreiniger in Fahrzeugen, die nach diesen Prinzipien arbeiteten. Von Luftreinigern mit HEPA-Filtern dagegen sei eine gewisse Schutzwirkung zu erwarten, die man aber bei Kurzstrecken noch besser mit häufigem Durchlüften erreichen könne. Daher seien sie in erster Linie ein ergänzender Baustein für Taxis und Mietwagen, die oft auf längeren Strecken unterwegs seien, ergänzte Björn Helmke. Am Schluss des Reinigungsvorgangs oder des Desinfizierens sollte man seine zuvor durch Einmalhandschuhe geschützten Hände noch gründlich waschen.

Weitere Ratschläge gab das Referenten-Duo auch zum Virenschutz in geschlossenen Räumen. Genügend Abstand zueinander, häufiges Lüften und das Aussperren betriebsfremder Personen empfahlen die Experten in diesem Bereich. Komprimierte Infos zum Lüften und zur Klimatisierung in geschlossenen Räumen gebe es auf der Homepage der BG Verkehr.

Zum Schluss ging Bernd Hörter noch einmal auf FFP2-Masken ein, die viele Fahrerinnen und Fahrer, die vor einer Trenneinrichtung sitzen, gerne auch bei Fahrgastfahrten weglassen würden. Da sie die wichtigste Schutzmaßnahme sei, riet er dringend dazu, dass auch Brillenträger sie tragen sollten. Nicht nur sie sollten den Sitz und die Dichtigkeit an der Nase prüfen, riet Hörter. Er trägt selbst eine Brille, betreut auch in Corona-Zeiten Mitgliedsunternehmen vor Ort und trägt dabei solche Masken. Auch bei seinen Tätigkeiten in der Verwaltung ist häufig das Tragen einer medizinischen Gesichtsmaske erforderlich. Sein abschließender Rat: „Man kann die FFP2-Masken nicht aufarbeiten und sollte sie deshalb entsorgen, sobald sie durchfeuchtet sind.“ Er selbst führt seine Masken vor Verschmutzung geschützt in Kunststoffboxen im Auto mit, solange er sie nicht tragen muss.

Alle Einzelveranstaltungen der Conference Days sind bis auf Weiteres nach einer kostenlosen Registrierung über Conference-Days.de abrufbar.

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