Mitgliederversammlung des LBVTM - Taxiunternehmen fordern mehr Rückhalt aus der Politik
Digital vernetzt, innerorts entschleunigt
Da sitzen also Ende April Vertreter von Verkehrsverbünden, Landesdatenkoordinatoren und Systemanbietern in Berlin bei der DELFI-Konferenz und diskutieren über digitale Fahrgastinformation. Es geht um Schnittstellen, Datenstandards und NeTEx-Konformität. Wörter, bei denen selbst langjährige Unternehmer kurz prüfen, ob sie versehentlich auf einem IT-Kongress gelandet sind.
Der VSPV-Standard 101 soll Taxi- und Mietwagenangebote künftig bundesweit sichtbar und buchbar machen. Das klingt technisch trocken, ist aber politisch bemerkenswert. Denn dahinter steckt eine stille Verschiebung: Das Gewerbe will nicht länger bloß Ergänzung sein, wenn Bus und Bahn Feierabend haben. Es will Teil der digitalen Infrastruktur werden. Sichtbar im System. Buchbar im System. Relevant im System. Man könnte auch sagen: Das Taxi möchte endlich mehr dort auftauchen, wo heute Mobilität entschieden wird – auf Smartphone-Displays. Das ist überfällig. Denn jahrelang wurde im öffentlichen Verkehr mit erheblichem Aufwand über On-Demand-Verkehre diskutiert, während Tausende Fahrzeuge längst existierten, Fahrer verfügbar waren und Ortskenntnis serienmäßig mitbrachten.
Und dann ist da noch die andere Debatte dieser Tage: Tempo 30 innerorts. Unfallforscher fordern die „Umkehr von Regel und Ausnahme“. Nicht aus ideologischer Lust an Verbotsschildern, sondern wegen 406 getöteter Fußgänger im vergangenen Jahr. Besonders häufig passieren schwere Unfälle dort, wo Menschen Straßen überqueren wollen – oft bei Tempo 50. Interessant ist daran weniger die Zahl als die Perspektive. Jahrzehntelang wurde Verkehr vor allem aus Sicht des fließenden Autos gedacht. Nun rückt wieder der Mensch ins Bild: der ältere Herr mit Einkaufstasche, die Schülerin am Zebrastreifen, die Frau mit Rollator an der Kreuzung. Für das Taxi ist das keine Nebensache. Denn genau diese Menschen sitzen häufig auf der Rückbank.
Das Gewerbe bewegt sich damit in einer eigentümlichen Doppelrolle. Einerseits soll es digitaler, effizienter und stärker vernetzt werden. Andererseits bleibt es ein analoges Versprechen: dass jemand kommt, hilft, wartet, kennt, fährt.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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