Brandenburg: Streit zwischen AOK und Fahrdiensten eskaliert – Politik schaltet sich ein
Guten Tag,
Tarifdschungel und Reichweitenfrost
Taxifahren scheint manchmal wie eine besonders ausdauernde Wintersportart: Man fährt los mit Optimismus, einer halbwegs vollen Batterie – und kommt an mit der Erkenntnis, dass Theorie und Praxis selten im selben Fahrzeug sitzen. Die beiden Themen dieses Newsletters passen deshalb erstaunlich gut zusammen: der Streit um Krankentransporte in Brandenburg und die winterliche Realität der Elektromobilität.
Beginnen wir in Brandenburg, wo die AOK und die Fahrdienstanbieter derzeit eher übereinander als miteinander sprechen. Unterschiedliche Preisregeln je nach Beförderungsart, regionale Taxitarife hier, landesweite Mietwagenpreise dort – es klingt nach Ordnung, fühlt sich für viele Betriebe aber nach Roulette an. Besonders bemerkenswert ist, dass sich die Branche diesmal geschlossen zeigt. Man hat offenbar gelernt, dass man sich nicht dauerhaft gegeneinander ausspielen lassen sollte, wenn die Kosten davonlaufen. Personalkosten von 70 Prozent sind keine theoretische Größe, sondern tägliche Praxis. Mindestlohn rauf, Werkstattpreise rauf, Fahrzeugkosten rauf – nur die Vergütung für die Krankenfahrten soll bitte stabil bleiben.
Dass das Taxigewerbe dabei als einziger Teil des öffentlichen Verkehrs ohne Subventionen auskommen soll, verleiht der Debatte eine gewisse Absurdität. Man könnte auch sagen: Das System verlässt sich darauf, dass irgendwer am Ende schon verzichtet – nur, dass immer mehr Betriebe das einfach nicht mehr können.
Fast nahtlos fügt sich der zweite Blick auf die Realität: der ADAC-Wintertest von Elektroautos. Auch hier gilt: Die Anzeige verspricht viel, draußen ist es kalt, und irgendwann steht man doch an der Ladesäule. 57 Prozent Mehrverbrauch im Schnitt sind keine Kleinigkeit, sondern ein betriebswirtschaftlicher Faktor. Für Taxiunternehmer erst recht. Wer kalkuliert, muss im Winter neu rechnen – egal, was im Prospekt steht.
Immerhin gibt es Lichtblicke. Die Taxi-Modelle von Tesla und VW zeigen, dass auch bei Kälte Langstrecke machbar ist, wenn Effizienz und Ladeleistung stimmen. Vielleicht ist das die verbindende Klammer beider Themen. Ob Krankentransporte oder Elektromobilität – entscheidend ist nicht, was auf dem Papier steht, sondern was im Alltag funktioniert. Und der beginnt bekanntlich nicht im Ministerium, nicht im Labor und auch nicht im Prospekt, sondern im betrieblichen Alltag. Auch bei Frost. Mit Kunden, die pünktlich ankommen wollen.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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