Berlin setzt Konzessionserteilung aus – ein Jahr Stillstand auf dem Taximarkt
Was ist Taxi?
Ein Blick nach Berlin und einer nach Texas zeigt die Spannbreite des Taxigewerbes. In der deutschen Hauptstadt zieht die Verwaltung die Handbremse. Ein Jahr lang keine neuen Konzessionen. Rund 6.600 Taxis sind unterwegs, 2.500 Anträge liegen beim LABO, der Stundenumsatz stagniert bei etwa 20 Euro. Realistisch wären mindestens 30 Euro, um Mindestlohn, Abgaben, Fahrzeug- und Energiekosten zu decken. Wer rechnen kann, erkennt das Problem. Der Konzessionsstopp ist ein ordnungspolitisches Signal. Er richtet sich an jene, die aus dem Mietwagenlager ins Taxi wechseln – meist mit Plattform-Logo auf der Tür. Berlin versucht, Zeit zu gewinnen. Zeit für Kontrollen, für Mindestpreise im Mietwagenbereich, für so etwas wie Marktordnung. Ob dafür nur ein Jahr reicht, ist eine andere Frage.
Während hierzulande über Paragraf 13 Absatz 4 Personenbeförderungsgesetz diskutiert wird, rollt in Texas ein Zweisitzer ohne Lenkrad vom Band. Tesla nennt ihn Cybercab. Kein Fahrer, keine Pedale, 35-kWh-Batterie, 320 Kilometer Reichweite, induktives Laden im Depot. Produktionsstart geplant für April 2026. Preisziel unter 30.000 Euro. Das Versprechen: Das Auto verdient Geld, wenn sein Besitzer schläft. Das ist mehr als nur ein neues Modell. Es ist der Versuch, das Geschäftsmodell neu zu definieren. Weg vom Fahrzeug mit Unternehmer und Fahrer, hin zur skalierbaren Plattform auf Rädern – die Software soll es richten. Doch selbst Tesla ringt mit „Edge Cases“, mit jenen seltenen Verkehrssituationen, die Algorithmen ins Schwitzen bringen. Die Regulierung in den USA und Europa schaut genau hin. Und Berichte über erhöhte Unfallraten in bestehenden Tests mahnen zur Nüchternheit.
Ob Berliner Konzessionsstopp oder texanisches Robotaxi – es ist derselbe Markt, nur aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet. Hierzulande stellt sich die Frage, wie viele Fahrzeuge ein System wirtschaftlich trägt. Tesla arbeitet an der Vision, Fahrzeuge ganz ohne Fahrer wirtschaftlich zu betreiben. Für Taxiunternehmer bedeutet das: Noch ist die Gegenwart geprägt von zaghafter Digitalisierung, Kalkulation und einem ausufernden Regelwerk. Die Zukunft wird hingegen datengetrieben, kapitalintensiv und auch regulatorisch komplex sein. Höchste Zeit für die Politik, neue Leitplanken zu setzen – sonst wird das klassische Taxigewerbe schnell ganz auf der Strecke bleiben.
Zum Schluss noch ein Hinweis: Eine neue Ausgabe der taxi heute ist erschienen und steht Abonnentinnen und Abonnenten online zur Verfügung.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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