Hände hoch – Taxiüberfall
Thema des Monats Juni 2006
Erschreckend häufig meldeten Polizeiberichte in den letzten Wochen Überfälle auf Taxifahrer und Taxifahrerinnen. In vielen Fällen wurden die Fahrer dabei auch verletzt. Eine Aktion in Schleswig Holstein soll Überfälle künftig verhindern. 19.05., Tatort München: Das 47-jährige Opfer nimmt am Flughafen den späteren Täter als Fahrgast auf. In einer Seitenstraße drückt dieser ihm plötzlich ein Teppichmesser an die Kehle und fordert sein Geld. Die ihm daraufhin übergebene Geldbörse reicht ihm aber nicht aus und er durchsucht die Kleidung des 47-jährigen. Er nimmt weiteres Bargeld an sich und drückt dem Opfer Mund und Nase zu. Der Taxler setzt sich dagegen nun zur Wehr und es kommt zu einer Rauferei. Dabei wird dem Taxifahrer der linke Nasenflügel abgetrennt; es gelingt dem stark blutenden Mann aber dennoch, den Täter in die Hand zu beißen und den Flüchtenden zusammen mit einem hinzugekommenen Passanten zu verfolgen – allerdings leider ohne Erfolg.
20.05., Tatort Babenhausen: Der Täter steigt kurz nach 1 Uhr am Bahnhof in Aschaffenburg in das Fahrzeug seines späteren Opfers, einer 59-jährigen Taxifahrerin und lässt sich zur Kaserne in Babenhausen fahren. Dort angekommen, steigt er aus und täuscht vor, an der Fahrertür zu bezahlen. Stattdessen greift er seine Chauffeurin an, zieht diese aus ihrem Taxi und flüchtete mit selbigem.
Offensichtlich derselbe Täter schlägt rund eine Woche später nach dem gleichen Muster nochmals zu und raubt, nachdem er auf sein Opfer eingeschlagen hat, erneut ein Taxi.
21.05., Tatort Berlin: Zwei Täter steigen in das Taxi eines 54-jährigen aus Moabit. Während der Fahrt nennen sie mehrmals unterschiedliche Fahrtziele und fordern den Taxifahrer schließlich auf, anzuhalten. Dann schlagen sie auf ihr Opfer ein und rauben seine Geldbörse. Der 54-jährige wird bei der Tat leicht verletzt.
27.05., Tatort Essen: An seinem Fahrtziel angekommen, bedroht ein junger Mann plötzlich den 64-jährigen Taxifahrer mit einer Pistole, verlangt die Herausgabe seines Bargelds und Mobiltelefons und tritt anschließend die Flucht an.
27.05., Tatort Hamburg: Gegen 14:45 Uhr besteigt ein Mann den Wagen einer 71-jährigen Taxilenkerin. Am Fahrtziel angekommen, fordert er sie auf, auszusteigen und fährt mit dem Taxi davon. Einen Tag später benutzt er dann das geraubte Taxi als Fluchtfahrzeug bei einem Raubüberfall auf eine Hamburger Tankstelle.
28.05., Tatort Offenbach: Opfer zweier Räuber wird ein 29 Jahre alter Taxifahrer, der zu einer Adresse in Offenbach bestellt wird. Als er dort aus seinem Taxi aussteigt, kommen zwei vermummte und dunkel gekleidete Männer aus einem Wald und greifen ihn unvermittelt an. Während einer der Täter mit einem Stock auf den Taxifahrer einschlägt, raubt der andere sein Handy und das Navigationsgerät aus dem Taxi. Das 29-jährige Opfer wird bei dem Übergriff leicht verletzt.
Aktion Prävention: „Ich bin kein Opfertyp“. Unter diesem Motto organisiert nun die Landespolizei Schleswig Holstein zusammen mit dem Landesverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe Schleswig Holstein e.V. eine Veranstaltungsreihe, in der die wichtigsten Verhaltensregeln aufgezeigt werden, wie solche Überfälle bereits im Vorfeld vermieden werden können und wie man sich – falls es doch passiert – richtig verhält.
Bisher sind folgende Termine vorgesehen:
20.06.2006 16:30 Uhr, Polizei Behördenhochhaus Itzehoe, Große Paaschburg 66, 25524 Itzehoe
27.06.2006 16:30 Uhr, Polizeizentralstation Heide, Markt 59, 25746 Heide
03.07.2006 19:00 Uhr, Fa. Süverkrüp u. Ahrendt, Lundener Str. 4 - 6, 24768 Rendsburg
Zusätzlich zu diesen Veranstaltungen wurden ein Aufklärungsflyer und Aufkleber entwickelt, die möglichst in jedem Taxi angebracht werden sollten. Mit dem Aufkleber „Nur Wechselgeld“ soll der Fahrgast darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich ein Taxiüberfall „finanziell nicht lohnt“. Ein weiterer Aufkleber sollte nur im Sichtbereich des Fahrers (beispielsweise unter der Sonnenblende) angebracht werden und enthält ein paar simple, aber effektive Verhaltensmaßregeln:
- selbstsicheres Auftreten, gepflegte Kleidung und verbindliche Ansprache gegenüber den Kunden.
- Keine Heldentaten wegen 100 Euro.
- Nutzung aller verfügbaren Alarmanlagen im Auto.
- Möglichst wenig Bargeld im Geldbeutel, der auch nicht im Sichtbereich des Fahrers liegen sollte.
- Immer gelassen reagieren, selbst wenn der Fahrgast aggressiv und provozierend ist.
- Aussehen des Täters einprägen, um ihn hinterher genau beschreiben zu können.
Gesponsert werden die Flyer und Aufkleber von den Mercedes-Benz-Autohäusern in Schleswig Holstein.
Olaf Völker vom Landesverband Schleswig Holstein hofft, dass die Veranstaltungen von möglichst vielen Taxifahrerinnen und Taxifahrern besucht werden und dass die Aufkleber flächendeckend an den Taxis zu sehen sind. Damit die tragischen Übergriffe auf Taxifahrerinnen, die vor allem im November und Dezember 2005 die Schlagzeilen in Nord-Deutschland beherrschten, hoffentlich Einzelfälle bleiben.
Beantworten Sie zu diesem Thema auch unsere Frage des Monats:
Würden Sie eine Informationsveranstaltung zur Vorbeugung von Taxiüberfällen besuchen?