Falschparker bezahlen Schienenersatztaxis
Thema des Monats Januar 2009
Taxizentralen aller größeren Städte, in denen ein Teil des öffentlichen Personennahverkehrs mit Straßenbahnen durchgeführt wird, sollten in den nächsten Monaten genau nach München schauen. Denn dort wird 2009 der so genannte Schienenersatzverkehr (SEV) mit Taxis durchgeführt werden.
Soll heißen: Wenn in der bayerischen Landeshauptstadt eine Straßenbahnlinie ausfällt, werden Fahrgäste dieser Linie kurzzeitig mit Taxis befördert. Darauf verständigte sich in München die dortige Verkehrsgesellschaft MVG mit der Taxi München eG, einer von zwei Münchner Taxizentralen.
Die Vorbereitungen dazu seien weitgehend abgeschlossen, hieß es in einer Pressemeldung der MVG. Der Einsatz von Taxis habe dabei mehrere Vorteile:
1. Da Taxis über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind, kann ein entsprechender SEV-Verkehr schneller aufgebaut werden als ein Bus-Notverkehr. So verkürzt sich für die Fahrgäste die Wartezeit zwischen dem Ausfall der Straßenbahn und der ersten Beförderung durch den Schienenersatzverkehr. München komme dabei zugute, dass drei von vier Haltestellen in direkter Nähe vom nächsten Taxistandplatz entfernt liegen, betont die MVG.
2. Taxis sind rund um die Uhr in genügender Anzahl verfügbar, selbst nachts, wohingegen Reservebusse nur begrenzt bereit stehen.
3. Die Disposition der Taxis für den SEV übernimmt die Taxizentrale. Damit wird die Leitstelle im MVG-Betriebszentrum entlastet und kann sich so voll auf die Betriebsstörung konzentrieren.
Sobald absehbar ist, dass die Unterbrechung einer Straßenbahnlinie länger als 30 Minuten dauern wird, bestellt der verantwortliche Störungsmanager der Verkehrsgesellschaft die erforderliche Anzahl von Taxis bei der Taxi-Zentrale. Diese fahren dann umgehend zu den von der Störung betroffenen Haltestellen und pendeln anschließend entlang des gestörten Streckenabschnitts. Sie bedienen dabei entweder die Original-Straßenbahnhaltestellen oder halten in deren unmittelbarer Nähe. Weiterführende oder vom vorgegebenen Linienweg abweichende Fahrten sind nicht möglich. Die Fahrgäste können die für sie reservierten Taxis am SEV-Logo erkennen, das die Taxifahrer hinter der Windschutzscheibe befestigen.
Trotz der Vereinbarung will die MVG aber auch weiterhin Ersatzbusse ergänzend zum Taxi-SEV einsetzen. Vor allen Dingen bei hohem Kundenaufkommen oder einer besonders langen Störungsdauer.
Vorbild für die Münchner Kooperation sind übrigens Frankfurt und Nürnberg, wo der Schienenersatzverkehr schon seit 2006 bzw. 1996 von Taxis durchgeführt wird und das Konzept voll und ganz aufgeht. Selbiges hofft man nun auch für München, vor allem in finanzieller Hinsicht. Herbert König, der Chef der Münchner MVG, geht davon aus, dass zumindest ein Teil der Kosten von den Verursachern der Straßenbahnstörung zurückgefordert werden kann. Betriebsstatistiken der MVG hätten gezeigt, dass beispielsweise Falschparker und Unfälle für rund drei Viertel der größeren Straßenbahnstörungen verantwortlich seien.
Wie gesagt, andere Städte sollten die Münchner Kooperation sehr genau beobachten. Denn sollte sich das dortige Konzept bewähren, wäre ein Nachahmeffekt wünschenswert. Die aufgeführten Argumente lassen sich jedenfalls 1:1 auf jede Gemeinde in Deutschland übertragen, in der Straßenbahnen zum Einsatz kommen.
Übrigens: Auch Berlin plant künftig, einen Schienenersatzverkehr mit dem Taxi durchführen zu lassen. Dort sogar auch bei Störungen im U-Bahn-Verkehr. Wem also der Blick nach München zu weit ist, kann gerne auch in die Bundeshauptstadt schielen.