Geely tauscht Volvo CEO aus - Rowans Vorgänger Samuelsson kommt zurück

Unerwartete Überraschung: Der Verwaltungsrat berief den einstigen CEO Håkan Samuelsson zurück an die Unternehmensspitze. Ab dem 1. April 2025 sitzt der 74-Jährige Ex-CEO erneut am Steuer von Volvo Cars – zunächst übergangsweise. Die Entscheidung fiel ohne jegliche Vorzeichen und sorgte bei vielen Beobachtern für Verwunderung.

Ungewöhnliche Rückwärtsrochade: Bei Volvo übernimmt der Ex-CEO Samuelsson den Chefposten wieder von Jim Rowan. | Foto: Volvo Cars
Ungewöhnliche Rückwärtsrochade: Bei Volvo übernimmt der Ex-CEO Samuelsson den Chefposten wieder von Jim Rowan. | Foto: Volvo Cars
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Erst vor wenigen Wochen sprachen wir selbst mit Jim Rowan – er hatte eine klare Ausrichtung und konnte alle Fragen, auch die kniffeligen, gut parieren – und man hatte den Eindruck, dass die Transformation bei Volvo jetzt erst richtig losgeht. Stattdessen wurde er kurzfristig ohne jegliche Vorwarnung durch seinen Vorgänger ersetzt. Insider sprechen von einem regelrechten Schockmoment im Unternehmen.

Das Seltsame: Rowan lieferte – bei Transformation und Zahlen

Rowan wurde erst 2022 CEO und konnte solide wirtschaftliche Ergebnisse vorlegen: 2024 konnte er gar einen Rekordumsatz und den höchsten Gewinn in der 100-jährigen Geschichte abliefern. Doch der Brite ist kühler Realist: Er kannte auch die drohenden Probleme, aktuell vor allem auf dem US-Markt mit den drohenden Zöllen. Denn bis auf den EX90 (und Polestar 3) werden aktuell keine Volvo- Modelle nicht in Nordamerika produziert. Und das Werk dort ist nicht groß genug, um die Nachfrage zu decken. Rowan hat all das frühzeitig adressiert. Vielleicht zu früh, vielleicht zu offen – man weiß es nicht genau.

Geely-Gründer und Verwaltungsratsvorsitzender Eric Li hat großen Einfluss

Volvo betont in der offiziellen Mitteilung vor allem eins: Stabilität, Erfahrung – und vermutlich auch ein bisschen Ruhe im Maschinenraum. Doch wer zwischen den Zeilen liest (und ein paar Türen weiter horcht), erkennt schnell: Der Einfluss von Eric Li, Verwaltungsratsvorsitzender bei Volvo und Gründer des Mutterkonzerns Geely, war bei dieser Personalrochade alles andere als gering. Sein Lob für Samuelsson fiel jedenfalls deutlich euphorischer aus als das obligatorische Dankeschön an den scheidenden Rowan. Das Vertrauen in Rowans Transformationsfähigkeiten auf Führungsebene scheint jedenfalls erodiert zu sein.

Der einst von Scania kommende Manager Samuelsson kennt Volvo Cars In- und auswendig. Schon von 2012 bis 2022 lenkte er Volvo durch eine Phase tiefgreifender Veränderungen. Jetzt soll er erneut Stabilität bringen – mit viel Erfahrung, strategischer Klarheit und, so hoffen viele, einer ruhigen Hand am Lenkrad. Wobei die für Außenstehende auch bei Rowan erkennbar war.

Die Entscheidung kam für viele Mitarbeitende (und auch Außenstehende) wie aus dem Nichts. Kein Flurfunk, keine Andeutungen – ein Wechsel à la „Hoppla, jetzt komme ich (wieder)“. Dass Eric Li dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielte, überrascht Kenner der Szene kaum. Seine Nähe zu Samuelsson gilt als bestens dokumentiert, während Rowan eher als Mann der leisen Töne galt – vielleicht zu leise für den aktuellen Kurs.

 

Der Wechsel verwundert umso mehr, als Rowan große Schritte ging und in der kurzen Zeit als CEO durchaus Zeichen setzte: Er trieb die technologische Entwicklung weiter voran, stärkte den Fokus auf Software und trug zur Positionierung Volvos als moderner E-Auto-Hersteller und Entwickler von „software-defined vehicles“ bei. Der Dank aus dem Verwaltungsrat war höflich, aber kurz – ein Zeichen dafür, dass es hinter den Kulissen Spannungen gegeben haben dürfte.

Volvo bleibt in Bewegung – auf der Straße und in der Chefetage. 

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