„Taxi Darko“ in Hamburg: Wenn die Taxifahrt zur Theater-Performance wird

Wer in Hamburg ein Taxi ruft, rechnet selten damit, mitten in eine Performance einzusteigen. Doch genau das geschah Anfang Juni 2025, wenn man bei „Taxi Darko“ dabei war. Das Projekt von Schauspielerin und Performerin Zandile Darko verwandelte eine einstündige Fahrt durch die Stadt in eine Mischung aus Hörspiel, Dokumentation und Gespräch – und in eine ungewöhnliche Form von Theater.

Die Performance Taxi Darko erzählt die Geschichte des Taxifahrers Bernard Darko. Das Publikum fuhr im Taxi mit - unterstützt wurden die Aktion dabei von Bülent Aktas und seiner Firma Best Taxi.| Foto: NDR
Die Performance Taxi Darko erzählt die Geschichte des Taxifahrers Bernard Darko. Das Publikum fuhr im Taxi mit - unterstützt wurden die Aktion dabei von Bülent Aktas und seiner Firma Best Taxi.| Foto: NDR

Im Mittelpunkt der Performance stand der Vater von Zandile Drako, Bernard Yaw Darko. Er fährt seit dreißig Jahren in Hamburg Taxi. Geboren in Ghana, aufgewachsen zwischen Accra und später Nigeria, lebt er seit den 1980er-Jahren im Norden Deutschlands. Seine Biografie erzählt von Umwegen und Bruchstellen, von Flucht, Neuanfang und alltäglicher Arbeit. Sie erzählt aber auch von einem Familienleben, das Hamburg seit Jahrzehnten prägt – ohne dass es in den Kulturinstitutionen bislang eine Bühne gefunden hätte.

Taxifahrt, Soundcollage und Kunstprojekt

„Es geht ums Zuhören“, sagt Zandile Darko. Während im Theater oft die eloquenten Stimmen der Gebildeten dominieren, wollte sie mit diesem Projekt den Ton eines Menschen hörbar machen, der selten gefragt wird. Ihr Vater spricht Twi, Englisch und Deutsch, oft fließen die Sprachen ineinander. Diese Mehrsprachigkeit bildeten den Klangteppich von „Taxi Darko“. Entstanden ist damals im Sommer eine Soundcollage aus rund 15 Stunden aufgezeichnetem Material, verdichtet zu einer Stunde Autofahrt. (hier geht´s zum NDR - Filmbeitrag von "Taxi Drako")

Der Weg führte nicht über die Bühne, sondern durch Hamburgs Straßen. Start- und Endpunkt war das Kulturzentrum Kampnagel, doch gespielt wurde auf den weichen Sitzen eines Großraumtaxis. Während draußen Alster, Altona oder die Industriegebiete vorbeiziehen, hörte das Publikum Darkos Stimme, dazu von Fela Kuti unterbrochen von Radiomeldungen oder Nachrichtenfetzen. Immer wieder mischten sich aktuelle Geräusche von draußen hinein: das Röhren eines Motorrads, ein klingelndes Fahrrad, der Stau auf der Sievekingsallee.

Lebensraum Taxi

Für Bernard Darko ist das Taxi nach wie vor Arbeitsort und Lebensraum zugleich. Es war sein Mittel, um die Familie durchzubringen, es brachte die Töchter zur Schule, es bot Raum für Gespräche mit Fremden – oder für stilles Schweigen. Heute spürt er, dass das Reden im Taxi weniger geworden ist. „You have mouth but you cannot talk“, sagt er.

Seine Tochter sieht darin einen politischen Moment: Kommunikation als Suchbewegung, die zwischen Sprachen und Erfahrungen einen Raum eröffnet, in dem Zugehörigkeit neu verhandelt wird. Inspiriert von der Theorie der „Autohistoria“ das die feministische Theoretikerin, Autorin und Aktivistin Gloria Anzaldúa so beschreibt: „Diese Form [der Autohistoria] geht über das traditionelle Selbstportrait oder die Autobiografie hinaus; indem sie die persönliche Geschichte der Autor*innen/Künstler*innen erzählt, bezieht sie auch die Kulturgeschichte der Künstler*innen mit ein – sie ist also eine Art und Weise, wie wir Geschichte erzeugen, unsere Geschichte aus unserer Erfahrung und Perspektive heraus und durch unsere Kunst selbst erfinden können, statt die Version der Dominanzgesellschaft einfach hinzunehmen.“

Migrationsgeschichte am Steuer

So verwebten sich in „Taxi Darko“ persönliche Erinnerungen mit gesellschaftlichen Fragen: Migration, Bildung, postkoloniale Geschichte. Am Ende blieb die Erfahrung einer gemeinsamen Fahrt, die man so schnell nicht vergessen konnte. Die Fahrgäste saßen nebeneinander, hörten zu, sahen die Stadt neu. Vielleicht aber achteten sie auch zum ersten Mal wirklich auf den Fahrer. (Quelle: Zeit, NDR, Kulturzentrum Kampnagel)

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