SUE: Der autonome Shuttle der Uedelhoven Studios

Mit SUE betreten die UE | Studios die Bühne des öffentlichen Verkehrs – und präsentieren ein autonomes Leuchtturmprojekt für den ÖPNV: ein Self-Driving Urban E-Shuttle.

Fahrbereit und bereits getestet: SUE von Uedelhoven Studios ist als ÖPNV-Ergänzung gedacht. | Foto: Uedelhoven Studios
Fahrbereit und bereits getestet: SUE von Uedelhoven Studios ist als ÖPNV-Ergänzung gedacht. | Foto: Uedelhoven Studios
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

SUE ist ein vollelektrischer, autonom fahrender People Mover für den realen Einsatz im öffentlichen Personennahverkehr – dort, wo heutige Angebote enden und neue Verbindungen erst entstehen müssen. Kein Prolog, kein Vorspann: SUE ist für den laufenden Betrieb gedacht, nicht für die Kulisse.

Eigentlich kennt man die UE | Studios – und Alexander Uedelhoven – aus dem Prototypenbau. Das Spektrum reicht von der Radkappe bis zum fahrfähigen futuristischen Einzelstück. Viele Messehighlights der OEMs stammen nicht aus den eigenen Designzentren der Hersteller, sondern aus Gaimersheim bei Ingolstadt. Fahrzeuge, die oft filmreif sind oder zumindest ganz großes Kino. Doch SUE spielt nicht in Hollywood. Dieses Projekt wurde vollständig in Deutschland entwickelt, gestaltet und hergestellt – inklusive Fahrzeugplattform, Fahrzeugsystemen und autonomer Software. Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) ist SUE ein bewusst gesetztes Zeichen für „Made in Germany“ im internationalen Wettbewerb.

In dieser Inszenierung ist das Fahrwerk die Bühne. Und SUE betritt sie mit einem radikal flachen, straßenzugelassenen 48-Volt-Skateboard. Kurze Überhänge, ein anpassbarer Radstand und ein besonders flaches Chassis bilden das Fundament, auf dem der Fahrgastraum direkt aufbaut. Das Ergebnis ist maximale Innenraum-Effizienz, eine sehr niedrige Einstiegshöhe und ein Betriebskonzept, das Kommunen nicht nur beeindruckt, sondern tatsächlich nutzen können.
Alexander Uedelhoven, Projektleiter SUE und Prokurist der UE | STUDIOS, bringt die kreative Grundidee auf den Punkt:
„Wir haben SUE von Grund auf neu entwickelt und gestaltet, um der Fortbewegung von morgen ein Gesicht zu geben.“

Direkt unter dieser Bühne sitzt die Energie – unsichtbar, aber tragend wie die Technik hinter dem Vorhang. Zwei Batteriepacks mit insgesamt 63 kWh sind nur rund 115 Millimeter flach im Fahrzeugboden integriert. Das von ElringKlinger entwickelte Batteriesystem erfüllt die Anforderungen nach ECE-R10, ECE-R100 sowie IPX6 und ist konsequent für den Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr ausgelegt. Die flache Integration senkt den Schwerpunkt, erhöht die Fahrstabilität und ermöglicht einen barrierearmen, nahezu ebenen Einstieg ohne Liftsysteme auf lediglich 28 Zentimetern Höhe.

Statt Hochvolt setzt SUE auf 48 Volt – eine bewusste Entscheidung für Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Wartungsfreundlichkeit. Die innovative 48-Volt-Architektur arbeitet vollständig im sicheren Niedervolt-Bereich. Das bedeutet maximalen Berührschutz, geringere Betriebskosten und eine deutlich vereinfachte Wartung – auch ohne Hochvolt-Fachpersonal. Die Folge ist eine höhere Fahrzeugverfügbarkeit und ein autonomer ÖPNV, der gerade für kleinere Kommunen realistisch wird. Ergänzt wird das durch eine modulare Systemarchitektur: Das SUE Smart-Chassis ist nicht als Einzelrolle gedacht, sondern als Plattform für weitere Konzepte und zukünftige Auftritte.

Zwei Motoren leisten bis zu 160 kW

Auch der Antrieb folgt dieser Logik: Leistungsfähig, aber kontrolliert – wie ein Darsteller mit Reserve. Die 48-Volt-Antriebseinheit mit zwei Motoren eines deutschen Herstellers ist auf bis zu 160 kW ausgelegt, wird im Prototyp jedoch mit 45 kW betrieben. Die Steuerung übernimmt eine ASIL-D-konforme Vehicle Control Unit gemäß ISO 26262, entwickelt von der Faissner-Petermeier Fahrzeugtechnik AG. Ein integriertes Torque-Vectoring-System verteilt das Antriebsmoment radindividuell. Je nach Einsatz sind Varianten bis hin zur 23-kW-Konfiguration möglich.
Beim Fahrwerk ist im Serienkonzept ein platzsparendes Pull-Rod-System vorgesehen, alternativ lassen sich konventionelle stehende Feder-Dämpfer-Einheiten realisieren. Für Lenkung und Bremse sind bis zu straßenzulassungsfähige, ASIL-D-konforme Steer-by-Wire- und Brake-by-Wire-Systeme integrierbar – wie bereits im Prototyp umgesetzt.

SUE ist schnell genug für echte Linienlogik. Mit einer Auslegung bis 50 km/h bewegt sich das Shuttle deutlich über dem Niveau vieler Pilotprojekte. Mit Straßenzulassung und Ausnahmegenehmigung für autonomen Testbetrieb ist SUE bereits real auf der Straße unterwegs. Modellregionen wie die geplante Strecke Neustadt an der Donau – Bad Gögging zeigen exemplarisch, wie SUE Direktverbindungen schaffen und bestehende Verkehrsnetze sinnvoll ergänzen kann – ein Szenario, das sich auf Kommunen in ganz Europa übertragen lässt.

Wichtig: Modularer Aufbau für den Service 

Hinter den Kulissen ist SUE modular gedacht – für Serviceability und den nächsten Akt. Aktuell ist das Fahrzeug nach Level-2-Standards zugelassen und sieht einen Operator im Interieur vor. Gleichzeitig ist SUE so ausgelegt, dass beim Übergang zum vollautonomen Betrieb keine Anpassungen an Exterieur oder Interieur notwendig sind. Ein demontierbares Operator-Panel, ausfahrbare Scheibenwischer und Frontscheinwerfer sind ebenso Teil des Konzepts wie die klar strukturierte Sensorik: Kameras sitzen in den sogenannten Vision-Belts, LiDAR-Sensoren im modularen Tech-Belt – schnell zugänglich und wartungsfreundlich. Beide B-Säulen enthalten Wartungspanels, zentrale Komponenten sind im herausziehbaren Tech-Rack der doppelten B-Säule untergebracht. Die Lokalisierung erfolgt über GPS, Kameras und RFID, ergänzt durch IMU- und Wheel-Speed-Sensoren.
Das autonome System stammt vom Institut für Fahrzeugtechnik (IfF) der TU Braunschweig (Mitglied im NFF). Realtests fanden unter anderem mit dem Versuchsfahrzeug RAION statt. Zum Einsatz kommen KI-basierte Objekterkennung, Objekttracking, Distanzschätzung und VRU-Interaktion, erprobt bis 50 km/h. Fahrzeug und Sicherheitskonzept wurden gemeinsam mit TÜV NORD geprüft.

Gestalterisch verzichtet SUE bewusst auf die große Technikshow. Stattdessen setzt das Shuttle auf Vertrauen – ausgelöst durch ein konsequent human-centric Design. Großzügige Sichtachsen sorgen für Orientierung, Komfort und Wiedererkennbarkeit. Der Fahrgast steht im Mittelpunkt der Inszenierung, nicht die Technik.
„Unsere Materialien ermöglichen es, Designfreiheit, Leichtbau und Kreislauffähigkeit miteinander zu verbinden – zentrale Voraussetzungen für die Mobilität der Zukunft“, sagt Jochen Hardt, Leiter Global Marketing Mobility bei Covestro.

Ein Blick in die Details zeigt, wie präzise diese Materialien für den ÖPNV ausgewählt wurden. Makrolon-Polycarbonat ermöglicht die außergewöhnliche Krümmung und Geometrie der Verglasung sowie großflächige 3D-Formteile, unter anderem die Dachscheibe. Das Material unterstützt Reichweite und Energieeffizienz und trägt zur Gewichtsreduktion von knapp 60 Prozent des Fahrzeugs bei. Gleichzeitig punktet Makrolon mit einem CO₂-neutralen Produktionsprozess unter Einsatz bereits recycelten Materials und ist deutlich weniger energieintensiv als Glas. Makrolon-Abdeckungen schützen zudem die LiDAR-Sensorik und sichern die notwendige Transmission. Auch kommunale Identität lässt sich integrieren: Speziell gefärbtes Makrolon in Orange orientiert sich am Erscheinungsbild des Landkreises Kelheim.

Auch ans Recycling wurde gedacht

Im Innenraum kommt mit Arfinio ein vollständig recycelbares Monomaterial zum Einsatz, robust gegenüber mechanischer Beanspruchung, UV-Strahlung und Verschleiß. Ergänzt wird dies durch TPU-Sitzpolster: umweltfreundlich, 3D-gedruckt, zu 100 Prozent recycelbar und werkzeuglos herstellbar – ein erheblicher Kostenvorteil. Hochwertige Textilien runden das Bild ab: Kvadrat Re-wool 2 mit einem Anteil von 45 Prozent recycelter Wolle, Dinamica als Mikrofaser aus recyceltem Polyester, wasserbasiert und lösungsmittelfrei hergestellt, sowie robuste Polyestergewebe von HAY aus Horsens, Dänemark. Rückenlehnen und Kopfstützen sind selbstverständlich personalisierbar.

Das Interieur-Interface SUE Ambience verbindet einen haptischen Dreh-Drück-Controller mit integrierter Anzeige und Ambientebeleuchtung von Studio Waldemeyer. Nutzerrelevante Funktionen sind bewusst in der Signalfarbe Butteryellow hervorgehoben. Für Privatsphäre sorgen schaltbare PDLC-Scheiben (Polymer Dispersed Liquid Crystal), die sich zwischen transparent und opak verändern lassen.

Hinter dem Projekt steht ein Konsortium, das SUE real umsetzen will

Getragen wird dieses Projekt von einem starken Konsortium mit klarer Umsetzungsabsicht. UE | STUDIOS agieren als Initiator, Projektleiter und Fahrzeughersteller und arbeiten mit Partnern wie DB Regio, ElringKlinger, TÜV NORD Mobilität, Fraunhofer EMFT, Hochschulen sowie kommunalen Akteuren wie dem Landkreis Kelheim und der IFG Ingolstadt zusammen. Das erklärte Ziel: kein Showcar für den Premierenabend, sondern ein belastbares, dauerhaftes Angebot für den öffentlichen Personennahverkehr.

Was bedeutet das?

SUE ist damit kein flüchtiger Auftritt, sondern eine durchdachte Produktion mit Langzeitlaufzeit. Die Bühne ist der urbane Raum, das Publikum sind die Fahrgäste, und der Applaus misst sich nicht in Kamerablitzen, sondern in Akzeptanz, Nutzung und Alltagstauglichkeit. Ein Fahrzeug, das den Moment des Auftritts beherrscht – und danach zuverlässig weiterfährt.

Quelle: Uedelhoven Studios

 

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