Taxifahrer müssen MwSt-Satz korrigieren

Wenn ab dem 1. Juli 2020 auf handschriftlichen Quittungen nicht der abgesenkte Mehrwertsteuersatz steht, sondern der bisher gültige, drohen dem Taxiunternehmer Steuerprüfungen.

Jürgen Weberpals hat immer ein offenes Ohr für seine Kunden – hier ist es Kai Rosselnbruch, Taxi-Spezialist des Opel-Händlers Paul Bauer in Köln. (Foto: Dietmar Fund)
Jürgen Weberpals hat immer ein offenes Ohr für seine Kunden – hier ist es Kai Rosselnbruch, Taxi-Spezialist des Opel-Händlers Paul Bauer in Köln. (Foto: Dietmar Fund)
Dietmar Fund

Wie zuvor schon die Fachvereinigung Taxi und Mietwagen des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) gibt der Kölner Taxi-Umrüster Jürgen Weberpals seinen Kunden einen dringenden Rat: Sie sollten ihre Taxifahrer darauf hinweisen, dass sie zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2020 auf handschriftlichen Quittungen den dort eingedruckten Mehrwertsteuersatz handschriftlich korrigieren. Tun sie dies nicht, muss der Taxiunternehmer den bisher gültigen Satz abführen. Wenn ein Geschäftskunde bei seiner Betriebsprüfung eine in diesem Zeitraum falsch ausgestellte Quittung vorlegt, kann es sein, dass der Prüfer einen Querverweis macht und daraufhin eine Betriebsprüfung beim Taxiunternehmen eingeleitet wird, warnt Weberpals zusätzlich.

Jürgen Weberpals schreibt das in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Bielefelder Heedfeld GmbH, die der deutsche Importeur von Semiton-Taxametern ist. Weberpals beruft sich bei seinen Ratschlägen auf die Rücksprache, die er mit dem in Taxi-Fachkreisen renommierten Oldenburger Steuerfachmann Edo Diekmann vom Landesamt für Steuern Niedersachsen genommen hat. Ihn hat er um Rat gefragt, nachdem er nach vielen Kundenanfragen und von seinen Behörden keine belastbaren Auskünfte bekommen hatte.

Diekmann hat Weberpals einen Auszug aus dem Umsatzsteuergesetz bestätigt, den der Kölner Umrüster bei einem Fachverlag für Steuerberater gefunden hat. Darin steht, dass der Unternehmer einen zu hoch ausgewiesenen Umsatzsteuerbetrag schuldet. Ein grundsätzlich zum Vorsteuerabzug berechtigter Leistungsempfänger könne den zu hoch ausgewiesenen Steuerbetrag nicht als Vorsteuer abziehen.

In Bezug auf seine Semitron-Taxameter rät der Kölner Umrüster dazu, den Steuersatz beim Semitron-Stützpunkt aktualisieren zu lassen. Dazu sei keine Eichung erforderlich.

Die vorübergehende Absenkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 16 Prozent und des ermäßigten Satzes von 7 auf 5 Prozent zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2020 gehört zu den Maßnahmen, mit denen die Bundesregierung die Konjunktur im Zuge der Corona-Pandemie ankurbeln will.

Zum Umgang mit der vorübergehenden Mehrwertsteuer-Senkung hat HALE Electronics einen Newsletter an seinen Kundendienst und an seine Kunden verschickt, wie das Unternehmen taxi heute erst am 1. Juli 2020 mitgeteilt hat. Demnach sind die aktuellen Taxameter-Modelle werkseitig so programmiert, dass mit einem Belegdrucker nur der Zusatz „inkl. MwSt.“ ausgedruckt wird. Um Quittungen oder Rechnungen mit dem vorübergehend abgesenkten Mehrwertsteuersatz zu drucken, kann der Unternehmer über den Unternehmermodus bei allen aktuellen Taxameter-Modellen und auch beim älteren MCT-05 direkt am Gerät die Parameter für den Mehrwertsteuersatz anpassen.

Wie die Salzburger weiter mitteilen, stellt ihr Datencenter am 1. Juli automatisch die Mehrwertsteuersätze um und am 31.12.2020 wieder zurück auf die alten Werte.

Gar nichts kam bisher von der Kienzle Argo Taxi GmbH, von der man schon seit einer halben Ewigkeit nichts mehr gesehen und gehört hat. Auf deren Homepage stehen noch Meldungen zur Europäischen Taximesse 2016 (!).

Vom Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. kam erst am spätend Abend des 30. Juni 2002 ein Mitglieder-Rundschreiben zum Umgang mit der Mehrwertsteuer-Absenkung (siehe gesonderte Meldung).

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