Lyft übernimmt Freenow: Neue Impulse für das deutsche Taxigewerbe?
Freenow, einst als mytaxi gestartet, hat sich in den letzten Jahren als eine führende Mobilitätsplattform etabliert. Die nun erfolgte Übernahme durch Lyft, das bislang vor allem in Nordamerika aktiv war, könnte neue Dynamiken in den deutschen Markt bringen. Über die Chancen und Herausforderungen dieser Entwicklungen spricht wir mit Alexander Mönch, Deutschland-Chef von Freenow, Ben Irmak (Vorstand der Genossenschaft Funktaxi Bergedorf) und Jan Grupe, (Vorstand von Taxi Alstertal).
taxi heute: Herr Mönch, was bedeutet die Übernahme von Freenow durch Lyft für das deutsche Taxigewerbe?
Alexander Mönch: Lyft bekennt sich klar zum Taxi und sieht in Freenow eine wertvolle Ergänzung für den europäischen Markt. Wir glauben, dass wir voneinander lernen können. Lyft bringt eine starke-Expertise aus den USA mit, Freenow ist tief im Taxigewerbe verwurzelt. Diese Kombination kann neue Impulse setzen.
th: Herr Irmak, wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit Freenow aus Sicht einer Genossenschaft?
Ben Irmak: Als Genossenschaft ist es nicht einfach. Unsere Genossenschaft stand auch mal kurz vor der Pleite, und es gab Übernahmeangebote, die wir abgelehnt haben. Wir glauben, dass wir mit Freenow eine Partnerschaft gefunden haben, die uns hilft, wirtschaftlich zu arbeiten, ohne unsere Unabhängigkeit aufzugeben. Der Zuspruch bei unseren Mitgliedern zu der Kooperation mit Freenow war jedenfalls sehr hoch.
th: Herr Grupe, welche Vorteile sehen Sie in der Kooperation mit Freenow?
Jan Grupe: Freenow hilft uns, unsere Auslastung zu verbessern und jüngere, digital affine Kundenschichten zu erreichen. Die App bietet bessere Bezahlmöglichkeiten und ein Bewertungssystem, das direktes Feedback ermöglicht.
A. Mönch: Die Taxi-Zentralen haben ja noch einen großen Bereich des analogen Geschäfts. Immer noch bestellen viele Kunden ihr Taxi per Telefon. Freenow kann da digital ergänzen.
B. Irmak: Ja, das Bewertungssystem gefällt uns auch. Hier können einzelne Fahrer bewertet werden – es hilft uns nichts, wenn Kunden eine schlechte Bewertung über Funktaxi Bergedorf schreiben, nur weil ein Fahrer nicht gut war.
J. Grupe: Überhaupt ist der Fahrermangel und die manchmal fehlende Qualität der Fahrer schwierig.
th: Sollte da nicht die Fachkunde-Prüfung Abhilfe schaffen. Die wollte Hamburg doch – nachdem es Bundesweit zu keiner Einigung zu kommen scheint – selbst einführen.
B. Irmak: Das ist bisher aber noch nicht geschehen.
th: Die Qualität im Taxigewerbe ist Ihnen wichtig.
B. Irmak: Sehr wichtig. Ein Taxifahrer sollte ein sauberes Fahrzeug haben, gepflegt auftreten und ein Gespür für die Bedürfnisse der Fahrgäste entwickeln. Das Bewertungssystem von Freenow hilft uns, die Qualität zu sichern.
th: Herr Mönch, Freenow kooperiert auch mit der Techniker Krankenkasse. Was steckt dahinter?
A. Mönch: Wir arbeiten gemeinsam an einer digitalen Lösung für Krankenfahrten. Ziel ist es, den Prozess von der Genehmigung bis zur Abrechnung zu vereinfachen. Das Pilotprojekt startet in Hamburg und soll später bundesweit ausgerollt werden.
th: Wie sehen Sie die Entwicklung des Taxigewerbes in Hamburg im Vergleich zu anderen Städten?
A. Mönch: Hamburg ist im Deutschland-Vergleich sehr gut aufgestellt. Mit engagierten Akteuren in der Politik und Verwaltung gibt es hier eine klare Linie. Das Projekt „ÖPNV-Taxi“ ist ein Beispiel dafür, wie Taxi und öffentlicher Nahverkehr zusammenarbeiten können.
th: Wie können wir uns das vorstellen?
A. Mönch: In Randbezirken haben wir uns gemeinsam mit Hansa Taxi für einen Taxi- Dienst von Haustür zu ÖPNV-Haltestelle oder ÖPNV-Haltestelle zur Haustür - halt nicht Kneipe zu Kneipe - beworben. Dieser Service soll erst einmal für ein Jahr laufen. Es wird die Phase des Erlernens, man wird brauchen, um die Fahrer zu überzeugen - und natürlich auch die Fahrgäste.
th: In dem Konzept steckt viel Potential.
J. Gruppe: Ja, am Anfang wird man es aber wohl subventionieren müssen. Vielleicht wird das später über die Stadt geregelt. Aber die werden sehen, dass das ein toller Service und definitiv billiger als Stadtbusse ist.
th: Abschließend, wie sehen Sie die Zukunft des Taxigewerbes in Hamburg?
B. Irmak: Die Digitalisierung wird weiter zunehmen. Mit Partnern wie Freenow können wir diesen Wandel aktiv gestalten und unsere Position stärken.
J. Grupe: Wir haben hier zum Glück nicht das große Uber Problem wie andere Städte. Natürlich haben wir auch einige Uber, aber halt in Kooperation mit dem Taxi - eine ruinöse Mietwagen -Flotte gibt es hier nicht. Da hat Hamburg zum Glück von Anfang an eine klare Ansage gemacht.
A. Mönch: Freenow – und auch Lyft bekennen sich klar zum Taxi. Die Übernahme von Freenow durch Lyft bringt ganz neue Möglichkeiten. Bisher ist es doch so: kommen Touristen aus den USA, haben sie zu 100 Prozent Uber genutzt - den sie haben ja bereits die App. Lyft hat in den USA 30 Prozent Marktanteil. Die Amerikaner kennen Lyft und haben auch die Lyft App. Beim Europa-Besuch können sie dann in Zukunft mit der Lyft App auch Freenow buchen. Da steckt einiges Potential.
th: Vielen Dank für das informative Gespräch.
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