Kia: Rollstuhlgerechter Elektro-Kleinbus PV5 WAV startet ab 44.940 Euro
Kia erweitert die Modellfamilie des elektrischen Kleinbusses „PV5“ um eine rollstuhlgerechte Ausführung. Der „PV5 WAV“ ist ab sofort bestellbar und ermöglicht über eine seitliche Teleskoprampe den Einstieg mit dem Rollstuhl vom Straßenrand oder Gehweg. Die Preise beginnen bei 44.940 Euro zuzüglich Überführungskosten. Die ersten Fahrzeuge für deutsche Kunden sollen im November ausgeliefert werden.
Drei Sitzplätze plus Rollstuhl oder fünf Passagiere
Der 4.695 Millimeter lange Elektro-Kleinbus lässt sich wahlweise mit drei Sitzplätzen und einem Rollstuhl oder als regulärer Fünfsitzer einsetzen. Beim Rollstuhltransport klappt ein Teil der Rückbank hoch. Der linke Rücksitz bleibt dadurch für eine Begleitperson verfügbar. Hinter der Sitzbank bietet der Gepäckraum ein Volumen von 350 Litern.
Im Fond beträgt die maximale Innenhöhe 1.398 Millimeter. Verstärkte Bodenstrukturen und ein integriertes Verzurrsystem sollen den Rollstuhl während der Fahrt sichern. Der Hersteller sieht Einsatzmöglichkeiten sowohl im privaten Bereich als auch bei Taxi- und Shuttle-Diensten.
Eine Besonderheit gegenüber klassischen Umbauten mit Heckeinstieg ist die seitliche Rampe. Sie befindet sich in einem Zwischenboden und lässt sich manuell in zwei Stufen auf 1,25 oder 1,75 Meter ausziehen. Bei einem Einstieg vom Straßenniveau beträgt die Neigung der vollständig ausgezogenen Rampe 13 Grad. An einer 15 Zentimeter hohen Bordsteinkante reicht die erste Stufe aus, um eine Neigung von elf Grad zu erreichen.
Zwei Batteriegrößen und bis zu 391 Kilometer Reichweite
Kia bietet den PV5 WAV mit 51,5 oder 71,2 Kilowattstunden Batteriekapazität an. Die kleinere Variante leistet 89 Kilowatt und erreicht maximal 282 Kilometer. Mit der größeren Batterie und 120 Kilowatt Leistung sind bis zu 391 Kilometer vorgesehen.
Beide Varianten sollen sich an einer ausreichend leistungsfähigen Schnellladestation in rund 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent laden lassen. Über Kia Charge erhalten Nutzer Zugang zu rund 1,2 Millionen Ladepunkten in 27 europäischen Ländern, darunter mehr als 210.000 in Deutschland.
Eine serienmäßige Funktion zur Stromabgabe macht das Fahrzeug zudem zur mobilen Energiequelle für externe 230-Volt-Geräte. Dafür steht zwischen den Vordersitzen eine Steckdose bereit. Mit einem optionalen Adapter lässt sich auch der Ladeanschluss an der Fahrzeugfront nutzen.
Für Flotten mit wechselnden Einsatzprofilen dürfte zudem die Anhängerkupplung relevant sein: Die zulässige Anhängelast liegt gebremst wie ungebremst bei 750 Kilogramm. Der Wendekreisdurchmesser von Bordstein zu Bordstein beträgt elf Meter.
Plus startet bei 44.940 Euro
Der Anbieter staffelt das Modell in die Ausstattungslinien Plus und Elite. Die Version Plus kostet mit der 51,5-Kilowattstunden-Batterie mindestens 44.940 Euro, mit 71,2 Kilowattstunden mindestens 48.940 Euro. Hinzu kommen jeweils Überführungskosten.
Bereits die Basisversion verfügt unter anderem über eine elektrische Schiebetür auf der rechten Seite, eine 230-Volt-Steckdose, Navigationssystem, Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Leuchtdioden-Scheinwerfer, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen und Wärmepumpe. Die linke Schiebetür wird manuell betätigt. Bei der Ausstattung Elite können optional beide Schiebetüren elektrisch arbeiten.
Hinzu kommen serienmäßig verschiedene Fahrerassistenzsysteme. Dazu zählen eine adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Stop-and-go-Funktion, Autobahn-, Geschwindigkeits-, Spurhalte- und Spurfolgeassistent sowie ein Frontkollisionswarner mit Abbiegefunktion. Sieben Airbags gehören ebenfalls zur Ausstattung.
Software soll Flottenanbindung erleichtern
Das Navigations- und Infotainmentsystem des PV5 basiert auf Android Automotive OS. Es arbeitet mit einem 12,8 Zoll großen Touchscreen und ermöglicht die kabellose Smartphone-Anbindung über Android Auto und Apple CarPlay. Die Online-Dienste Kia Connect stellen unter anderem Echtzeitinformationen und ferngesteuerte Funktionen bereit.
Karten und Fahrzeugsoftware können über eine Mobilfunkverbindung aktualisiert werden. Für entsprechend ausgestattete Neufahrzeuge stellt Kia im Rahmen seines Navigationskartenprogramms zwei kostenlose Aktualisierungen auf diesem Weg bereit.
Der Hersteller ordnet das Modell seiner sogenannten Platform-Beyond-Vehicle-Strategie zu. Neben Fahrzeugen umfasst der Ansatz Lade- und Softwarelösungen und soll auch die Integration der Modelle in Flottenmanagementsysteme ermöglichen.
Weitere Umbauten von Spezialisten
Neben der im Werk entwickelten Ausführung stehen weitere Lösungen spezialisierter Umrüster bereit oder sind angekündigt. AMF-Bruns bietet bereits einen PV5 mit Heckausschnitt und ausklappbarer Rampe an. Abhängig von der Sitzkonfiguration können ein Rollstuhlfahrer und fünf weitere Personen mitfahren. Ohne Rollstuhl sind bis zu sieben Sitzplätze möglich.
Schnierle setzt dagegen auf ein in den Fahrzeugboden integriertes Schienensystem und eine seitliche Rampe. Verschiedene Sitztypen lassen sich darin variabel positionieren. Der Umbau soll voraussichtlich ab September bestellbar sein.
MobiTEC entwickelt ebenfalls eine Variante mit Heckausschnitt. Dieser misst 929 Millimeter in der Breite und ermöglicht eine Auffahrbreite von 890 Millimetern. Die serienmäßige Rückbank bleibt erhalten, sodass zusätzlich zum Rollstuhlfahrer fünf Personen Platz finden. Ohne Rollstuhl kann der Umbau mit zwei optionalen Drehklappsitzen als Siebensitzer genutzt werden. Die Bestellbarkeit ist für den Herbst vorgesehen.
Produktion läuft seit Juli
Die Produktion des PV5 WAV in Korea hat im Juli begonnen. Für das Fahrzeug gelten sieben Jahre Herstellergarantie bis maximal 150.000 Kilometer sowie acht Jahre Batteriegarantie bis maximal 160.000 Kilometer.
Damit erweitert Kia den PV5 um eine Variante, die für gewerbliche Personenbeförderer vor allem durch den seitlichen Rollstuhlzugang und die wechselnde Sitzkonfiguration interessant sein kann. Für Flottenbetreiber bleibt allerdings entscheidend, wie sich die Lösung im täglichen Betrieb bewährt und wie sich Anschaffungs-, Umbau- und Betriebskosten gegenüber spezialisierten Umbauten mit Heck- oder Seiteneinstieg entwickeln.
Was bedeutet das?
Mit dem PV5 WAV bringt Kia eine rollstuhlgerechte Variante direkt aus der eigenen Produktionsstrategie in den deutschen Markt und ergänzt sie zugleich um Lösungen externer Umrüster. Damit stehen Flotten unterschiedliche Konzepte für Seiten- und Heckeinstieg zur Verfügung. Welche Variante wirtschaftlich und praktisch besser passt, hängt vom jeweiligen Einsatzprofil, der benötigten Sitzkonfiguration und den Anforderungen an den Rollstuhlzugang ab. (Quelle: Kia Deutschland)
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