Flottenmanagement: Geotab zeigt Unterschiede beim Fahrverhalten in europäischen Großstädten

Abruptes Beschleunigen, starkes Bremsen und scharfe Kurven treten je nach Stadt unterschiedlich häufig auf. Eine neue Untersuchung liefert Flottenbetreibern Anhaltspunkte für Fahrercoaching und Routenplanung.

Fahrverhalten im Städtevergleich: Berlin schneidet deutlich besser ab als Paris. | Foto: Huss-Verlag/KI-generiert
Fahrverhalten im Städtevergleich: Berlin schneidet deutlich besser ab als Paris. | Foto: Huss-Verlag/KI-generiert

Berlin verzeichnet unter sieben untersuchten europäischen Hauptstädten die niedrigste Rate auffälliger Fahrereignisse. Das geht aus einer Untersuchung des Telematikanbieters Geotab hervor, für die mehr als 130 Millionen Fahrten vernetzter Fahrzeuge aus dem Jahr 2025 ausgewertet wurden. Während in Berlin 225 auffällige Ereignisse je 1.000 Fahrten registriert wurden, waren es in Madrid 1.088 und in Paris 1.191. Damit liegt die Ereignisrate in der französischen Hauptstadt rund 5,3-mal so hoch wie in Berlin. Die am 3. November 2026 veröffentlichten Ergebnisse sind Teil des Geotab-Index für die Frachteffizienz in Städten Europas.

Deutliche Unterschiede zwischen den Hauptstädten

Die Untersuchung berücksichtigt drei Arten auffälliger Fahrmanöver: abruptes Beschleunigen, starkes Bremsen und scharfes Kurvenfahren. Neben Berlin weisen Dublin mit 315, Amsterdam mit 356 und Rom mit 393 Ereignissen je 1.000 Fahrten vergleichsweise niedrige Werte auf. London folgt mit 462 Ereignissen. Deutlich darüber liegen Madrid und Paris mit 1.088 beziehungsweise 1.191 Ereignissen.

Die Unterschiede betreffen nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Art der registrierten Fahrmanöver. In Paris entfallen 79 Prozent der auffälligen Ereignisse auf abruptes Beschleunigen. Damit erreicht die französische Hauptstadt den höchsten Anteil dieser Ereignisart unter den untersuchten Städten. In Madrid beträgt der entsprechende Wert 69 Prozent.

In Berlin und London treten abruptes Beschleunigen und starkes Bremsen dagegen nahezu gleich häufig auf. Amsterdam und Rom weisen mit 34 beziehungsweise 27 Prozent vergleichsweise hohe Anteile scharfer Kurvenfahrten auf.

Berlin mit niedriger Ereignisrate

In Berlin entfallen 45 Prozent der erfassten Ereignisse auf abruptes Beschleunigen und 44 Prozent auf starkes Bremsen. Scharfes Kurvenfahren macht lediglich zehn Prozent aus. Geotab führt den vergleichsweise geringen Anteil scharfer Kurvenfahrten möglicherweise auf die breiten und geradlinigen Straßen der Hauptstadt zurück.

Auch die polyzentrische Stadtstruktur könnte nach Einschätzung des Unternehmens eine Rolle spielen. Mehrere Stadtzentren verteilen den Verkehr auf unterschiedliche Bereiche des Straßennetzes.

Die auffälligen Fahrereignisse konzentrieren sich unter anderem auf Bereiche rund um den Spandauer Damm in Charlottenburg sowie in Spandau und Westend. Auf die einzelnen Bereiche entfallen jeweils etwa zwei Prozent der registrierten Ereignisse. Im Vergleich zu anderen untersuchten Städten sind die Auffälligkeiten damit weniger stark auf einzelne Verkehrsknotenpunkte konzentriert.

Amsterdam: Auffälligkeiten entlang der Autobahn A4

In Amsterdam zeigt sich eine andere räumliche Verteilung. Obwohl die niederländische Hauptstadt mit 356 auffälligen Fahrereignissen je 1.000 Fahrten insgesamt einen vergleichsweise niedrigen Wert erreicht, konzentriert sich ein erheblicher Anteil auf wenige Straßenabschnitte.

Drei Bereiche entlang der Autobahn A4 in Richtung Flughafen Schiphol vereinen 13,7 Prozent sämtlicher registrierter Ereignisse der Stadt auf sich. Nach Angaben von Geotab handelt es sich damit um die stärkste räumliche Konzentration innerhalb der Untersuchung.

Besonders auffällig ist der hohe Anteil scharfer Kurvenfahrten. In den betroffenen Bereichen machen diese zwischen 46 und 78 Prozent der Ereignisse aus. Eine angepasste Routenplanung könnte laut Geotab dazu beitragen, solche Fahrmanöver zu verringern.

Paris mit höchster Ereignisrate

Paris weist mit 1.191 auffälligen Fahrereignissen je 1.000 Fahrten den höchsten Wert der sieben untersuchten Städte auf. Besonders häufig registriert die Untersuchung abruptes Beschleunigen, das 79 Prozent sämtlicher auffälliger Ereignisse ausmacht.

Nach Einschätzung von Geotab könnte dies auf häufiges starkes Beschleunigen nach vorherigem Anhalten zurückzuführen sein. Für Flottenbetreiber sieht das Unternehmen deshalb insbesondere im Fahrercoaching und im direkten Feedback während der Fahrt mögliche Ansatzpunkte.

Auch bei der zeitlichen Verteilung unterscheidet sich Paris von den übrigen Städten. Der Höchstwert auffälliger Fahrereignisse wird dort um 19 Uhr erreicht. In keiner anderen untersuchten Hauptstadt liegt der zeitliche Schwerpunkt so spät.

Verkehrseffizienz und Fahrverhalten hängen zusammen

Die Untersuchung stellt außerdem einen Zusammenhang zwischen der Verkehrseffizienz einer Stadt und der Häufigkeit auffälliger Fahrereignisse fest. Berlin, Amsterdam, Dublin und Rom schneiden laut Geotab bei der Verkehrseffizienz vergleichsweise gut ab und weisen zugleich niedrige Ereignisraten auf.

In Paris, London und Madrid treten auffällige Fahrmanöver häufiger auf. Allerdings lässt sich aus der Verkehrseffizienz allein nicht auf die Häufigkeit solcher Ereignisse schließen. So verzeichnet London trotz vergleichsweise geringer Verkehrseffizienz mit 462 Ereignissen je 1.000 Fahrten einen deutlich niedrigeren Wert als Madrid.

Auch die räumliche Verteilung unterscheidet sich. Während in Amsterdam einzelne Straßenabschnitte einen hohen Anteil der Ereignisse auf sich vereinen, verteilen sich diese in London gleichmäßiger über das Straßennetz.

Flottenmanagement muss örtliche Bedingungen berücksichtigen

Aus den Ergebnissen leitet Geotab unterschiedliche Handlungsansätze für das Flottenmanagement ab. Entscheidend sei, auffällige Fahrereignisse nicht ausschließlich anhand einheitlicher Grenzwerte zu beurteilen, sondern die jeweiligen Verkehrsbedingungen einzubeziehen.

Eine identische Ereignisrate kann demnach in einer Stadt dem Durchschnitt entsprechen, während sie in einer anderen auf überdurchschnittlich häufige auffällige Fahrmanöver hinweist. Für die Bewertung des Fahrverhaltens sind deshalb lokale Vergleichsdaten relevant.

Bei häufigem abruptem Beschleunigen können Fahrercoaching und unmittelbare Rückmeldungen im Fahrzeug geeignete Maßnahmen sein. Treten dagegen an bestimmten Kreuzungen oder Straßenabschnitten vermehrt auffällige Lenkmanöver auf, kommt auch eine Anpassung der Routenplanung infrage.

Zusätzliche Informationen kann nach Angaben des Unternehmens die Videotelematik liefern. Sie ermöglicht es, einzelne registrierte Ereignisse im Zusammenhang mit der jeweiligen Verkehrssituation zu betrachten und die Ergebnisse für gezielte Coaching-Maßnahmen zu nutzen. (Quelle: Geotab)

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