Der eVito Tourer hat das Zeug zum Großraumtaxi

Mit ordentlicher Reichweite, der Fähigkeit zum schnellen Laden und bis zu neun Sitzen erfüllt der neue Elektrotransporter wichtige Forderungen der Taxi- und Mietwagenbranche.

An Wallboxen kann der eVito Tourer mit 11 kW Wechselstrom laden. (Foto: Daimler)
An Wallboxen kann der eVito Tourer mit 11 kW Wechselstrom laden. (Foto: Daimler)
Dietmar Fund

In Kürze ist der neue batterieelektrisch angetriebene Mercedes-Benz eVito Tourer ab 53.990 Euro (zzgl. MwSt.) in den Längen „lang“ und „extralang“ bestellbar. Damit abgedeckt sind auch die Wartungskosten für vier Jahre, während ein Batterie-Zertifikat zwar acht Jahre lang gilt, aber nur eine Fahrleistung von 160.000 Kilometern abdeckt. Das teilte Mercedes-Benz im Nachgang einer Fahrvorstellung mit, für die ein Embargo bis zum 22. Juli gegolten hat.

Auf einer abwechslungsreichen Runde rund um Waiblingen konnte taxi heute am 15. Juli 2020 die ersten Fahreindrücke mit dem Stromer sammeln, dessen Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 90 kWh unterflur untergebracht ist und den Fahrgastraum nicht einschränkt. Sie stammt ebenso wie der Antriebsstrang mit einem 150 kW leistenden Elektromotor aus der elektrifizierten V-Klasse namens EQV. Serienmäßig soll der eVito Tourer damit bis zu 140 km/h fahren können und gegen Aufpreis 160 km/h.

Fahren lässt sich der eVito Tourer wie ein Automatikfahrzeug. Im kleinen Display vor sich wird dem Fahrer immer die Restreichweite angezeigt. Beim Start kann er zwischen vier Fahrmodi wählen. Während der Fahrt kann er über Schaltwippen die Rückgewinnung von Energie beim Verzögern zwischen dem antriebslosen Segeln und dem Fahren fast nur über das „Gaspedal“ einstellen. Wenn man nach einem Eingriff länger an der Plus-Taste zieht, ist der vorher eingestellte Modus wieder aktiv.

Für eine lange Reichweite soll der „Drive-Modus E+“ sorgen, der mit einem spürbar längeren Gaspedalweg für eine sehr verhaltene Beschleunigung sorgt. In Kickdown-Stellung steht dem Fahrer trotzdem auch in diesem Modus die volle Beschleunigung zur Verfügung. Besonders interessant ist der Modus „D Auto“. Bei ihm richtet sich die Rekuperation nach den Verkehrsverhältnissen. Wenn der eVito Tourer dann beispielsweise über das Abstandsradar ein Fahrzeug vor sich erkennt, verzögert er stärker. Sobald das Fahrzeug rollen kann, nimmt er den Grad der Verzögerung zurück. Das funktioniert sehr gut. Bemängeln kann man an der durchdachten Steuerung allenfalls, dass die Steuerungsmöglichkeiten im Display nur sehr klein angezeigt werden, weil die Modellpflege der Armaturentafel in der Vito-Baureihe sehr sparsam ausgefallen ist. Im Gegensatz zur V-Klasse gibt es nach wie vor nur einen relativ kleinen integrierten Touchscreen.

Der eVito Tourer soll eine Reichweite von bis zu 421 Kilometern erreichen. Damit müssten auch Taxi- und Mietwagenunternehmer gut leben können, zumal sich der Stromer auch mit bis zu 110 kW starkem Gleichstrom schnell laden lässt. Das kostet allerdings Aufpreis, serienmäßig ist der On-Bord-Lader nur für 50 kW ausgelegt. Mit 110 kW soll er in rund 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent der Batteriekapazität kommen. Einer Antwort auf die Frage, ob man den eVito Tourer dauerhaft nur schnell laden kann, ohne die Batterie-Lebensdauer zu verringern, wich ein Techniker mit dem Hinweis aus, es komme auf das Lademanagement an. Es müsse sicherstellen, dass alle Zellen möglichst gleichmäßig geladen würden, wozu die Batterie im Sommer gekühlt und im Winter beheizt werde.

Damit die Presse nur ja häufig über das neue Fahrzeug berichtet, hat der Hersteller bis auf den Basispreis noch keine Preise mitgeteilt und auch den Bestellstart nicht genau terminiert.

Den neuen eVito Tourer kann man zwar nicht als Sondermodell Das Taxi bestellen, aber mit einer Taxi-Ausrüstung lieferbar ist er dennoch. Für ihn sowie für das Schwestermodell EQV gewährt der Hersteller Taxi- und Mietwagenunternehmern aber nur magere drei Prozent Nachlass.

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