Langstrecke im BYD Atto 3: Überraschungen inklusive!

Große Gegensätze: Flüsterleise tourcheckten wir mit dem BYD Atto 3 Budapest, wo Harley Davidson seinen 120. Geburtstag feierte.

Von München nach Budapest und zurück: Wie schlägt sich der BYD Atto 3 über knapp 1270 Kilometer? | Foto: G. Soller|
Von München nach Budapest und zurück: Wie schlägt sich der BYD Atto 3 über knapp 1270 Kilometer? | Foto: G. Soller|
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Schon im Test punktete der Atto 3 mit ordentlichen Verbräuchen und überzeugte mit ebensolchem Raumangebot. Grundsätzlich Ja, der Atto 3 gehört eher zu den sparsamen und etwas spaßarmen Charakteren, der für nicht ganz günstige Tarife eine „All-in-Ausstattung“ mitbringt.

Die vorderen Sitze bieten ordentlichen Komfort und selbst wenn dort zwei 1,9-Meter-Personen Platz nehmen, passen in Reihe zwei nochmal zwei so große Mitfahrer – samt Gepäck. Hier bietet der Atto3 440 bis 1.338 Liter Volumen, womit er sowohl da als auch beim Raumangebot genau den passenden Ton zwischen zu klein und zu groß findet. Bietet er damit genug für die 1264 Kilometer lange Tour von München nach Budapest und zurück –ohne vorher Ladestopps zu planen? Probieren wir!

Leiser Verbrauch, aber auch leise Ladeleistung

Und wählen dafür die Diretissima über Braunau. Dort laden wir am ÖAMTC-Schnelllader, während wir die Vignetten besorgen und uns einen ersten Kaffee gönnen – wobei der BYD hier in sieben Minuten nur 6,83 kWh zieht. Klar, der Akku war noch zu gut 60 Prozent gefüllt. Noch langsamer ging es dann leider an der A1 beim nächsten Stopp in Völlerndorf, wo alle Schnelllader belegt waren und in einer üppigen 30-Minuten-Pause nur 16,94 kWh flossen. Einmal mehr müssen wir feststellen: Lastmanagement ist gut und wichtig für den Anbieter, aber nicht für den Nutzer.

Ebenfalls nicht gut: Tempolimits erkannte der Atto 3 gar nicht und das Anzeigeinstrument vor dem Fahrer fiel drei mal kurz komplett aus, um sich dann komplett neu zu booten…bitte nachbessern!

Den nächsten großen Stopp legten wir bei Wien in Brunn am Gebirge ein: Dort schwang sich der Atto 3 bei 20% Restkapazität zu einer stabilen Ladekurve mit gut 87 kW im Peak auf und zog in 33 Minuten 37,55 kWh. Ladestopp 4 erfolgte bereits nach 57,2 km, bei Pado Shopping in Parndorf: In gut 28 Minuten flossen 18,41 kWH – eher lahm – doch sollte jetzt bis Budapest reichen!

Der Shell-Lader mag zwar unsere Karte, aber nicht den Atto 3

Wo wir auf dem Weg zur Autobahn einen Shell-HPC-Lader suchen, um unsere Recharge-Karte mit der passenden Ladesäule zu verbinden, aber: Der in Australien produzierte Tritium Shell-Schnelllader kommuniziert nicht mit dem Atto 3 – nach dem vierten Ansteckversuch geben wir entnervt auf…extrem ärgerlich. Also raus auf die Autobahn M0, was rund 26 Kilometer Umweg bedeutet zu Ionity. In der Hoffnung, dass hier nicht auch eine Tritium-Säule steht.

Tut sie nicht. In 45 Minuten zieht der BYD 47,5 kWh. So kommen wir bis hinter Wien ins österreichische Steinhäusl, wo in ebenfalls ziemlich genau 45 Minuten 51,02 kWh flossen. Alles nicht ganz günstig und zeitlich immer über der Länge der Pause, die wir mit einem Verbrenner gemacht hätten.

Am Ende bleibt eine durchwachsene Bilanz

Aber jetzt endlich nach Hause? Noch nicht ganz: Zur Sicherheit zupften wir nochmal eine halbe Stunde in Braunau leise an den Gitarrensaiten des Atto 3, wo uns der Alpitronic-Lader nur 47 kW im Peak gönnte, während in einer halben Stunde schmale 21,57 kWh flossen. So kamen wir am Ende mit zwei Prozent Restkapazität wieder in München an und hängten den Stromer an die AC-Säule des Verlags, wo er sich dann in knapp sieben Stunden 62,0 kWh gönnte – obwohl die Akkukapazität des Atto 3 offiziell nur mit 60,48 kWh angegeben ist – hier werden Ladeverluste spürbar.

Spürbar ist der Trip auch auf dem (Zeit-) Konto: Denn für das Geld hätten wir im Schnitt 8,3 l/100 Diesel oder 7,9 l Super E10 verbrennen dürfen! Das Ganze wog deshalb umso schwerer, als Kollegen von uns die gleiche Strecke mit einem Verbrenner VW-Up! Zwei Stunden schneller mit 70,79 l/100 km (5,6 l/100 km) bewältigten, was sie 111,84 Euro kostete. Gut, hier war mehr Lärm und Schaltarbeit angesagt – trotzdem waren wir am Ende ein kleines bisschen frustriert, denn für die Kosten hätte man auch einen Golf oder gar Passat bewegen können…und wäre bei Bedarf mit einem Tankstopp durchgefahren.

Viel besser sieht die Bilanz CO2-seitig aus: Denn mit 20,71 kWh/100 km war der Atto trotz Dreimannbesatzung samt Gepäck und Klima kaum stromhungriger als im Test und erwies sich als grundsätzlich sparsamer Geselle. Rechnet man das CO2-Äquivalent nun mit sauberem österreichischem Strom um, hätte ein Benziner-Atto nur 1,16 l/100 km brauchen dürfen. Selbst wenn man die eine ungarische Ladung mit „schmutzigerem“ CO2-lastigeren Strom anrechnet, hätte ein Benziner unter 2,0 l/100 km bleiben müssen. Oder umgekehrt: Unsere Shell Recharge-App attestierte uns am Schluss eine CO2-Ersparnis von insgesamt 216,12 Kilogramm!

Langstrecke im Stromer? Geht, kostet aber Zeit und Geld! Da muss man sich dieses Mehr in unserem Fall mit der CO2-Bilanz schönrechnen!

 

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