ACE warnt vor Preischaos: Öffentliche Ladepunkte bleiben teuer und intransparent
Im Zusammenhang mit der Ladeinfrastruktur-Konferenz des Bundesverkehrsministeriums weist der Auto Club Europa (ACE) auf erhebliche Defizite beim öffentlichen Laden von Elektrofahrzeugen hin. Aus Sicht des Verbands sind die Preise an öffentlichen Ladesäulen oftmals zu hoch und schwer vergleichbar. Nutzerinnen und Nutzer, die auf öffentlich zugängliche Ladepunkte angewiesen sind, zahlten demnach vielfach bis zu doppelt so viel wie beim Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz. Für das Erreichen von 15 Millionen vollelektrischen Pkw bis 2030 seien transparente und niedrigere Ladepreise unerlässlich. Dazu hat der ACE das Positionspapier „Ladepreise als Schlüssel für den Erfolg der Elektromobilität“ vorgelegt.
Forderung nach einheitlichen Tarifstrukturen
Der ACE spricht sich für vereinheitlichte Tarifmodelle aus, die Ladepreise klar erkennbar und vergleichbar machen sollen. Vorgeschlagen wird die Einrichtung einer Markttransparenzstelle für Ladestrom, die sämtliche Tarife bündelt und öffentlich zugänglich macht. Zudem plädiert der Verband dafür, dass sämtliche Kosten – inklusive Preis pro Kilowattstunde sowie Blockier- oder Servicegebühren – spätestens bei der Authentifizierung an der Ladesäule angezeigt werden, analog zur Preisausweisung an Tankstellen.
Ein weiterer Vorschlag betrifft die Prüfung eines sogenannten Durchleitungsmodells. Dieses würde die Stromlieferung von der Ladeinfrastruktur trennen und es ermöglichen, den eigenen Stromtarif an die Ladesäule „mitzunehmen“. Zusätzlich wäre lediglich ein Nutzungsentgelt für den Betrieb der Ladepunkte zu entrichten. Ergänzend fordert der Verband eine Reduzierung staatlicher Abgaben und Entgelte auf Ladestrom nach dem Vorbild des Industriestroms.
Testfahrt zeigt deutliche Kostennachteile auf der Autobahn
Für das Positionspapier hat der ACE eine rund 1.400 Kilometer lange Testfahrt zwischen Stuttgart und Hamburg durchgeführt. Dabei ergaben sich erhebliche Kostenunterschiede zwischen Elektrofahrzeug und Verbrenner. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 22 kWh pro 100 Kilometer lagen die reinen Energiekosten des Elektroautos je nach Tarif zwischen 10,80 und 21,10 Euro, was das Schnellladen auf der Autobahn derzeit um 44 bis 94 Prozent teurer macht als das Tanken eines vergleichbaren Verbrenners.
Zudem dokumentierte der ACE an zehn getesteten Ladesäulen insgesamt 308 unterschiedliche Ladetarife, berücksichtigt wurden dabei nur Tarife ohne Grundgebühr. Die Analyse unterstreicht laut Verband die starke Fragmentierung und geringe Transparenz im Tarifmarkt.
Preisparität stark abhängig von der Strecke
Nach Einschätzung des ACE hängt die Kostenparität zwischen Elektro- und Verbrennerfahrzeugen maßgeblich vom Streckenprofil ab. Auf Autobahnen sei diese erst bei Ladepreisen unter 0,42 Euro pro Kilowattstunde erreichbar. Auf Überland- und Stadtstrecken, wo Elektroautos effizienter arbeiten und Verbrenner mehr verbrauchen, könne Parität bereits bei etwa 0,60 Euro pro Kilowattstunde bestehen. Derzeit liegen die durchschnittlichen Preise jedoch bei rund 0,66 Euro pro Kilowattstunde für Wechselstrom- und 0,70 Euro pro Kilowattstunde für Gleichstromladen. (Quelle: ACE)
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