Nach dem Ende des Umweltbonus für Elektroautos Ende 2023 ringt die Politik weiterhin um eine neue Förderstrategie. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist zwar das Ziel festgeschrieben, die Elektromobilität mit Kaufanreizen zu unterstützen – konkrete Maßnahmen sind bislang jedoch nicht in Sicht.
Der abrupte Stopp der bisherigen Kaufprämie hatte den Absatz von Elektroautos im vergangenen Jahr deutlich einbrechen lassen. Erst in den ersten Monaten 2025 zog die Nachfrage wieder spürbar an: Laut dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) stiegen die Neuzulassungen reiner Elektrofahrzeuge im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 40 Prozent. Allerdings war der Referenzzeitraum nach dem Ende der Förderung ungewöhnlich schwach. Insgesamt sind in Deutschland derzeit rund 1,65 Millionen reine E-Pkw zugelassen – bei einem Gesamtbestand von etwa 49,4 Millionen Pkw.
Ob es eine neue Kaufprämie geben wird, ist offen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff erklärte, Union und SPD wollten die Automobilindustrie mit einem Maßnahmenbündel unterstützen. Denkbar seien sowohl direkte Kaufzuschüsse als auch die Möglichkeit, Teile des Kaufpreises steuerlich geltend zu machen. Details sollen im Rahmen eines umfassenden Pakets zur Förderung der Elektromobilität ausgearbeitet werden. VDA und ADAC fordern Unterstützung der E-Mobilität – aber keine Kaufanreize
Die Branche drängt auf Klarheit. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), warnte, eine anhaltende Debatte über Fördermaßnahmen verunsichere die Verbraucher und hemme die Marktentwicklung. Sie forderte daher schnelle Entscheidungen über steuerliche Anreize und Unterstützung beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Kaufprämien könnten zwar kurzfristige Impulse geben, seien jedoch oft nicht nachhaltig. Die Gefahr sogenannter „Strohfeuer“ sei groß.
Ähnlich äußerten sich auch andere Interessenvertreter. Der ADAC hält eine Förderung über günstigere Ladestrompreise für sinnvoller als direkte Kaufprämien. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) lehnt eine direkte Subventionierung sogar grundsätzlich ab: Sie sei teuer, ineffizient und sozial ungerecht. Stattdessen schlägt der Verband vor, die Kfz-Steuer um ein CO2-basiertes Bonus-Malus-System bei der Neuzulassung zu ergänzen. Elektroautos würden dadurch begünstigt, Fahrzeuge mit hohem CO2-Ausstoß hingegen verteuert. Ausweitung der Steuervergünstigung für Dienstwagen
Im Koalitionsvertrag finden sich weitere Pläne zur Förderung der Elektromobilität: Die Steuervergünstigungen für Elektro-Dienstwagen sollen ausgeweitet, die Sonderabschreibungsmöglichkeiten verbessert und die Kfz-Steuerbefreiung bis 2035 verlängert werden. Zudem soll der Ausbau des Ladenetzes deutlich beschleunigt werden.
Ein besonderes Augenmerk gilt Haushalten mit geringem und mittlerem Einkommen. Hier ist ein sogenanntes Social-Leasing-Programm vorgesehen, das sich am französischen Modell orientiert. In Frankreich konnten ab 2024 einkommensschwache Haushalte Elektroautos für monatliche Leasingraten ab etwa 100 Euro nutzen. Der Erfolg war groß: Rund 50.000 Haushalte griffen auf das Angebot zurück – mehr als erwartet. Das deutsche Programm soll frühestens 2027 starten und wird aus Mitteln des europäischen Klimasozialfonds finanziert. Alles unter Vorbehalt der Finanzierbarkeit
Unklar bleibt derzeit, wann die angekündigten Maßnahmen tatsächlich greifen. Der CDU-Finanzpolitiker Olav Gutting betonte, dass die Finanzierbarkeit aller Projekte geprüft werden müsse. Vorrang hätten steuerliche Entlastungen für Unternehmen, die rückwirkend ab Januar 2025 gelten sollen. Vor diesem Hintergrund könnten andere Vorhaben – darunter auch neue Förderungen für Elektrofahrzeuge – zeitlich verschoben werden. Sicher ist nur: Für die Elektromobilität in Deutschland bleibt damit vieles im Ungefähren. tk
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