Taxi-Branche formiert sich gegen Plattformbetreiber

Ende Februar trafen sich Vertreter kleinerer Städte, Taxizentralen und Genossenschaften in Bamberg zum ersten Treffen der Anti-Uber-Allianz (AUA). Organisiert wurde das Treffen von Christian Linz, Geschäftsführer des Landesverbands Bayerischer 
Taxi- und Mietwagenunternehmer (LVBTM).

Die Eröffnung der AuA erfolgte durch Christian Linz (oben rechts), Herman Waldner kann sich nicht vorstellen, mit Freenow zusammenzuarbeiten (oben links), Alexander Mönch und TAZ- Vorsitzender Iordanis Georgiadis (unten v. l.n.r.) warben für die Zusammenarbeit von Freenow und der Stuttgarter Taxi-Zentrale. Bild: T. Kanzler
Die Eröffnung der AuA erfolgte durch Christian Linz (oben rechts), Herman Waldner kann sich nicht vorstellen, mit Freenow zusammenzuarbeiten (oben links), Alexander Mönch und TAZ- Vorsitzender Iordanis Georgiadis (unten v. l.n.r.) warben für die Zusammenarbeit von Freenow und der Stuttgarter Taxi-Zentrale. Bild: T. Kanzler
Thomas Kanzler
Taxi vs. Uber & Bolt

Die Konkurrenz durch Plattformanbieter wie Uber und Bolt wächst – nicht mehr nur in Metropolen, sondern zunehmend auch in mittelgroßen Städten. Rund 60 Teilnehmer aus der Taxi- und Mietwagenbranche kamen in Bamberg zusammen, um über Gegenstrategien zu beraten.In Nürnberg zeigt sich beispielhaft, wie sich der Markt wandelt. Bis 2023 galt die Stadt mit etwa einem Taxi pro 1.000 Einwohner als stabil. Doch mit dem Markteintritt von Bolt und Uber hat sich der Druck auf das Taxigewerbe spürbar erhöht. Die Plattformen locken mit günstigen Preisen, doch auch sie haben Probleme, genügend Fahrer zu finden.Ein Steuerungsinstrument gegen Dumpingpreise ist der Tarifkorridor. Ab dem 1. Mai gilt in Nürnberg eine Preisuntergrenze auf Taxiniveau, die Obergrenze liegt bei einem Aufschlag von 30 Prozent. Laut Rechtsanwalt Thomas Grätz ist dies ein rechtssicheres Mittel, das den Wettbewerb fairer gestalten soll. Mietwagen mit 19 Prozent Mehrwertsteuer müssten dadurch eigentlich immer teurer sein als Taxis. Entscheidend sei jedoch, die Maßnahme als Schutz des öffentlichen Nahverkehrs zu argumentieren, nicht als Schutz des Taxigewerbes.

Unregulierter Wettbewerb

Ein weiteres Problem sind Mietwagen, die nach kurzer Zeit außerhalb der Stadt mit alten Kennzeichen neu zugelassen werden. So umgehen sie Kontrollen und agieren ohne lokale Regulierung. Verstärkte Überprüfungen seien nötig, um den Markt fair zu halten.

Der Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen (LVBTM) hat eine Broschüre mit Empfehlungen für den Umgang mit Plattformanbietern erstellt. Durch das gezielte Einschleusen von Fahrern bei Uber & Co. gewann der Verband wertvolle Einblicke in deren Arbeitsweise. Branchenvertreter rufen dazu auf, sich in die Kommunalpolitik einzubringen und in Stadtratssitzungen präsent zu sein.

Gerichtsurteil als Wendepunkt

Laut Rechtsanwalt Thomas Grätz ist die Haupt-Bedeutung des Urteils des Verwaltungsgerichts Leipzig nicht unbedingt, das Tarifkorridore und Mindestentgelte grundsätzlich rechtens sind. Entscheidend sei, dass Kommunen nun präventiv handeln können, bevor der Markt aus dem Gleichgewicht gerät. „Wenn eine Säule des ÖPNV fällt, leidet das gesamte System“, warnte Grätz.

Güven Aktas von der Berliner Taxi-Innung berichtete von langwierigen Auseinandersetzungen mit den Behörden. Erst nach jahrelangem Druck wurde Bewegung in die Regulierung gebracht. Inzwischen ist auch das Umland stärker eingebunden. Hermann Waldner, Vizepräsident des Bundesverbands Taxi- und Mietwagen (BVTM), sieht in Digitalisierung und besserer Organisation Chancen für das Gewerbe. Seine eigene Taxi-Vermittlung hat er mit KI optimiert, das eingesparte Geld floss in Werbung – mit messbarem Erfolg.

Kooperation oder Konkurrenz?

Alexander Mönch von Freenow betonte, dass sich sein Unternehmen langfristig auf das Taxigeschäft konzentrieren wolle. „Das Mietwagen-Geschäft ist legal nicht rentabel.“ Die Kooperation mit der Stuttgarter Taxizentrale laufe erfolgreich, in Erlangen werde ein neues Modell getestet.

Auf die Befürchtung, Freenow könnte bei Marktdominanz die Provisionen erhöhen, entgegnete Mönch, dass dies im regulierten Taxigewerbe nicht umsetzbar sei. Linz fasste zusammen: Freenow sei auf Taxis angewiesen – und könne das Gewerbe nicht umgehen.

Die Taxi-Branche steht vor Herausforderungen, die weit über Nürnberg hinausgehen. Tarifkorridore, verstärkte Kontrollen und politische Einflussnahme sind zentrale Ansätze, um sich gegen die Marktmacht der Plattformen zu behaupten. Gleichzeitig müssen sich Taxiunternehmen modernisieren, um konkurrenzfähig zu bleiben.tk

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Seite 13 | Rubrik Gewerbepolitik
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