Waymo: Robotaxi-Dienst soll Ende 2027 in München starten - erstmals in der EU
Guten Tag,
manchmal liegen die großen Fragen der Mobilität erstaunlich nah beieinander. In dieser Woche trennen sie gerade einmal ein paar Meldungen in diesem Newsletter. Auf der einen Seite diskutiert die Branche über digitale Wegstreckenzähler, technische Sicherheitseinrichtungen und die Frage, wer seine Umsätze wie dokumentieren muss. Auf der anderen Seite bereitet ein amerikanisches Unternehmen den Start eines Robotaxi-Dienstes in München vor. Willkommen im Jahr 2026.
Beginnen wir mit der Kasse. Zugegeben: Kaum etwas lässt Unternehmerherzen höherschlagen als ein Referentenentwurf aus dem Bundesfinanzministerium. Besonders dann, wenn darin Wörter wie „zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung“ vorkommen. Dennoch lohnt sich der Blick. Denn hinter der Debatte um die Kassenpflicht steckt eine Frage, die das Gewerbe seit Jahren beschäftigt: Gelten für alle dieselben Regeln – oder nur für manche? Der TMV hat dazu eine recht klare Meinung: Wenn der Staat manipulationssichere Aufzeichnungen verlangt, dann bitte von allen Marktteilnehmern. Egal, ob die Fahrt per Telefonzentrale, App oder Brieftaube vermittelt wurde. Der Gedanke erscheint nicht völlig abwegig. Schließlich verliert das Wort „Gleichbehandlung“ etwas von seiner Überzeugungskraft, wenn es regelmäßig mit Ausnahmen versehen wird.
Während also über digitale Kassen diskutiert wird, rollt aus Kalifornien bereits die nächste Zukunftsvision heran. Waymo will Ende 2027 in München einen autonomen Fahrdienst starten – den ersten dieser Art in der Europäischen Union.
Für das Taxigewerbe löst diese Ankündigung erwartbar gemischte Gefühle aus. Die einen sehen darin den Beginn einer neuen Konkurrenz. Andere erinnern daran, dass zwischen einer Pressemitteilung und einem wirtschaftlich tragfähigen Regelbetrieb oft mehrere Jahre, Genehmigungsverfahren und politische Diskussionen liegen. Interessant ist dabei weniger die Technik als die Geschwindigkeit der Debatten. Während das Gewerbe noch darüber diskutiert, ob alle Anbieter denselben Dokumentationspflichten unterliegen sollten, sprechen andere bereits darüber, ob überhaupt noch jemand hinter dem Lenkrad sitzen muss.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre. Nicht die Frage, ob Digitalisierung kommt. Sie ist längst da. Nicht die Frage, ob autonome Fahrzeuge irgendwann fahren werden. Sie fahren bereits. Sondern die Frage, ob Regulierung, Wettbewerb und technische Entwicklung im gleichen Takt marschieren.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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