Amazon-Taxi Zoox: Die Zukunft ist jetzt!
Guten Tag,
Irrfahrt des Kanzlers?
Also natürlich die des Bundeskanzlers, nicht die des taxi heute-Chefredakteurs. Denn manchmal wirkt die Politik wie eine Fahrt eines Taxifahrers ohne Ortskunde durch eine ihm unbekannte Großstadt: Man glaubt vielleicht zu wissen, wo es hingeht – und doch landet man am Ende irgendwo anders als gedacht.
So ähnlich verlief die vergangene Woche in Berlin. Erst sollte Verkehrsminister Patrick Schnieder seinen Platz räumen. Dann wurde Fritz Güntzler als Nachfolger gehandelt. Der sagte ab. Nun übernimmt Steffen Bilger das Steuer. Wer das Schauspiel verfolgt hat, fühlte sich zeitweise an eine schlecht koordinierte Funkzentrale erinnert, in der mehrere Disponenten gleichzeitig denselben Auftrag vergeben. Für das Taxigewerbe ist die Personalie allerdings mehr als Berliner Theater. Mit Bilger kommt wenigstens jemand ins Amt, der Verkehrspolitik nicht erst googeln muss. Er kennt das Ministerium von innen, hat sich mit Digitalisierung, autonomen Fahrzeugen und neuen Mobilitätsformen beschäftigt. Das kann hilfreich sein. Es bedeutet aber auch, dass die Debatten über Plattformen, Mietwagen und Robotaxis nicht verschwinden werden. Im Gegenteil.
Und damit sind wir bereits beim zweiten Thema. In Las Vegas rollen längst Fahrzeuge durch die Nacht, die weder Lenkrad noch Fahrer besitzen. Unser Autor hat Amazons Zoox getestet – einen fahrerlosen Shuttle, der aussieht wie die Mischung aus futuristischer Straßenbahn und überdimensionierter Toasterbox. Das Urteil fällt bemerkenswert nüchtern aus: Es funktioniert. Und zwar besser, als viele Skeptiker erwartet hätten. Die Technik ist inzwischen nicht mehr das größte Hindernis. Die größere Frage lautet, wie wir Mobilität künftig organisieren wollen. Wer kontrolliert die Flotten? Wer setzt die Regeln? Wer sorgt dafür, dass Mobilität auch dort stattfindet, wo sie sich wirtschaftlich vielleicht nicht sofort lohnt?
Gerade das Taxigewerbe sollte diese Diskussion aufmerksam verfolgen. Denn während viele Tech-Konzerne vom autonomen Fahrzeug träumen, beschäftigen sich Taxiunternehmer seit Jahrzehnten mit dem eigentlichen Kerngeschäft: Menschen zuverlässig von A nach B zu bringen – bei Regen, nachts um drei oder an Feiertagen. Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieser Woche. Minister kommen und gehen. Technologien kommen und gehen. Die Frage, wie Mobilität organisiert wird, bleibt. Und manchmal ist die spannendste Fahrt nicht die mit dem Robotaxi durch Las Vegas. Sondern die politische Fahrt durch Berlin.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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