Uber Sponsor beim Berliner Hip-Hop-Ball: Imagepflege auf Kosten des Taxigewerbes!
Berliner Tanzbär aus dem Takt
Man kann ja einiges über Berlin sagen – aber dass es langweilig sei, gehört sicher nicht dazu. Jetzt also ein Hip Hop Ball im Roten Rathaus. Zwischen Graffiti-Ausstellung, Walzertanz und Beatbox-Rhythmen entsteht ein kultureller Brückenschlag: Urban trifft klassisch, Subkultur auf Staatsarchitektur – und mittendrin als Sponsor: Uber.
Da stockt einem dann doch der Schritt. Während das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) weiter damit beschäftigt ist, gegen illegale Mietwagen vorzugehen und sich mit Bußgeldbescheiden und Genehmigungsentzügen abmüht, während Politiker mit der Einführung eines Tarifkorridors für Mietwagen an den Grundfesten des Uber-Prinzips rütteln – währenddessen also tanzt der Plattformriese sich feinfüßig ins kulturelle Herz der Hauptstadt. Goldpartner beim Hip Hop Ball, Goldgrube auf der Straße. Der Berliner Spagat ist bemerkenswert.
Da wird ein milliardenschweres Unternehmen eingeladen, ausgerechnet jene Veranstaltung zu finanzieren, in deren Einladung von Werten, Integrität und „gemeinsamer Vision“ die Rede ist. In einer Branche, in der Tausende Fahrerinnen und Fahrer täglich um ihre Existenz ringen, wirkt das wie ein schlecht getimter Taktwechsel.
Dass Uber sich mittlerweile in die DNA Berlins einzukaufen scheint, ist kein ganz neues Phänomen. Uber-Arena, Uber-Platz, Uber-Eats Music Hall, jetzt Hip-Hop-Ball. Kulturelle Aneignung einmal anders. Der Deal scheint einfach: Ihr gebt uns eure Bühne, wir geben euch Geld. Dass dabei Glaubwürdigkeit verloren geht – geschenkt.
Für die Taxiunternehmer stellt sich dabei weniger die Frage, wie man auf einer Gala korrekt das Tanzbein schwingt – zumal die wenigen exklusiven Karten der Veranstaltung zu saftigen Preisen verkauft werden. Sondern vielmehr: Wie viel kostet politische Haltung – und wer zahlt am Ende die Rechnung?
Thomas Kanzler
Chefedakteur taxi heute
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