Ist Uber wirklich schuld? - Warum die FAZ die Taxi-Krise zu einseitig betrachtet
Guten Tag,
ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stellte unlängst die eine provokante Frage: Ist Uber wirklich (an der Krise im Taxigewerbe) schuld? Die kurze Antwort des Artikels: Nein. Die längere Antwort beginnt genau dort, wo es interessant wird.
Natürlich hat sich die Welt verändert. Wer heute im Homeoffice arbeitet, steigt nicht ins Taxi zum Geschäftstermin. Wer Serien streamt, statt in die Innenstadt zu fahren, braucht keinen Heimweg vom Kino. Geschäftsreisen sind seltener geworden, Innenstädte verändern sich, und das Deutschlandticket hat neue Mobilitätsmuster geschaffen. All das belastet das Gewerbe. Niemand, der die Entwicklung der vergangenen Jahre verfolgt hat, wird das bestreiten.
Doch merkwürdig wird die Debatte, wenn daraus der Schluss gezogen wird, Plattformen seien lediglich Zuschauer eines Strukturwandels, den sie selbst gar nicht verursacht hätten. Uber hat die Krise nicht erfunden – doch es zeigt sich, was passiert, wenn eine Branche ohnehin Gegenwind hat und mit den Plattformen gleichzeitig Wettbewerber auftreten, die mit anderen Kostenstrukturen, anderen Regeln und häufig auch mit einer bemerkenswert flexiblen Auslegung bestehender Vorschriften unterwegs sind.
Passend dazu lohnt ein Blick auf die Evaluation der Reform des Personenbeförderungsgesetzes. Der BVTM kommt zu einem bemerkenswert nüchternen Ergebnis: Die Reform war ein Anfang, aber kein Endpunkt. Fünf Jahre nach der Novelle diskutiert die Branche noch immer über Mindestbeförderungsentgelte, über die Rolle von Plattformen, über Kartenzahlungen und über die Frage, wie autonome Fahrzeuge künftig integriert werden sollen. Anders formuliert: Die Regeln der Mobilität sind noch längst nicht fertig geschrieben.
Die Krise des Taxigewerbes ist real. Die gesellschaftlichen Veränderungen sind es ebenfalls. Aber ebenso real ist die Frage, ob ein Markt auf Dauer funktionieren kann, wenn jene Unternehmen unter Druck geraten, die die meisten Pflichten übernehmen. Darüber wird die Branche auch in den kommenden Jahren diskutieren müssen. Und vermutlich ist das die spannendere Frage als die, mit der alles begann. Denn darüber, ob Uber die Hauptschuld an der Krise trägt, lässt sich vielleicht noch streiten. Ob faire Wettbewerbsbedingungen wichtig sind, nicht.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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