Ein seltener Moment des Dankes: Berliner Taxigewerbe würdigt politische Unterstützung
Guten Tag,
zwischen Dankbarkeit und Kontrollverlust – Berliner Erfolg und Kölner Chaos
Beim Neujahrsempfang von Taxi Deutschland e.V. Anfang Januar war ein spezieller Moment. Politik, Verwaltung, Fachverbände – alle versammelt. Die Taxi-Branche wollte der Politik auch mal ein seltenes Lob aussprechen. Berlin, so hieß es, sei nun Vorbild für Deutschland: Mietwagenfluten eingedämmt, Mindestpreise gesetzt, barrierefreie Mobilität sichergestellt. Hermann Waldner, Präsident von Taxi Deutschland e.V., blickte zufrieden auf die vergangenen Jahre und freute sich über die „bewegten“ politischen Unterstützer, die es tatsächlich geschafft haben, Daten von Plattformen zu bekommen und illegale Mietwagen vom Markt zu nehmen. Auch ein kleiner Hauch von Wahlkampf wehte durch den Saal.
Nur wenige hundert Kilometer weiter, in Köln, zeigt die Realität der Plattformökonomie ein anderes Bild. Uber & Co. scheinen dort das Gesetz eher als optionale Empfehlung zu sehen. In Köln decken Kontrollen – mal wieder – systematische Verstöße auf: Fahrzeuge ohne gültige Konzession, Fahrer, die stundenlang kreisen, Arbeitszeiten jenseits aller Grenzen, Sozialbetrug – das volle Paket. TMV-Präsident Thomas Kroker spricht von einem „kriminell unterlaufenen System“ und fragt zu Recht, warum Behörden und Politik bislang weitgehend wegschauen. Wer jetzt noch tatenlos bleibt, macht sich mitschuldig, lautet die deutliche Botschaft.
Das sind zwei Geschichten aus derselben Branche: In Berlin kann man sich über ein funktionierendes Zusammenspiel von Politik und Taxiunternehmern freuen, in Köln schüttelt man den Kopf über die Missachtung von Regeln und Rechtsstaatlichkeit. Die Moral? Wenn die Politik nur zusieht, während Plattformen nach Belieben agieren, ist jeder Fahrgast ein potenzielles Opfer von Gesetzeslücken. Und wenn sie aber mitdenkt – siehe Berlin –, dann kann die Branche ein kleines Stück Stadt ein Stück besser machen.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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