BVTM: Essen setzt als erste Stadt über 500.000 Einwohnern ein kraftvolles Zeichen für fairen Wettbewerb
Guten Tag,
wenn die Schiedsrichter endlich pfeifen
In Essen hat man die Pfeife in die Hand genommen und kräftig hineingeblasen. Ab 2026 gelten dort Mindestpreise für Mietwagenfahrten. Klingt nach einer trockenen Tariffrage, ist aber ein ziemlich lauter Paukenschlag. Denn Essen ist die erste Großstadt über 500.000 Einwohner, die diese Möglichkeit nutzt – und damit ein Signal setzt: Wettbewerb ja, aber bitte nicht auf Kosten von Qualität und Fairness. Der Bundesverband Taxi und Mietwagen spricht von einem „kraftvollen Zeichen“. Und in der Tat: Wer bisher im Preiskeller unterwegs war, dürfte sich nun warm anziehen müssen.
Gleichzeitig spielt sich in Berlin ein ganz anderes Schauspiel ab – eines, das weniger mit Tarifen und mehr mit Paragrafen zu tun hat. Über 60 Verfahren sind dort gegen das LABO anhängig, die meisten von Mietwagenfirmen, die für Plattformen wie Uber oder Bolt fahren. Offiziell klagen die kleinen Betreiber, inoffiziell sitzen die großen Plattformen im Hintergrund. Der Vorwurf: zu harte Auflagen, zu viel Kontrolle. Die Behörde nennt sie „Geisterfirmen“, Taxiunternehmer schlicht „Wettbewerbsverzerrer“.
Dass das LABO nun genauer hinschaut – Betriebssitz, Rückkehrpflicht, ordentliche Zulassungen – sorgt für ordentlich Bewegung im Markt. Einige Genehmigungen sind schon weg, andere wackeln. Für die Taxi-Branche bedeutet das Genugtuung und vielleicht auch ein Stück späte Gerechtigkeit. Jahrelang war der Markt ein Spiel ohne Regeln, jetzt pfeift der Schiedsrichter endlich ab.
Zwischen Essen und Berlin zeigt sich: Es gibt Wege, den Wettbewerb nicht dem Wildwuchs zu überlassen. Mindestpreise hier, konsequente Kontrollen dort – beides bringt Ruhe in ein Geschäft, das oft genug von Chaos und Schieflagen geprägt war. Natürlich: Digitalisierung, Nachwuchsmangel und Imagefragen lösen sich dadurch nicht. Aber wenn der Rahmen stimmt, kann das Taxi wieder das sein, was es immer war: ein verlässlicher Teil der Mobilität in Stadt und Land.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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