Bahntaxi startet Reform: Digitale Gutscheine und neue Regeln für Vergütung
Taxialltag wird digital – und bleibt trotzdem Handwerk
Die Taxi-Branche im Spannungsfeld – zwischen Digitalisierung und Realität. In dieser Woche kommen gleich zwei Meldungen, die zeigen, wie sehr sich der Markt gerade sortiert.
Da ist zunächst das Bahntaxi-Projekt von Taxi Deutschland, FMS Systems und dem Bundesverband Taxi und Mietwagen. Es wird reformiert, und das klingt unspektakulär, ist aber im Alltag ein Unterschied: Künftig soll vollständig mit digital einlesbaren Gutscheinen gearbeitet werden. Papier fällt weg. Wer schon einmal einen analogen Gutschein zwischen Klemmbrett, Quittungsrolle und Kaffeebecher wiederfinden musste, weiß: Das ist weniger Fortschritt als schlicht Schadensbegrenzung.
Noch wichtiger für viele Betriebe: die neuen Vergütungsregeln im ländlichen Raum. Fahrten bis 50 Kilometer werden künftig grundsätzlich nach Taxameter abgerechnet, längere Strecken nach Rahmenpreis. Das ist eine dieser Maßnahmen, die man nicht feiern muss – aber die man als Unternehmer spürbar merkt. Und auch bei den Abrechnungsgebühren gibt es einen seltenen Moment von Logik: Eine erhöhte Gebühr fällt nur noch an, wenn tatsächlich eine digitale Anbindung vorhanden ist. Wer sie nicht hat, bleibt bei der Standardgebühr.
Parallel dazu kündigt Freenow ein neues E-Taxi-Angebot an. Gemeinsam mit Octopus Electroverse verspricht die Plattform Einsparungen bei Ladekosten von bis zu 43 Prozent – in 180 europäischen Städten, mit Zugriff auf mehr als 1,3 Millionen Ladepunkte. Bis zu 688 Euro maximale jährliche Ersparnis sind für viele Betriebe nicht nichts. Und die Umfragewerte passen ins Bild: 60 Prozent nennen finanzielle Anreize als Hauptgrund für den Umstieg, 37 Prozent eine taxi-taugliche Ladeinfrastruktur. Wer heute elektrisch fährt, weiß: Das Auto ist selten das Problem. Es ist das Laden.
Beide Meldungen zeigen, worum es 2026 im Taxi zunehmend geht: nicht um Visionen, sondern um Prozesse. Um Abrechnung, Vergütung, Infrastruktur. Und damit um das, was Taxi immer war: ein Handwerk – nur eben mit QR-Code.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
Jetzt kostenlos abonnieren
Weitere Editorials