125 Jahre Taxi-Innung Berlin – Zwischen Tradition und Wandel
Zwischen Kuchen und Kampfansage
Manche Feste beginnen mit einem Buffet und enden mit einer Kampfansage. So geschehen bei der 125-Jahr-Feier der Berliner Taxi-Innung. Zwischen nostalgischen Grußworten und elektrifizierten Zukunftsvisionen wurde nicht nur zurück-, sondern vor allem nach vorn geblickt.
Wer an diesem 13. Juni in der MCF-Filiale in Spandau auf ein bisschen launige Rückschau hoffte, bekam deutlich mehr geboten: Forderungen nach fairen Wettbewerbsbedingungen, politischen Zuspruch – und auch eine beachtliche Portion Unmut über Plattformanbieter, die sich weiter durch tarifliche Schlupflöcher manövrieren. Leszek Nadolski brachte es auf den Punkt: Mindestpreise sind keine Frage mehr von „ob“, sondern von „wann“. Denn wenn Fahrerinnen und Fahrer gezwungen sind, Uber zu fahren, um sich das Taxifahren leisten zu können, läuft etwas gründlich schief.
Diese Stimmung trägt sich weiter – weit über Berlin hinaus. Am 2. Juli ruft der Bundesverband zum bundesweiten Aktionstag auf. In zahlreichen Städten soll der Protest rollen, hupend, blinkend, mit klarer Botschaft: Fairer Wettbewerb oder es knallt. Der Ton ist rauer geworden. Kein Wunder, wenn die Gesetzeslage auf der Seite der Taxiunternehmen steht, die Umsetzung aber auf kommunaler Ebene versandet.
Der Jubiläumskuchen in Berlin ist gegessen, die warme Rede der Senatorin verklungen. Jetzt muss die Politik auch liefern. Dass das Taxi-Gewerbe Durchhaltevermögen besitzt, hat es bewiesen: 125 Jahre alt und kein bisschen leise.
Auf die nächsten 125 – aber bitte mit Mindestpreis.
Thomas Kanzler
Chefedakteur taxi heute
Jetzt kostenlos abonnieren
Weitere Editorials