Thema des Monats

Reparatur mit der Drücker-Methode

Thema des Monats Juni 2011

Auch bei kleineren Fahrzeugschäden können die Reparaturkosten für Taxiunternehmer empfindlich hoch ausfallen. Doch es geht in vielen Fällen auch billiger.

Das sagen zumindest die Sachverständigen der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) in Stuttgart. Mit alternativen Reparaturmethoden (neudeutsch: „Smart-Repair“) lässt sich bei kleineren Schäden häufig die Kostenbremse ziehen.

Bis zu 80 Prozent der Kosten können bei kleinen Beulen beispielsweise mit dem Ausdrück-Verfahren gespart werden, so die GTÜ-Experten. Mit dieser Methode lassen sich Dellen mit einer Tiefe bis zu einem Millimeter und einem Durchmesser von bis zu sechs Zentimetern vollständig „herausmassieren“, ohne dass Schäden am Lack zurückbleiben. Das Verfahren ist denkbar einfach: Zuerst wird die beschädigte Stelle auf etwa 70 Grad erwärmt, damit der Lack beim Glätten nicht reißt. Von der anderen Seite des Blechs lässt sich mit Hilfe von Spezialwerkzeugen und viel Fingerspitzengefühl die Beule langsam herausdrücken. Die Drücker-Methode kann jedoch nicht bei allen Karosserieteilen angewendet werden. Die zu behandelnde Stelle muss für den Einsatz des Spezialwerkzeugs zugänglich sein, geben die GTÜ-Experten zu bedenken.

Größere Blechschäden lassen sich mit einer anderen alternativen Reparaturmethode rasch beheben. Vor allem an Stellen, die von innen schwer zugänglich sind, rechnet sich dieses Verfahren. So muss beispielsweise bei einer Tür die Innenverkleidung nicht mehr abgebaut werden. Hier wird ein kleiner Metallstift direkt auf die Beule geschweißt. Anschließend wird die Delle elektropneumatisch herausgezogen, der Metallstift abgedreht und abgeschliffen. Allerdings muss bei dieser Methode die behandelte Stelle neu lackiert werden.

Preiswert lassen sich laut GTÜ heute auch kleine Glasschäden reparieren. Die Scheibe muss nur noch in den seltensten Fällen komplett erneuert werden. Kleine Risse und punktförmige Beschädigungen, wie sie etwa durch Steinschlag entstehen, werden mit Harzklebstoffen beseitigt. Mit Hilfe eines Hartmetalldorns wird die Einschlagstelle gesäubert. Anschließend saugt ein Injektor die Luft von der Schadenstelle ab, während gleichzeitig Reparaturharz die Lücke schließt. Das Harz hat einen ähnlichen Lichtbrechwert wie Glas und sorgt so dauerhaft für den gewohnten Durchblick. Die Harzreparatur darf jedoch nicht im direkten Sichtfeld des Fahrers ausgeführt werden.

Auch in Sachen Kunststoffreparatur hat sich einiges getan. Mittlerweile stehen verbesserte Reparaturmaterialen zur Verfügung, die eine hochwertige und sichere Instandsetzung aller Kunststoffarten ermöglichen, so die Fachleute der GTÜ. Eine genaue Identifikation des Kunststoffs ist nicht mehr erforderlich. Es genügt, wenn der Fachmann in der Werkstatt das Material als flexibel, halb starr oder starr einstuft. Er kann sogar – je nach verwendetem Produkt – alle Kunststoffe mit einem einzigen Reparaturmaterial in Stand setzen. Sowohl Kratzer, Risse und Löcher als auch abgebrochene Befestigungselemente am Stoßfänger lassen sich wieder in Ordnung bringen. Natürlich gibt es auch technische und wirtschaftliche Grenzen bei der Kunststoffreparatur. Wenn sich die Form des Kunststoffteils verändert hat oder die Kosten über den Ersatzteilpreisen liegen, sollte man von einer Reparatur absehen.

Eine weitere Einsparmöglichkeit ist vor allem bei älteren Fahrzeugen die Unfallreparatur mit gebrauchten und technisch einwandfreien Originalersatzteilen. Hier muss vor einer Reparatur jedoch genau geprüft werden, welche Gebrauchtteile eingesetzt werden dürfen. Ohne Bedenken gilt dies für Karosserieschraubteile, bedingt für gebrauchte Einschweißteile. Rechnet man die Kosten für die alternativen Reparaturmethoden zusammen und vergleicht diese mit konventionellen Werkstattkosten für Karosserieschäden, ergibt sich unterm Strich ein beachtliches Einsparungspotenzial, so die GTÜ-Sachverständigen.

Hinweis der Redaktion: Passend zu diesen Reparatur-Tipps beschäftigt sich unsere Frage des Monats Juni diesmal mit einer möglichen Fahrerbeteiligung an selbst verursachten Karosserieschäden. Stimmen Sie hier ab.

(jh)