Thema des Monats

Die Geister, die ich rief…?

Thema des Monats Mai 2009

Die Zeiten sind hart und es muss gespart werden, wo es geht. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) kritisiert nun, dass viele Berliner häufig den Rettungswagen rufen, obwohl es gar keinen echten Notfall gibt. In vielen Fällen würde es auch reichen, mit dem Taxi zum Arzt zu fahren. Klingt gut, ist aber nur die halbe Wahrheit.
Wegen Zahnschmerzen oder eines verstauchten Handgelenks gleich die 112 rufen und sich mit dem Rettungswagen in die Klinik fahren lassen? Damit muss Schluss sein, befindet Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und verweist auf die exorbitant hohe Zahl an Rettungseinsätzen in der Hauptstadt. Knapp 300.000 seien es 2008 gewesen und damit rund 20.000 mehr als im Vorjahr.

Übermäßig verwunden können diese Zahlen eigentlich nicht. Alleine schon aufgrund der demografischen Entwicklung der Bevölkerung ist ein Anstieg der Rettungseinsätze unausweichlich. Hinzu kommt aber auch ein hausgemachtes Problem: Einen Geist, den die Politik mit der Gesundheitsreform selbst gerufen hat.

Denn was Herr Körting vergessen hat zu erwähnen, ist die Tatsache, dass Patienten ambulante Fahrten mit dem Taxi seit Einführung der Reform des Gesundheitswesens nur noch selten von der Krankenkasse bezahlt bekommen, Fahrten mit dem Rettungswagen bei medizinischer Notwendigkeit hingegen schon. Und das, obwohl letztere um ein Vielfaches mehr an Kosten verursachen (ca. 300 Euro pro Einsatz) als eine Fahrt mit dem Taxi.

Bei einer ähnlich restriktiven Fahrtkostenübernahme für Rettungswagen, wie sie im Taxi praktiziert werden, würde das Fahrtaufkommen sicherlich auch bei den Rettungsfahrten deutlich sinken und die gewünschte Ersparnis wäre gegeben.

Leider zeigt sich auch bei diesem Thema einmal mehr, wie wenig Lobby das privatwirtschaftliche geführte Taxigewerbe in Deutschland hat. Krankenwagen hingegen und damit hauptsächlich die Hilfsorganisationen sind für den guten Zweck unterwegs und genießen ein hohes Ansehen. So hoch, dass namhafte Politikern und Gemeinderäten sich auch gerne mal ehrenamtlich dort engagieren. Da käme es natürlich nicht gut an, politische Entscheidungen zu treffen, die der Funktion des Amtes schaden und den Hilfsorganisationen ähnlich hohe Umsatzeinbußen bescheren könnten, wie sie einst die Taxler durch die Gesundheitsreform hinnehmen mussten.

Unser Fazit. Gut gebrüllt, SPD-Löwe; aber die Geister, die die eigenen Parteigenossen mit den geschaffenen Fahrtkostenregelungen gerufen haben, wird man damit sicherlich nicht los.

(sk)