„Böser Bube“ aus den eigenen Reihen
Thema des Monats Februar 2006
Im ständigen Poker mit den Krankenkassen um wirtschaftliche Tarife sorgt ein Modell im Rhein-Neckar-Kreis für Aufregung innerhalb des Gewerbes. Ein Mannheimer Taxi- und Mietwagenunternehmer fungiert dort als Krankenfahrten-Zentrale mit dem Ziel, durch Sammelfahrten die nötige Kostenersparnis zu bewirken. Warum das Projekt trotzdem zu scheitern droht, beleuchtet unser Thema des Monats Februar.
Gerd Wassermann hatte die Idee schon vor zwei Jahren: Eine damals gegründete Krankenfahrtenzentrale soll die nötigen Serien- und Dialysefahrten mit dem Taxi oder Mietwagen koordinieren. Vor kurzem nun konnte Wassermann mit der Barmer Ersatzkasse Mannheim einen ersten Kunden überzeugen: Von dort bekommt er die Abfahrts- und Zieladressen aller anstehenden Patientenfahrten und ermittelt daraus, welche Patienten gemeinsam in einem Taxi oder Mietwagen befördert werden können. Statt drei oder vier teurer Einzelfahrten zahlt die Kasse nur eine Fahrt. Klingt gut, scheitert aber am Widerstand des Taxigewerbes und an einigen Fehleinschätzungen des Mannheimer Kollegen Gerd Wassermann.
Der Widerstand aus dem Gewerbe
Wenn aus bisher drei Einzelfahrten nun nur mehr eine Fahrt wird, gibt es zwangsläufig mindestens zwei Verlierer. In diesem Fall natürlich die Taxiunternehmer, die oft langjährige Kundschaften abgeben müssen. Wer von den betroffenen Kollegen die neu disponierte Fahrt erhält, liegt dann allerdings nicht mehr in der Entscheidungsgewalt der Krankenfahrtenzentrale. Wie Gerd Wassermann gegenüber taxi heute betont, liege die Vergabe der Sammeltouren weiterhin bei der Barmer. In der Regel werde der zur 1. Abholadresse nächstgelegene Taxiunternehmer beauftragt. Zu den Konditionen, die der derzeit gültige Rahmenvertrag oder die abgeschlossenen Individualvereinbarungen vorsieht.
Daran wollen die Taxiunternehmer in der Region nicht so ganz glauben. Gerd Wassermann besitze selbst Taxis und Mietwagen und führe die lukrativen Fahrten selbst durch, lautet der Vorwurf aus dem Gewerbe. Noch weiter lehnt sich Michael Käflein, Geschäftsführer der Heidelberger Taxizentrale aus dem Fenster. Er bezichtigt den „bösen Buben“ Wassermann der persönlichen Vorteilnahme. In einem „mit viel Wut im Bauch“ verfassten Rundfax spricht Käflein von Amtsmissbrauch. Als Fachspartenleiter Taxi- und Mietwagen des Verkehrsverbandes Nordbaden saß Wassermann bei allen Verhandlungen mit den Kassen in Stuttgart mit am Tisch, sammelte durch sein Amt Insiderwissen und gelangte so an die entscheidenden Kontakte. Interessant sei es in diesem Zusammenhang auch, führt Käflein in seinem Schreiben weiter aus, dass der „Fachspartenleiter Wassermann“ noch nicht auf das neue Verhandlungsangebot der Kassen reagiert habe.
Bisher ist noch eine Rahmenvereinbarung gültig, nach der die Kassen bei Krankenfahrten 60 Cent pro Besetzkilometer zahlen. Durch Einzelverträge und Internet-Ausschreibung fahren einige Kollegen in diesem Raum aber für deutlich weniger Geld. Lukrativer würden diese Fahrten als Sammeltouren werden. Denn ab der zweiten Person zahlen die Kassen 30% Zuschlag, ab der dritten und vierten Person noch mal jeweils 10% mehr. Würde man also, so rechnet der Heidelberger Zentralenchef vor, einen neuen Vertrag mit 55 Cent abschließen, dafür aber sammeln, so könnten bei voller Besetzung (4 Patienten) sogar Tarife im Bereich des Taxitarifs erlöst werden. Dieser Vorschlag wäre vor allem für städtische Zentralen interessant.
Die Fehleinschätzung von Gerd Wassermann
Warum soll das dann also nicht für die Mannheimer Krankenfahrten-Zentrale gelten? Weil sich Gerd Wassermann zu Recht vorwerfen lassen muss, dass seine Umsetzung zu Lasten des Gewerbes konzipiert wurde: Der Verwaltungsaufwand für das Routen der Fahrten wird nämlich nicht – wie am Beispiel Stuttgart – der Krankenkasse berechnet, sondern den Taxiunternehmern. Wer seine von der Krankenfahrten-Zentrale übernommenen Fahrten auch dort abrechnen lässt, zahlt zwischen sieben und zehn Prozent des Fahrpreises als Bearbeitungsgebühr. Bei derzeitigen 60 Cent pro Kilometer schrumpfe der Erlös somit schnell auf 54 Cent, rechnet Käflein vor. Was auch Gerd Wassermann einräumt, da seine Krankenfahrten-Zentrale keinerlei Einfluss darauf nehmen kann, wen und zu welchen Konditionen die Barmer mit der Durchführung der Fahrten betraut. Das könnte der wiederum als Fachspartenleiter Taxi- und Mietwagen bei den Verhandlungen mit der Krankenkasse. Hätte gekonnt, muss man jetzt sagen. Als Konsequenz aus den Querelen mit den Kollegen hat Gerd Wassermann Ende Januar sein Amt zur Verfügung gestellt. Seine lautstarken Kritiker haben sich also durchgesetzt. Diese müssen jetzt allerdings beweisen, dass sie in den nächsten Verhandlungen mit den Krankenkassen einen wirtschaftlich tragbaren Abschluss erreichen. Was aufgrund der Tatsache, dass der Grundtarif wohl kaum erhöht werden wird, letztendlich doch auf die Lösung mit den Sammelfahrten hinausläuft. Die Heidelberger und wohl auch die Mannheimer Taxizentrale würden das hinbekommen. Die spannende Frage ist, wer koordiniert das für die Landtaxis?