PwC: Deutschland und EU könnten Wasserstoffziele verfehlen

(dpa)  Für den Klimaschutz hat die EU auch bei Wasserstoff große Pläne. Bei der Umsetzung hapert es jedoch gewaltig, sagen Branchenexperten und schauen nach Asien.

Auf Rohren einer Wasserstofferzeugungsanlage ist ein Aufkleber mit der Aufschrift "Wasserstoff" angebracht. (Foto: Nicolas Armer/dpa)
Auf Rohren einer Wasserstofferzeugungsanlage ist ein Aufkleber mit der Aufschrift "Wasserstoff" angebracht. (Foto: Nicolas Armer/dpa)
Thomas Kanzler
(erschienen bei busplaner von Franziska Neuner)

Sauberer Wasserstoff als Energieträger ist zum Erreichen der globalen Klimaziele unverzichtbar. Aber Deutschland und die EU laufen nach einer am Montag veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung PwC Strategy& Gefahr, ihre eigenen Wasserstoffziele zu verfehlen. 

Deutschland hinke seinen Plänen deutlich hinterher, schrieben die Branchenexperten. Bis 2030 sei eine Elektrolysekapazität von 10 Gigawatt (GW) geplant. In Betrieb seien heute nicht einmal 0,1 GW, finanziert seien Projekte mit 0,55 GW. Um das Ziel noch zu erreichen, müsste Deutschland jedes Jahr Elektrolyseanlagen mit 1 bis 2 GW und 200 bis 400 Windräder bauen. In den vergangenen zwei Jahren wurden jedoch nur 0,25 GW Zubau finanziert.   

Die EU will laut PwC 2030 mindestens 20 Millionen Tonnen sauberen Wasserstoff nutzen und die Hälfte davon in Europa selbst produzieren. Davon sei die EU allerdings weit entfernt. Denn dafür müsse sie 120 GW Kapazität aufbauen. Aktuell sind aber erst Anlagen mit 0,2 GW in Betrieb, Anlagen mit 3 GW Leistung sind in Bau oder finanziert. Mit Blick auf die eigenen Ziele müsste die EU jedes Jahr Anlagen mit 20 GW Leistung aufbauen. 

Große Lücke zwischen Ankündigung und Umsetzung

Weltweit klaffe eine riesige Lücke zwischen den Ankündigungen und der Umsetzung, heißt es in der Studie: Angekündigt seien Projekte mit 840 GW, finanziert oder im Bau seien 15 GW, in Betrieb seien Anlagen mit gerade mal 1 GW. 

Bei den Plänen sei Europa auf Platz 1 vor Afrika und Lateinamerika - bei der Umsetzung seien China, Südkorea und Japan Spitzenreiter. Das asiatische Trio habe laut PwC bereits jetzt doppelt so viel Produktionskapazität in Betrieb, finanziert oder in Bau wie Europa. Die USA setzen vor allem auf günstigeren Wasserstoff, der mit Abscheiden und Speichern von CO2 hergestellt wird.

Die Politik in der Pflicht 

"Der kapitalintensive Wasserstoffmarkt steckt weiterhin in den Kinderschuhen und hatte zuletzt auch noch mit hohen Zinsen und Inflation bei den Materialpreisen zu kämpfen", sagte Co-Autor Dirk Niemeier.

Hier sei die Politik in der Pflicht: Die größte Barriere sei das Fehlen großvolumiger Abnahmeverträge, was die Finanzierung und damit Fertigstellung der Produktionsprojekte verhindert. Voraussetzung für solche Abnahmeverträge sei wiederum eine Förderung, die ähnlich wie bei erneuerbarem Strom die anfänglichen Mehrkosten gegenüber fossilen Alternativen ausgleicht. Hinzu komme, dass erneuerbare Energie für sauberen Wasserstoff nötig, aber knapp sei.

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