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Monierte Taximängel liegen im Trend

Es war ein schwarzer Freitag für das Taxigewerbe. In den Zeitungen und im Fernsehen wurde darüber berichtet, dass nahezu jedes vierte Taxi erhebliche Mängel aufweist. Wieder einmal erlitt die Branche einen immensen Imageschaden. Wie kam es zu diesen Meldungen und wer steckt dahinter? Wie ist die Statistik zu bewerten?
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Redaktion (allg.)
Den Stein ins Rollen brachte eine medienwirksam aufgemachte Meldung der Zeitschrift „Guter Rat“. Darin wird unter Berufung auf das Mängelbarometer der Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ) darüber berichtet, dass rund jedes viertes Taxi in Deutschland „nicht den Anforderungen der Straßenverkehrsordnung“ entspreche. Als diese Meldung von der Deutschen Presse Agentur (DPA) einen Tag später aufgegriffen wurde, trat ein Multiplikator-Effekt ein, der schließlich dafür sorgte, dass am Freitag, den 10. Juni, unzählige Tageszeitungen und Online-Meldungen über das Sicherheitsrisiko Taxi berichteten. Selbst das ZDF-Morgenmagazin schockte mit einem allzu einseitigen Bericht seine frühen Zuseher und verdarb sicher auch manchem Taxikollegen den Appetit beim Frühstücken. Denn auf der Suche nach Erklärungen für den überdurchschnittlich hohen Anteil an Mängeln wurden die eifrigen Journalisten schnell fündig. Bestärkt durch offizielle Stellungnahmen der Gewerbe (- Interessen? -) Vertreter liege die Misere am schlechten Verdienst innerhalb der Branche, die nicht nur eine Taxi-Neuanschaffung unmöglich mache, sondern sogar dafür sorge, dass notwendige Reparaturen hinausgezögert würden. Das berichtete uns ein Berliner Innungsvertreter morgens um halb neun in die laufende ZDF-Kamera. Die eigentliche Absicht der GTÜ, weshalb man im Mängelbaromter so explizit auf die Taximängel hinwies, war zwischenzeitlich längst in den Hintergrund gerückt. Denn laut eigenen Angaben wollte man lediglich auf einen erkennbaren Trend hinweisen. Im Vergleich zum Jahr 2000 seien 2004 von 10.000 untersuchten Taxis nur mehr 36,3 Prozent ohne Mängel durch die Hauptuntersuchung gekommen. Vier Jahre zuvor waren es noch 42,5 Prozent. Neben der GTÜ führen in erster Linie der TÜV und die Dekra an Fahrzeugen die per Verordnung vorgeschriebene Hauptuntersuchung durch. Beide Überwachungsgesellschaften, die zusammen gut zwei Drittel aller Fahrzeuge untersuchen, gaben auf Nachfrage gegenüber taxi heute an, keine gesonderte Statistik über Taxis zu führen. Die KÜS, eine weitere Gesellschaft mit Berechtigung für Hauptuntersuchungen, konnte unserer Redaktion dagegen konkrete Zahlen mitteilen: Von 9.431 überprüften Taxis hatten 1.823 erhebliche Mängel. Das ergibt eine Quote von 19 Prozent, also fast jedes fünfte Taxi. Klingt immer noch schlimm, erscheint im Zusammenhang mit einer anderen Zahl aber in einem ganz anderen Lichte: 18,6 Prozent aller in Deutschland untersuchten Fahrzeuge weisen ebenfalls erhebliche Mängel auf. Damit liegen die Taxifahrzeuge also um bundesweiten Trend. Nicht mehr, aber leider auch nicht weniger. Und auch der von der GTÜ als besorgniserregend angeführte Zuwachs an mangelhaften Taxis relativiert sich ganz schnell: 1996 lag die allgemeine Mängelquote erst bei 11,6 Prozent, ist also innerhalb der letzten acht Jahre um mehr als ein Drittel gestiegen. Rein statistisch betrachtet, ist somit fast jeder fünfte Journalist, der mit seinem Pkw zu Presseterminen fährt, in einem Fahrzeug mit erheblichen Sicherheitsmängeln unterwegs. Nur schade, dass diese „Gleichstellung“ in keinem der vielen Artikel über den schlechten Zustand der Taxis zu lesen war. Stattdessen bekommt die Öffentlichkeit das Bewusstsein eingeimpft, dass Taxifahren in wirtschaftlich mageren Zeiten nicht nur zu teuer, sondern auch zu gefährlich ist. So wird es ganz schwer, mehr Fahrgäste zu gewinnen. Denn nur mit mehr Kunden und damit höherem Umsatz (nicht etwa mit weniger Taxis!) wird die Mängelquote wieder nach unten gehen. Dazu könnten auch die Statistiker der GTÜ beitragen, indem man in künftigen Mängelbarometern darauf verzichtet, die Taxibranche zu verunglimpfen. Bitte beantworten Sie zu diesem Thema auch unsere Frage des Monats: Wo haben Sie bei Ihrem Taxi die letzte Hauptuntersuchung durchführen lassen?
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