Fastned Round Table: Was braucht es für den Durchbruch der E-Mobilität?

Fastned lud zu einem Round Table in München. Mit dabei waren mit Alpitronic und Smart auch Hersteller von Ladeinfrastruktur und elektrischen Fahrzeugen. Und was als lockerer Round Table gedacht war, brachte viel Hinter- und Tiefgründiges! Lesenswert!

Fastned lud im Zuge der Smarter E zu einer lockeren, aber tief gehenden Diskussionsrunde nach München. | Foto: Monti Montiluger
Fastned lud im Zuge der Smarter E zu einer lockeren, aber tief gehenden Diskussionsrunde nach München. | Foto: Monti Montiluger
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Es war ein feines, lockeres Format, das ein bisschen an die alten Kunstzirkel in Schwabing erinnerte. München Schwabing war dann auch der Ort, wo zwölf Menschen zusammenkamen, die gemeinsame Interessen teilen und teils auch die gleichen Ziele haben. Dazu lud Susie von den Stemmen zu ihrem Format „Kultur am Tisch“ in die Räumlichkeiten „The Space von Axel Degel“ in der Münchner Siegfriedstraße mitten in Schwabing.

Nach einer kurzen Vorstellung, kurz, knapp und knackig nur mit Vornamen, ging es auch sofort los: Im Mittelpunkt stand der Austausch über die nächsten Schritte beim Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie die Frage, was E-Mobilität in Deutschland jetzt braucht.

Eingeladen hatte Fastned als Ladeinfrastrukturbetreiber und vertreten durch Linda Boll, Countrymanagerin Deutschland und Elisabeth Korte, dazu kam Wolfgang Ufer, CEO von Smart Europa, und Wolfgang Ademmer von Alpitronic. Und natürlich ging es sofort um die Frage, wie Ladeinfrastruktur ausgebaut werden muss, um attraktiv zu sein.

Laden darf keine Energieaufnahme zweiter Klasse sein

Und hier war der Ansatz von Fastned klar: Das Laden darf keine „Energieaufnahme zweiter Klasse“ sein, sondern sollte so einfach wie möglich funktionieren. Im Idealfall wie Tanken: Bezahlen mit Bank-, Kreditkarte oder Ladekarte und all das im Idealfall ohne Mehrkosten. Die aber durch Roaming immer entstehen: Tatsächlich wären Fastned-Ladekunden mit der Fastned- oder Bankkarte am liebsten, dann kann direkt abgerechnet werden.

Was auch dazugehört: lange Durchfahrten, die sich auch für Gespanne eignen. Und damit meint der niederländische Konzern nicht nur Wohnwagengespanne, sondern auch immer öfter gewerbliche Gespanne, denn auch Transporter (und perspektivisch auch Pick-ups) werden immer öfter elektrisch betrieben und fahren gar mit Anhängern zum Laden.

Dazu kommen saubere Stationen mit Dach und heller Beleuchtung, Sitzgelegenheiten, kleinen Shops, allerdings ohne Personal, und: Blumen! Linda Boll, Country Managerin von Fastned Deutschland, erklärt:

„Ja, wir pflanzen sogar Blumen und die wollen ja auch gegossen und gepflegt werden, und all das kostet Geld.“

HPC-Ladeparks kosten (wie Tankstellen) richtig viel Geld

So wie natürlich auch die Ladeinfrastruktur. Genaue Zahlen ließ man nicht verlauten, aber die Errichtung eines typischen Fastned-Ladepunktes, der eben nicht nur zwei 50-kW-Säulchen irgendwo stehen hat, ist nicht unter einem kleinen siebenstelligen Betrag zu haben. Womit wir gleich bei der Frage an Wolfgang Ademmer, CMO von Alpitronic sind, wie viel mehr denn die neuen 800- oder gar 1000-kW-Lader kosten als die 400er. Er kalkuliert kurz und kommt dann aufgrund des höheren Materialeinsatzes und der aufwendigeren Kühlung auf rund 20 bis 30 Prozent, je nach Ausführung, was angesichts des doppelt möglichen Outputs in Ordnung geht.

In 15 Minuten Strom für 400 bis 450 km laden

Womit wir bei Wolfgang Ufer sind, dessen jüngste Produkte wie der #5 zu den Fahrzeugen gehören, die eben mit mehr als 400 kW im Peak laden können. Und die Vorgaben, die er für elektrische Pkw macht, liegen hoch: Man sollte nicht länger als eine Viertelstunde laden müssen und dann 400 bis 450 Kilometer weit kommen! Was Smart mit dem #5 gerade so annähernd schafft, während man beim #2 noch darauf verzichtet. Ufer und Journalisten sind sich zudem einig: Das hängt auch immer vom Anwendungsfall ab. Menschen auf Urlaubsreisen haben mehr Zeit als der Businessreisende, der schnell von A nach B kommen muss. Und wer nur kurze Strecken pendelt und ohnehin zu Hause oder „auf Arbeit“ laden kann, braucht das HPC-Laden selten. Was auch für viele Nutzende des elektrischen zweisitzigen Smart Fortwo galt.

Der Smart #2 wird wieder mit Klassenlosigkeit punkten

Und Ufer freut sich maximal, diese Ikone wieder zurückzubringen: als vollwertiges Elektroauto mit knapp 300 Kilometern Reichweite nach WLTP und einer ordentlichen DC-Ladeleistung. Bei den Preisen ist man sich noch nicht so ganz einig: Für Dienstleister und kommerzielle Nutzer wäre eine Basisversion für ganz knapp unter 20.000 Euro spannend – so könnte man auch in Flotten hohe Stückzahlen generieren. Aber: Der #2 soll kein Billigheimer werden und schon in der Basis „ganz nett“ aussehen. Die einstigen, auch optisch frugalen Basismodelle mit Stahlrädern würden auch kommerzielle Kunden heute nicht mehr so akzeptieren, zumindest nicht von Smart, erklärt uns Ufer, weshalb wir daraus ableiten: Schon der Basis-#2 wird ziemlich gut ausgestattet und optisch nett anrollen, aber eher für 21.900 als für 19.900 Euro.

Womit Elektroauto, Ladetechnik und Infrastruktur stünden – ebenso wie die Pläne der Anwesenden, all das auszubauen – und die Runde eine Stufe tiefer steigen kann: zu den Problemen, die beim Laden immer noch auftreten.

Und die sind schnell aufgezählt: Laut Linda Boll ist es immer noch die überbordende Bürokratie, die das Errichten neuer Ladepunkte ausbremse und unnötig verteuere. Und das eigentlich weltweit, nur immer ein bisschen anders gelagert: Mal gelten für Ladepunkte gleiche Gesetze wie für Tankstellen, mal gehört den Anfragenden nicht das ganze Grundstück, auf dem die Ladetechnik installiert werden soll, mal muss man sich mit der Gemeinde abstimmen. Und viele Kommunen, gerade in Deutschland, setzen hier auf gewisse Monopole …

Transparenz und Einfachheit zählen

Dazu kommen Softwarebugs und mangelnde Transparenz. Denn wenn man oder frau sich erst ewig mit der Eingabe sämtlicher Daten fürs Laden qualifizieren muss, ist das ebenso abtörnend wie die Preise, die meist nicht angezeigt werden. Weshalb Fastned diese immer nennt, aber: Man kann das laut Linda Boll natürlich nur für sich selbst oder das Ad-hoc-Laden tun. Aber sobald wieder Roaming-Gebühren anderer Kartenanbieter anfallen, wird es komplex, denn hinter den Kulissen müssen alle Ladestromanbieter dann gegenseitig das bei ihnen „verladene“ Geld im Nachhinein wieder eintreiben.

Auch bei Alpitronic arbeiten viele Programmierer daran, die Bezahlvorgänge laufend zu verbessern und möglichst einfach, sicher und immer aktuell zu gestalten. Grundsätzlich wäre aus technischer Sicht die Zahlung per Bank- oder Kreditkarte oder Plug-and-Charge in vielen Fällen die schlankere Lösung. Denn jede Karte  muss integriert, getestet und laufend gepflegt werden.

Künftig sollen die Alpitronic-Säulen noch präziser mit den Kunden kommunizieren

Was immer noch vorkommen kann, sind Software- respektive Kommunikations-Bugs zwischen Ladepunkt und Fahrzeug. Software kann immer mal Aussetzer haben, aber auch hier will man mehr Klarheit schaffen: Perspektivisch will Alpitronic am Display melden, woran es liegen kann, dass kein oder zu wenig Strom kommt. Der ganz große Traum wäre natürlich eine präzise Problembeschreibung. Wobei interessanterweise gerade die Marke Alpitronic als Garant dafür gilt, eben keine oder kaum Probleme zu verursachen: E-Fahrerinnen und -Fahrer erkennen das charakteristische Design der Alpitronic-Produkte und atmen in der Regel erleichtert auf, wenn sie sie erkennen.

Liebe Kabelklauende: Das Kupfer in einem Kabel ist kein 30 Euro wert…

Auch das Thema Kabelklau kam auf den Round Table: Kennt man bei Alpitronic und muss Diebe enttäuschen: Der Wert der Rohmaterialien, wobei es die Diebe vor allem auf Kupfer abgesehen haben, beträgt oft keine 30 Euro – und dafür den Aufwand? Fragt Ademmer.

Fastned hat deshalb alle Stationen mit Kameras überwacht und bisher, toi toi toi, nur einen einzigen Fall. Das Teure ist danach die eichrechtliche Zertifizierung des neuen Kabels, die die Kosten samt Reparatur schnell auf 3.000 Euro plus großes x treiben kann. Und auch Ademmer von Alpitronic hat hier schon alles erlebt: Diebe, die mit Fahrrad und Radanhänger kamen, Familien, die Kabel stahlen oder oder – es gäbe fast nichts, was es nicht gibt.

Am Ende wird klar: Am oft geforderten Motto „Laden wie Tanken“ ist schon was dran, aber da sind sich alle Beteiligten einig: Da die Industrie hier noch großes Entwicklungspotenzial hat, ist man auf dem besten Weg dahin. Und die Elektromobilität wird deshalb noch populärer werden. Auch bei Wolfgang Ufers 86-jähriger Mutter, die sich ihren Sohn schon mal zur Seite nahm und ankündigte: „Wolfgang, ich muss mit dir reden!“ Und Ufer wusste, dass jetzt etwas Wichtiges kommen würde …

„Wenn der neue #2 kommt, hätte ich gern den Ersten!“

Wir sind gespannt – und gehen davon aus, dass nicht nur sie mit ihrem neuen Stromer an einer Alpitronic-Säule an einer Fastned-Station laden wird!

Es waren Anekdoten wie diese, die die Runde so bunt und spannend machten. Und ja, ein paar Schrittchen braucht die E-Mobilität in Deutschland noch, aber die ganz großen wurden bereits gegangen.

Was bedeutet das?

Die E-Mobilität kommt. Und ja, ein paar Details sind immer noch zu klären – doch die ganz großen Probleme sind perspektivisch gelöst!

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