International: Taxi-News aus Tschechien

Der sprichwörtliche Blick über den Tellerrand kann zu interessanten Entdeckungen führen, ob Trends, Innovationen, Problemlösungen oder aktuelle Entwicklungen, die auch hierzulande Impulse setzen können oder einfach, um den ausländischen Kollegen über die Schulter zu schauen: eine Momentaufnahme bzw. Presserundschau der tschechischenTaxibranche.

Symbolbild: Ein tschechisches Taxi vor der Prager Skyline mit Sehenswürdigkeiten und wehenden tschechischen Flaggen. Bild: KI-generiert
Symbolbild: Ein tschechisches Taxi vor der Prager Skyline mit Sehenswürdigkeiten und wehenden tschechischen Flaggen. Bild: KI-generiert

Tschechische Behörden decken massiven Steuerbetrug mittels Ride-Hailing-Diensten auf

Die tschechische Finanz- und Zollverwaltung hat ein weitreichendes Netzwerk von Steuerbetrug im Bereich alternativer Taxiservices wie Uber und Bolt aufgedeckt. Laut einem Bericht des TV-Magazins Reportéři ČT sollen sogenannte Flottenfirmen, die Hunderte Fahrzeuge besitzen und an Fahrer vermieten, systematisch Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Durch ständige Neugründungen und Firmenwechsel entgehen sie der Kontrolle der Behörden.

Nach Schätzungen des Finanzamts wurden 2024 rund 6,5 Milliarden Kronen [257 Millionen EUR] an Fahrumsätzen erzielt – versteuert wurde davon nur etwa ein Fünftel. Die Flottenfirmen zahlen Fahrer meist bar aus, viele von ihnen sind in Exekution oder offiziell nur geringfügig beschäftigt, wodurch dem Staat Einnahmen aus Einkommen-, Sozial- und Krankenversicherungsbeiträgen entgehen.

Das Betrugssystem funktioniert über die Zahlungsstrukturen der Plattformen: Kunden bezahlen Fahrten per Karte an Uber oder Bolt, die das Geld nach Abzug ihrer Provision ins Ausland weiterleiten. Die verbleibenden Einnahmen gehen an tschechische Flottenfirmen, die die Umsätze jedoch nur teilweise melden oder sich vor der Steuerprüfung selbst auflösen. Fahrer erhalten ihr Geld anschließend bar und außerhalb offizieller Buchhaltung.

Der größte bekannte Fall, unter dem Codenamen Flotila, betrifft eine Gruppe um die Unternehmer Tomáš Munzar und Zdeněk Touš. Sie sollen mit acht Firmen über 1.000 Fahrzeuge betrieben und Steuern in Höhe von mindestens 121 Millionen Kronen [4,8 Mio. Euro] hinterzogen haben. Polizei und Zoll führten Razzien durch, beschlagnahmten Vermögen in Millionenhöhe und reichten Hunderte Strafanzeigen ein. Die Behörden verhandeln nun mit Uber und Bolt über eine monatliche Datenübermittlung, um künftige Steuerbetrügereien schneller aufzudecken. (September 2025, Quelle: ct24.ceskatelevize.cz/clanek/domaci/pres-flotily-taxiku-utikaji-statu-na-danich-stamiliony-popsali-reporteri-ct-365578)

Ausländische Fahrer und Ride-Hailing-Dienste verändern Taxi-Landschaft Tschechiens

Die Zahl der Taxifahrer in Tschechien stieg in den vergangenen Jahren deutlich, besonders in Prag. Haupttreiber dieser Entwicklung sind App-basierte Dienste wie Uber und Bolt. In der tschechischen Hauptstadt wuchs die Zahl der lizenzierten Fahrer von etwa 1.000 im Jahr 2014 auf über 5.400 im Jahr 2024. Insgesamt sollen derzeit zwischen 15.000 und 16.000 Fahrer in Prag aktiv sein, ähnliche Trends zeigen sich in Städten wie Brno, Ostrava und Pilsen.

Ein großer Teil der neuen Fahrer stammt aus dem Ausland, viele von ihnen verfügen weder über ausreichende Sprachkenntnisse noch über genaue Ortskenntnisse. Laut Behörden führt dies immer wieder zu Problemen im Straßenverkehr. Stadtverwaltung und Polizei warnen vor unzureichend qualifizierten Fahrern, die teilweise riskant fahren und die Verkehrsregeln nicht kennen. Die Polizei berichtet von täglichen Verstößen und bezeichnet manche Fahrmanöver als gefährlich. Ein weiteres Problem sind Sprachbarrieren: Viele Fahrer aus dem Ausland verstehen kein Tschechisch oder Englisch. Das erschwert die Kommunikation mit Polizei und Fahrgästen und führt häufig zu Missverständnissen im Straßenverkehr.

Als Reaktion hat die Stadt Prag das Straßenverkehrsgesetz verschärft: Ab Juli 2025 müssen alle Fahrer einen gültigen EU-Führerschein besitzen, und die Lizenz gilt nur für die Dauer des rechtmäßigen Aufenthalts. Damit sollen Sicherheits- und Qualitätsstandards angehoben werden. Dennoch befürchten Branchenvertreter, dass die neuen Vorschriften nicht ausreichen, um die Probleme vollständig zu lösen. Der klassische Taxifahrer mit Ortskenntnis und langjähriger Erfahrung drohe durch plattformbasierte Dienste zunehmend verdrängt zu werden. (Juli 2025, Quelle: expats.cz/czech-news/article/foreign-taxi-drivers-multiply-in-czechia-s-cities-raising-alarms)

Prager Flughafen plant Rückkehr klassischer Taxis nach Kritik an Uber-System

Der Flughafen Prag verhandelt derzeit mit dem Fahrdienstanbieter Uber über die Wiedereinführung klassischer Taxi-Dienste. Seit 2023 ist Uber der offizielle Anbieter am Airport, doch viele Passagiere kritisieren das ausschließlich app-basierte Buchungssystem als zu kompliziert. Fahrgäste müssen entweder die Uber-App installieren oder sich an einem Kiosk registrieren, um eine Fahrt zu buchen. Die Flughafenleitung räumt ein, dass ein Teil der Reisenden eine herkömmliche Taxi-Option ohne App-Nutzung oder Datenangabe bevorzugt. 

Ursprünglich wurde Uber ab 2023 beauftragt, um intransparenten undals überteuert empfundenen Preispraktiken herkömmlicher Taxi-Anbieter entgegenzuwirken, da Uber im Voraus feste Fahrpreise garantiert. Dennoch erwägt nun der Hauptstadtflughafen aufgrund der Beschwerden, klassische Taxis wieder zuzulassen, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Passagiere gerecht zu werden. Ube werht sich gegen diese Änderungen. Sollte keine Einigung mit Uber erzielt werden, wäre eine öffentliche Ausschreibung für weitere Anbieter möglich. (Februar 2025, Quelle: expats.cz/czech-news/article/classic-taxi-services-to-return-to-prague-airport-after-uber-backlash)

Prag plant ab 2029 nur noch Elektro- und Wasserstofftaxis zuzulassen

Die Stadt Prag will den Taxiverkehr ab 2029 vollständig auf umweltfreundliche Fahrzeuge umstellen. Nach einem Vorschlag der Stadtverwaltung sollen künftig nur noch Elektro- und Wasserstofftaxis zugelassen werden. Außerdem dürfen Fahrzeuge ab diesem Zeitpunkt nicht älter als sechs Jahre sein. Hintergrund der Maßnahme ist der starke Anstieg der Taxi-Zulassungen in der tschechischen Hauptstadt. 2024 waren mehr als achtmal so viele Taxis wie 2010 auf den Straßen. 

Die Stadt begründet die geplante Umstellung außerdem mit zunehmenden Umweltbelastungen durch ältere Fahrzeuge. Laut Behördenangaben lag 2017 das Durchschnittsalter Prager Taxis bei fünf Jahren, in 2023 bereits bei über 10 Jahren. Taxis legen deutlich mehr Kilometer pro Tag zurück als Privatwagen und tragen daher überproportional zu den Emissionen bei. Obwohl Prag derzeit die EU-Grenzwerte für Luftqualität einhält, sollen diese bis 2030 deutlich verschärft werden. Der Vorschlag liegt dem Verkehrsausschuss des Stadtrats vor und muss noch endgültig beschlossen werden. (Februar 2025, Quelle: praguemorning.cz/prague-taxis-face-new-rules-only-electric-cars-allowed-from-2029/)

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