Chance oder Bedrohung fürs Taxi?

„Dalli“ heißt der Rufbus, der seit 2022 im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree fährt. Das Angebot funktioniert wie viele neue On-Demand-Dienste: per App oder Telefon buchen, einsteigen, mitfahren – und unterwegs steigen weitere Gäste zu.

Für die einen ist „Dalli“ ein Fortschritt, für einige Taxi-Unternehmer in der Region eher ein Warnsignal. Bild: Dalli
Für die einen ist „Dalli“ ein Fortschritt, für einige Taxi-Unternehmer in der Region eher ein Warnsignal. Bild: Dalli
Thomas Kanzler

Seit diesem Jahr ist das System auch abends am Wochenende verfügbar. Betreiber ist ein Mobilitätsdienstleister im Auftrag des Landkreises, finanziert wird das Projekt vollständig aus öffentlichen Mitteln. Eine wissenschaftliche Evaluation bescheinigt dem System sozialen Nutzen, gerade für ältere Menschen oder für Orte mit schwacher ÖPNV-Anbindung. Doch viele Taxiunternehmer vor Ort fühlen sich verdrängt. Fahrten, die früher beim Taxi landeten, laufen nun über die App. In kleinen Orten kann das existenzbedrohend wirken. Deutschlandweit über 120 On-Demand-Projekte

Dalli ist kein Einzelfall. Seit der Reform des Personenbeförderungsrechts 2021 sind bundesweit mehr als 120 On-Demand-Projekte entstanden, schätzt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Rund 1000 Fahrzeuge sind im Einsatz, überwiegend im ländlichen Raum. Die Deutsche Bahn-Tochter ioki spricht von bislang sieben Millionen Fahrgästen.

Doch die Bilanz ist durchwachsen. Nur 17 Prozent der Deutschen kennen solche Angebote überhaupt, zeigt eine Bitkom-Umfrage. Wo sie genutzt werden, wie in Murnau in Oberbayern, sind sie durchaus beliebt – dort fuhren drei Jahre lang rund 60.000 Menschen mit dem Shuttle „Omobi“. Trotzdem stoppte der Gemeinderat das Projekt, zu teuer im Betrieb. Ähnliche Erfahrungen gibt es anderswo: Das Projekt BEA im Sauerland wurde nach zwei Jahren eingestellt, in Hamburg und Köln müssen die Dienste mit zweistelligen Zuschüssen pro Fahrt gestützt werden. Laut VDV fehlen bei drei Viertel der laufenden Projekte verlässliche Finanzierungspläne über 2026 hinaus.

On-Demand-Verkehre sind häufig (zu) teuer

Für Taxiunternehmer ist diese Entwicklung ein doppeltes Problem. Zum einen entstehen Wettbewerbsnachteile, weil die neuen Dienste massiv bezuschusst werden, während das Taxi seinen Betrieb eigenwirtschaftlich trägt. Zum anderen bleibt die Einbindung der Branche meist außen vor.

Genau das fordern die Taxi-Verbände: Integration statt Verdrängung. Ein kommunal gesteuertes Rufbus-System ohne lokale Unternehmer schaffe Abhängigkeit von neuen, zentralisierten Strukturen. Bricht die Förderung weg, steht der ländliche Raum möglicherweise ohne verlässliches Angebot da. Die Gefahr: Erst werden Taxis verdrängt, später fallen auch die On-Demand-Shuttles weg – und es bleibt eine Lücke in der Daseinsvorsorge.

Dass On-Demand-Dienste Potenzial haben, bestreitet kaum jemand. Sie können Lücken schließen, digitale Buchung erleichtert den Zugang, und für manche Zielgruppe ist das Angebot attraktiv. Doch die Kosten sind hoch, die Strukturen fragil. Nachhaltig wird die Mobilitätswende auf dem Land nur, wenn bestehende Betriebe Teil der Lösung sind.

Taxis verfügen über Erfahrung, lokale Verankerung und flexible Einsatzmöglichkeiten. Werden sie in digitale Plattformen und kommunale Mobilitätsstrategien eingebunden, können sie das leisten, was Rufbusse bislang versprechen – aber oft nur mit hohen Zuschüssen erreichen. Für Politik und Kommunen stellt sich deshalb weniger die Frage, ob On-Demand-Dienste das Taxi verdrängen sollen, sondern wie beide Modelle sinnvoll zusammenspielen können. tk

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Seite 5 bis 0 | Rubrik Taxi-News
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