Thema des Monats

Mobilität im Wandel des Spritwuchers

Thema des Monats April

Die Spritpreise erreichen historische Höchststände und Taxiunternehmer ärgern sich über eine weitere Kostenbelastung. Doch die Preisentwicklung bei den Kraftstoffen beschleunigt derzeit auch den - vornehmlich städtischen - Mobilitätswandel in der Bevölkerung. Wo sich dieser zeigt und wie das Taxigewerbe davon profitieren könnte, beleuchtet unser Thema des Monats April und gibt dabei einen Denkanstoß, der sicherlich sehr kontrovers diskutiert werden dürfte.

Autofahren wird immer teurer. Das ist keine nun wahrlich neue Erkenntnis, doch die Zahlen sind deutlich: Die Kosten für den Unterhalt eines Pkw sind im Zeitraum 2005 bis 2010 um 41 Prozent stärker gestiegen als die allgemeinen Lebenshaltungskosten, wie der Auto Club Europa vor Kurzem anhand von Zahlen des Statistischen Bundesamts festgestellt hat. Die Reallöhne der Arbeitnehmer sind dagegen zeitgleich um 1,2 Prozent gesunken.

Vor allem die stetig steigenden Spritpreise lassen offenbar immer mehr Leute darüber nachdenken, ob sie sich das eigene Auto überhaupt noch leisten wollen bzw. können. Auch bei denjenigen, die auf einen eigenen Pkw nicht komplett verzichten möchten, zeichnet sich – zumindest im städtischen Bereich -  ein deutlicher Trend zur verstärkten Nutzung alternativer Mobilitätsmöglichkeiten ab: Immer mehr Städter setzen im Alltag lieber auf einen intelligenten Mix aus verschiedenen Transportmitteln, statt sich mit hohen Spritpreisen, Dauerstaus und Parkplatznot herum zu ärgern.

Von diesem Trend profitieren in erster Linie die Fahrradverleih-Stationen und die Carsharing-Projekte von Daimler (car2go), BMW (DriveNow), der Bahn (Flinkster) und anderen Anbietern. Mehr als eine Viertelmillion Nutzer greift nach aktuellen Zahlen des Bundesverbands Carsharing auf derartige Angebote zurück, die jährliche Zuwachsrate liegt aktuell im zweistelligen Prozentbereich. Und auch die Betreiber von Bussen und Bahnen freuen sich vielerorts über steigende Fahrgastzahlen.

Und das Taxigewerbe? Hier ist von einem Boom weit und breit nichts zu spüren. Warum eigentlich nicht? Schließlich hat das Taxi gegenüber den anderen Mobilitätsangeboten ja auch einige Vorzüge zu bieten: Kunden müssen sich nicht in überfüllte Busse und Bahnen quetschen, nicht umsteigen, den Fahrplan studieren, sich über Verspätungen ärgern oder den Weg zum jeweiligen Carsharing-Parkplatz auf sich nehmen. Stattdessen kommen sie schnell und ohne Stress zum gewünschten Ziel.

Nun hat das Verkehrsmittel Taxi zugegebenermaßen auch einen Nachteil: Es ist teurer als die Konkurrenz. In der Wahrnehmung der Menschen ohnehin und wohl auch in den meisten konkreten Einzelfällen. Hinzu kommt: Der Fahrgast weiß in den seltensten Fällen im Vorfeld, was ihn die Taxifahrt genau kosten wird. Wer kennt schon auswendig den aktuellen (oft auch tageszeitabhängigen) Kilometerpreis in der Stadt, in der er sich gerade aufhält? Wer weiß, wie viele Kilometer es genau zum Ziel sind? Von unterschiedlichen Fahrpreisen für ein und dieselbe Strecke aufgrund von ungünstigen Ampelschaltungen einmal ganz zu schweigen.

Vielleicht wäre hier aber auch schon der erste Lösungsansatz zu suchen: Wer via Carsharing ein Auto mietet, weiß genau: Eine Stunde kostet mich x Euro. Wer ein Ticket für die städtische Verkehrsgesellschaft löst, weiß: Die Fahrt kostet mich y Euro. Was spricht dagegen, auch dem Taxi-Kunden klar zu vermitteln: Eine Taxifahrt kostet Sie z Euro? In Ansätzen wird dies zwar z.B. in Bielefeld oder Berlin schon praktiziert. Vielleicht sollte die Preistransparenz im Taxigewerbe aber noch weiter gehen: Ein fester Preis, der nicht nur für die ersten beiden Kilometer, sondern für das gesamte Stadtgebiet gilt - egal, um welche Uhrzeit; egal, ob mit Gepäckstück oder ohne und gleichgültig, ob das Taxi über die Zentrale bestellt oder am Standplatz eingestiegen wurde.

Vielleicht könnte mit einem solchen transparenten Preismodell der eine oder andere überzeugt werden, doch häufiger mal das Taxi als Verkehrsmittel in Anspruch zu nehmen. Wie hoch ein solcher Festpreis für Fahrten im Stadtgebiet letztendlich sein müsste, um unter Einbeziehung entsprechender Komfortmerkmale ein konkurrenzfähiges Preis-/Leistungs-Modell anbieten zu können, müsste mit einer fundierten Analyse aller Fahrten und einer daraus abgeleiteten Mischkalkulation berechnet werden. Wahrscheinlich bliebe das Taxi dann zwar immer noch etwas teurer als die Konkurrenz. Aber der Kunde wüsste genau, welche Kosten ihn erwarten und würde das Taxi möglicherweise öfter nutzen.

Aus Sicht unseres Gewerbes würde ebenfalls ein Schuh daraus: Was nützt es, wenn der Kilometertarif zwar vielleicht die Kosten für die jeweilige Fahrt deckt, der Fahrer aber stundenlang an den Taxiständen der Stadt versauert? Mit einer Erhöhung der Auslastung bestünde sicherlich auch der Spielraum, um einen festen Fahrpreis im Rahmen zu halten.

Damit Taxiunternehmer und Fahrer von dem veränderten Mobilitätsbewusstsein in der Bevölkerung profitieren können, wären aber auch gewerbepolitische Anstrengungen nötig. Hier fristet unser Gewerbe immer noch ein Dasein irgendwo zwischen Luxus-Dienstleistung und eigenbrötlerisch organisiertem ÖPNV-Ableger. Die Konkurrenz macht es vor und vernetzt sich immer mehr untereinander, um dem Kunden gemeinsame Angebote zu unterbreiten: DriveNow kooperiert mit der Internet-Mitfahrzentrale flinc, car2go will in der Hauptstadt zusammen mit den Verkehrsbetrieben ein gemeinsames elektronisches Auskunfts- und Bezahlsystem etablieren und investiert zudem in die App myTaxi – dies sind nur einige Schlagzeilen aus den letzten Wochen.

Unser Gewerbe wird aus eigenem Antrieb den Schulterschluss mit anderen Mobilitätsangeboten suchen und aufzeigen müssen, wie das Taxi seinen wertvollen Beitrag zur künftigen Mobilität leisten kann. Zum Beispiel für ältere Personen, für die Fahrrad- und Auto-Verleihangebote keine Lösung darstellen und die keine Lust haben, sich in der überfüllten U-Bahn die Beine in den Bauch zu stehen. Die Chancen bestehen und es liegt im ureigenen Interesse des Taxigewerbes, überzeugende Lösungen anzubieten. Sonst wird es dabei auf der Strecke bleiben.

Könnte eine einfachere Preispolitik in Form eines niedrigen Festpreises für Fahrten im Stadtgebiet die Auslastung der Taxis erhöhen? Stimmen Sie ab und kommentieren Sie Ihre Meinung in unserer Frage des Monats April.

(sk)