Thema des Monats

Injektoren-Dilemma: Lächeln Sie noch oder ärgern Sie sich schon?

Thema des Monats Februar 2010

Für viele Taxi- und Mietwagenunternehmer ist es ein Brauch aus Erfahrung: Kaufe niemals ein neues Modell, bevor es sich nicht mindestens zwölf Monate auf dem Markt etabliert hat. In unserer Frage des Monats wollen wir von Ihnen wissen, ob Sie auch zu diesen vorsichtigen Unternehmern gehören. Leider kommt es immer wieder vor, dass neu eingeführte Fahrzeugmodelle noch Kinderkrankheiten haben. Wer erinnert sich nicht an die massiven Elektronik-Ausfälle bei der E-Klasse W 210 vor einigen Jahren?

Prominenteste aktuelle Opfer sind seit einigen Monaten wieder Mercedes-Kunden: Einige Fahrzeuge - darunter auch viele Taxis - der ersten W 212-er E-Klassen-Produktion schalteten plötzlich abrupt in den Notlauf. Passierte das auf der Autobahn, hatte das ein abruptes Abbremsen auf 70 km/h zur Folge. Was war passiert? Defekte Injektoren führten zu einem unrunden Lauf und zu einer Fehleranzeige auf dem Display, worauf die Fahrzeugelektronik mit dem Umschalten in den besagten Notbetrieb reagierte. Die fehlerhaften Injektoren stammen vom amerikanischen Zulieferer „Delphi“ und werden von Mercedes in den Dieselmotoren E 220 und E 250 der C-, E- und GLK-Klasse verbaut.

Alle davon betroffenen E-Klassen mussten in die Werkstatt und dort die Injektoren austauschen. Mercedes reagierte sehr schnell, übernahm für sämtliche Austauscharbeiten die Kosten und stellte während der Ausfallzeit einen kostenlosen Leihwagen zur Verfügung.

Betroffene Taxiunternehmer hatten Anspruch auf ein Leihtaxi, das die einzelnen Mercedes-Niederlassungen über regionale oder bundesweite Taxivermieter organisierten. Dies führte zu Beginn und über die Jahreswende zu Engpässen. In München beispielsweise litten darunter während des umsatzstarken Oktoberfestes alle Unternehmer, die wegen Unfall oder Lieferverzögerung eines Neuwagens ein Leihtaxi benötigten: Es gab schlicht und einfach keine mehr. Das verfügbare Kontingent war bereits an Taxiunternehmer verliehen, deren neuen W 212-er gerade in der Werkstatt zum Injektorenaustausch waren.

Auch Horst Wiedemann vom bundesweit tätigen Taxivermieter „TRP“ bestätigte auf Nachfrage von taxi heute kurzfristige Kapazitätsengpässe rund um Weihnachten und Sylvester- also wiederum zu umsatzstarken Zeiten. Insgesamt allerdings habe man fast immer mit einem adäquaten Ersatztaxi helfen können: Einer E-Klasse W 211, von denen man sich aufgrund der lukrativen Abverkaufsaktion kurz vor Bekannt werden des Problems genügend Modelle angeschafft hatte. „Darüber hinaus hatte uns auch die Daimler-Vertriebsorganisation zwanzig E-Klassen vom Typ W 212 (mit ausgetauschten Injektoren!) zur Verfügung gestellt, in die wir die taxispezifischen Ausrüstungen einbauten und die wir auf unsere Servicestationen verteilten“, berichtet Herr Wiedemann.

Durch diese Maßnahmen konnte Mercedes einen größeren Aufschrei unter den Taxiunternehmern verhindern, obwohl manche nicht nur einmal, sondern bis zu fünfmal zum Injektorenwechsel in die Werkstatt mussten. Glaubt man den Einträgen in manchen Auto-Foren, werden „haltbare“ Injektoren wohl erst im Laufe dieses Monats von Delphi produziert.

Sind diese Geschichten Balsam auf die Seelen derjenigen Unternehmer, die niemals gleich zur Einführung eines neuen Modells zuschlagen? Kaufen bald gar keine Kunden mehr ein neues Modell?

Wir wollen genau dies von Ihnen bei unserer Frage des Monats wissen: Warten Sie erstmal die Kinderkrankheiten eines neues Taximodells ab oder wollen sie zu den ersten gehören, die darin Fahrgäste befördern? Über diesen Link zur Umfrage des Monats können Sie abstimmen. Ihre Erfahrungen können Sie uns übrigens auch in unserem Forum schildern oder per Email an redaktion@taxi-heute.de mitteilen. Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme.

(jh)