Erste Klasse-Taxis sollen mehr kosten dürfen
Thema des Monats August 2008
Handelt es sich hier um eine belanglose Sommerlochdebatte oder beschreitet die Politik eine neue Dimension in der Qualitätsdefinition? Berliner Politiker jedenfalls fordern die Einführung von 1.-Klasse-Taxis. Das hätte durchaus seine Vorteile.
Die Meldung war Anfang August der Berliner BZ zu entnehmen: Berliner Politiker wollen nicht mehr hinnehmen, dass der Fahrpreis für Taxis gleich ist. Egal, ob es sich dabei um ein „Siff-Taxi“ oder um eine Edel-Droschke handelt. Oder um eine „Rost-Schrott-Schüssel“, wie der FDP-Verkehrsexperte Klaus Peter von Lüdeke in der BZ zitiert wird. Damit sich eine „tipptopp gepflegte S-Klasse“ künftig von solch einem Taxi auch preislich abheben kann, brauche es endlich flexible Taxi-Tarife. Wer Erste Klasse-Taxiqualität biete, so von Lüdeke, solle dafür auch einen festgelegten, höheren Fahrpreis verlangen dürfen. Alle anderen nur den Normal-Tarif. Um auch preislich in das Premium-Segment aufsteigen zu dürfen, dürften die topp gepflegten Taxis allerdings nicht älter als zwei Jahre sein und sollten über Extras wie Navi, Ledersitze, getönte Scheiben und TV-Monitor in den Nackenstützen verfügen.
Lüdeke schlägt auch vor, dass sich die Edel-Taxis durch eine frei wählbare Wagenfarbe von Hellelfenbein abheben sollten.
Spätestens mit der letztgenannten Forderung wäre man dann nicht mehr allzu weit von der klassischen Mietwagen-Limousine entfernt, die sich seit Jahren – ausgestattet mit Tariffreiheit und befreit von der Betriebspflicht - im Windschatten des Taxis etabliert. Und zumindest für diejenigen unter ihnen, die für ihre Extraleistung einen angemessen Preis verlangen, lohnt sich dieses Geschäft dann auch wirtschaftlich.
Was also im Mietwagenbereich funktioniert, soll nun auch bei Taxis gelten. CDU-Verkehrsexperte Rainer Ueckert hält zumindest eine Prüfung von unterschiedlichen Tarifen für unterschiedliche Qualität für sinnvoll.
Und das Taxigewerbe? Wäre ein Erste-Klasse-Taxi umsetzbar? Wie sollten die Kriterien definiert werden? Reicht das Alter des Fahrzeuges als Definition oder dürfen es auch nur bestimmte Marken sein? Wer kontrolliert die Qualitätsstandards? Wie viel Aufklärungsarbeit wäre in der Öffentlichkeit nötig, bis die Taxikunden realisiert haben, dass sie am Halteplatz künftig zwischen zwei Qualitäts- und Preiskategorien auswählen können?
Die Fülle dieser Fragen zeigt, wie sehr diese Idee noch in den Kinderschuhen steckt. Trotzdem hat es der Vorschlag verdient, ausführlich diskutiert zu werden.
Ein paar Berliner Politiker haben den Anfang gemacht und damit bewiesen, dass sie sich derzeit ein Vielfaches mehr Gedanken um das Taxigewerbe machen als alle ihre Kollegen in anderen Städten. Vielleicht hilft das Sommerloch und der damit verbundene Mangel an großen politischen Themen, diese Diskussion konträr aber fruchtbar zu einem Ergebnis zu führen.
Hinweis der Redaktion: Was halten Sie von einem höheren Tarif für Erste-Klasse-Taxis? Bei unserer Frage des Monats können Sie darüber abstimmen und uns Ihre Argumente mitteilen.