Thema des Monats

Bei Anruf „Grün“

Thema des Monats Januar 2010

Was eine Leipziger Internet-Zeitung noch als weihnachtliche Wunschgeschichte bezeichnete, wird bei einer anderen Taxizentrale bereits in die Tat umgesetzt: Kunden sollen dort zukünftig ein Umwelt-Taxi bestellen können. Beide Zentralenvorstände hätten in Einzelgesprächen jeden Taxiunternehmer überzeugt, in die Zukunftstechnologie Alternativer Antriebe zu investieren. Neben dem deutlich geringeren CO2-Ausstoß ließen sich damit auch eine Menge Kosten sparen, etwa die Hälfte allein beim Kraftstoff. Und die Einfahrt in die geplante Umweltzone sei dann auch überhaupt kein Problem mehr.

Um die finanzielle Belastung für die Taxiunternehmer möglichst gering zu halten, habe man eine Fachwerkstatt überzeugen können, die Umrüstung zu Erdgastaxis aufgrund des hohen Auftragsvolumen von etwa 3.000 Euro auf gut die Hälfte zu senken. Darüber hinaus würde man auf dem Betriebsgelände von Löwen-Taxi eine Erdgas-Tankstelle errichten.

Nun, der Vorteil an Internet-Veröffentlichungen ist, dass man Artikel jederzeit ändern bzw. umschreiben kann und so kam die Wahrheit über die Unwahrheit dieser Geschichte schon am nächsten Tag ans Licht. Der Autor bekannte sich dazu, eine frei erfundene Weihnachtsgeschichte ins Netz gestellt zu haben. Man habe geschrieben, „was geschehen könnte, wenn ein klein wenig mehr Vernunft regieren würde und die Menschen ein klein wenig mehr Sinn für die Einmaligkeit des Lebens auf diesem blauen Planeten hätten. Wunschgeschichten, die aber nicht wirklich weit weg sind von dem, was möglich ist.“

Wie klein der Schritt zwischen Fiktion und Wirklichkeit tatsächlich ist, beweist im Moment die Münchner Taxizentrale „IsarFunk“. Dort hatte man schon im Mai letzten Jahres als Gastgeber des fms-Anwendertreffens „Eurocab“ das Thema „Vermittlung einer umweltschonenden Taxiflotte“ auf die Agenda eines Diskussionsforums gesetzt und die Idee seitdem konsequent weiterverfolgt.


Unterstützt und immer wieder angestoßen wurde die Zentrale dabei vom Münchner Mehrwagenunternehmer und IsarFunk-Teilnehmer Peter Köhl, der durch den Einsatz mehrerer Hybrid-Taxis bei seinem „Taxi-Center Ostbahnhof“(taxi heute berichtete darüber in seiner Print-Ausgabe Juli 2009) nicht nur über positive Erfahrungen, sondern auch über fundierte betriebswirtschaftliche Zahlen berichten konnte.

So verursachten beispielsweise die sieben eingesetzten Hybrid Taxis in zwölf Monaten und bei einer Laufleistung von insgesamt knapp 500.000 Kilometern einen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß von 68,18 Tonnen, während die damit verglichenen sieben eingesetzten Diesel-Taxis 134,13 Tonnen CO2 an die Umwelt abgaben. Die Einsparung durch die Hybridfahrzeuge lag somit bei 49,19 Prozent.

Solche Werte sind wie Balsam auf eine Wunde, die seit der von Eigeninteressen geprägten und damit kläglich gescheiterten Kopenhagener Konferenz mehr denn je blutet.

Durchgesetzt hat sich die Erkenntnis, dass kleine persönliche Schritte zum Umweltschutz derzeit wirksamer sind als das Hoffen auf die große Politik. Diese gesellschaftliche Einstellung ist für IsarFunk die zweite wichtige Säule für einen erfolgreichen Schritt zu einer grünen Taxivermittlung.

Denn nach nur wenigen Tagen haben bereits viele Bestellkunden sowohl mündlich wie auch schriftlich eine Absichtserklärung abgegeben, bei Taxibestellungen künftig ein umweltschonendes Fahrzeug vorzuziehen. Um das technisch zu bewerkstelligen, werden derzeit die Taxis mit positiver CO2-Bilanz in den Stammdaten der Vermittlungssoftware entsprechend parametrisiert. Bei IsarFunk orientiert man sich dabei an der Sternebewertung des ADAC-Eco-Tests, bei dem bisher der Toyota Prius und der VW Passat TSI EcoFuel die Höchstwertung erhielten.

Rund fünf Prozent der gesamten Taxiflotte gelten nach diesem Kriterium derzeit als Umwelttaxis. Damit ist natürlich noch lange keine flächendeckende Versorgung gewährleistet, weshalb man den Kunden den Wunsch nach einem Umwelttaxi auch nur dann erfüllt, wenn ein solches Fahrzeug „im üblichen Zeitrahmen“ verfügbar ist.

Trotzdem hilft nach Ansicht von IsarFunk-Geschäftsführer Christian Hess jeder mitmachende Kunde, die Bereitschaft der angeschlossenen Teilnehmer zu erhöhen, auf CO2-arme Taxis umzusteigen. Dabei geht man selbst auch mit guten Beispiel voran: Das firmeneigene Leihtaxi ist nun ebenfalls ein Hybrid-Fahrzeug.

Hilfestellung kommt bei dieser Überzeugungsarbeit übrigens nicht nur vom Kunden, sondern mal wieder vom Mehrwagenunternehmer Peter Köhl: Neben der positiven CO2-Bilanz liest sich auch die Spritbilanz im Vergleich zu Dieseltaxis sehr unternehmerfreundlich: 5,8 Liter Benzinverbrauch pro hundert Kilometer beim Hybrid stehen 10,17 Liter Dieseldurst bei konventionellen Taxis gegenüber.

Die Analyse wurde aufgrund von Daten der eingesetzten Tankkartensoftware erstellt und ist daher auf die Kommastelle genau. Nackte Realitäten anstatt weihnachtliches Wunschdenken.

Gäbe es eine Münchner Internet-Zeitung, könnten deren Redakteure jedenfalls schon über Tatsachen berichten.

(jh)