Taxi im Stau

Derzeit läuft ein bemerkenswerter Film in den Kinos. In der Hauptrolle: Ein Belgrader Taxifahrer.
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Taxifahrer werden während ihrer Schichten immer wieder mit unglaublichen menschlichen Schicksalen konfrontiert. Doch da solche schicksalsgeplagten Fahrgäste meist nach durchschnittlich zehn Fahrminuten das Fahrzeug wieder verlassen, verblasst die Erinnerung in der Regel schnell zu einer marginalen Notiz eines ganz alltäglichen Arbeitstages.

Die Geschichte des Belgrader Taxifahrers Gavrilo wäre vermutlich genauso abgelaufen, wenn er im Film „Belgrad Radio Taxi“ nicht mitten auf der Belgradbrücke in einen hoffnungslosen Stau geraten wäre. Kurz vorher hat er eine junge Frau mitgenommen, die mit einem Baby im Arm, gebrochener, blutender Nase, völlig durchnässt und hemmungslos weinend bei ihm eingestiegen war und schnell in ein Krankenhaus gebracht werden wollte.

Hinter Gavrilo fährt die Lehrerin Anica. Neben ihm diskutiert die Apothekerin Biljana mit ihrem Verlobten: Er will heiraten, sie ist sich da nicht so sicher. Ihre Beziehung steckt nach sechs Monaten in einer Krise. Noch wissen die drei nicht, dass ihre Schicksale bald untrennbar miteinander verbunden sein werden und sie gezwungen sind, sich endlich der Vergangenheit zu stellen. Schockiert werden Anica und Biljana Zeugen, wie die junge Frau mitten auf der Brücke unvermittelt aus dem Taxi steigt, auf das Geländer klettert und sich in die Tiefe stürzt. Das Baby hat sie im Auto gelassen, wo Gavrilo fassungslos den sich überstürzenden Ereignissen zusieht, ohne eingreifen zu können. Anica steht ebenfalls unter Schock, wird in diesem Moment an den schrecklichsten Moment ihres Lebens erinnert. Biljana ist das Gezanke mit ihrem Verlobten leid. Sie lässt ihn stehen, hält Anicas Auto an und steigt zu ihr in den Wagen.

Kaum eine Minute hat diese Kette von Ereignissen gedauert und bestimmt doch fortan den Verlauf des Kinofilms, der vom serbischen Filmemacher und Drehbuchautor Srdjan Koljevic gedreht wurde und mit dem Züricher „Golden Eye Award“ ausgezeichnet wurde.

Die Belgrad-Brücke, die den historischen Stadtkern mit dem neuen Belgrad verbindet, steht sinnbildlich für das, was allen Filmfiguren – ausgelöst durch den Todessturz – widerfährt. Sie lernen, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Immer wieder kreuzen sich dabei ihre Wege und am Ende kehrt Gavrilo zur Belgradbrücke zurück, wo letzte Entscheidungen getroffen werden müssen…

„Belgrad-Radio Taxi“ läuft seit 21. Juli in den deutschen Kinos.

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