EQE: Elektrische Alternative zur E-Klasse

Mit größerem Innenraum und einer Reichweite von bis zu 660 Kilometern könnte der Mercedes-Benz EQE ab Mitte 2022 die E-Klasse nach und nach ablösen.

Der EQE ist 4.946 Millimeter lang, 1.961 Millimeter breit und 1.512 Millimeter hoch. Die Bereifung beginnt mit 19-Zöllern. (Foto: Mercedes-Benz)
Der EQE ist 4.946 Millimeter lang, 1.961 Millimeter breit und 1.512 Millimeter hoch. Die Bereifung beginnt mit 19-Zöllern. (Foto: Mercedes-Benz)
Dietmar Fund

Als zweites Modell auf der für batterieelektrischen Antrieb konzipierten Plattform des EQS hat Mercedes-Benz auf der IAA mobility den EQE vorgestellt. Der Radstand der Stufenhecklimousine mit klassischer Kofferraumklappe ist mit 3.120 Millimetern zwar 90 Millimeter kürzer als beim S-Klasse-Pendant EQS, aber immer noch üppig. Dadurch soll der EQE die heutige E-Klasse-Baureihe W 213 bei den Innenraummaßen immer noch deutlich übertreffen. So ist der Schulterraum vorn 27 Millimeter breiter und die Innenraumlänge hat um 80 Millimeter zugelegt. Die Sitzposition ist um 65 Millimeter höher, was Fahrerinnen und Fahrern sowie insbesondere älteren Fahrgästen gefallen könnte.

An den Start geht die in Bremen gebaute Baureihe Mitte 2022 mit dem EQE 350. Er hat einen Motor mit 215 kW Leistung, der die Hinterräder antreibt. Ein zweites, leistungsmäßig noch nicht näher erläutertes Modell soll ebenfalls von Anfang an erhältlich sein. Ein Allradantrieb soll später folgen.

Gespeist wird der elektrische Antrieb von einem Lithium-Ionen-Akku mit 90 kWh nutzbarer Kapazität. Sie soll nach dem aktuellen WLTP-Messzyklus eine Reichweite von 545 bis 660 Kilometern ermöglichen. Serie ist ein Onboard-Lader mit einer Kapazität von 11 kW, optional kann er Wechselstrom mit 22 kW laden. An Gleichstrom-Schnellladesäulen kann der EQE mit 170 kW „Energie tanken“. An entsprechend leistungsfähigen Ladepunkten soll man von 10 auf 80 Prozent Batteriekapazität in rund 32 Minuten laden können. Wenn man Ladestops in seine Navi-Route einprogrammiert, wird die Batterie für ein optimales Laden angewärmt oder gekühlt.

Wie stark das Fahrzeug in Rollphasen und beim Bremsen Energie zurückgewinnt, kann der Fahrer am Lenkrad in drei Stufen mit Schaltwippen regeln. Sie erlauben antriebsloses Segeln sowie das Fahren mit nur einem Pedal bis zum Stillstand. Außerdem kann man auch die Stufe D Auto einstellen, in der sich die Stärke der Rekuperation auch nach den Navigationsdaten und nach vorausfahrenden Fahrzeugen richtet.

Der Innenraum bietet viele Anklänge an den EQS und deutet mit seiner Bildschirm-Landschaft an, dass der EQE höher als die E-Klasse positioniert werden soll. Die Rede ist auch von einer „neuen Business-Avantgarde“. Das Fahrzeug wird für Europa im Werk Bremen produziert. Die Batterie-Packs werden in Stuttgart-Hedelfingen zusammengebaut. Für sie gibt der Hersteller eine Garantie bis 250.000 Kilometer oder zehn Jahre. Bis zu welcher Restkapazität dies gilt, wurde noch nicht bekanntgegeben.

Bei einer ersten Sitzprobe auf der IAA mobility zeigten sich die Einstiege vergleichbar mit der derzeitigen E-Klasse. Das Durchrutschen auf den Mittelsitz ist wegen des ebenen Bodens bequem, aber dort drückt die versenkbare Armlehne unangenehm in den Rücken. Die Kniefreiheit ist ordentlich, der Fußraum unter den Vordersitzen aber sehr knapp. Beim Panorama-Glasdach, das bis über die Rücksitze reicht, ist die Kopffreiheit nicht allzu üppig. Der Kofferraum ist zwar gut geschnitten, aber kleiner als in der E-Klasse und über die hohe Ladekante und die schmale Klappe nicht sehr gut zu beladen. Die Variabilität findet wie bei allen Elektroautos ihre Grenzen in den nur umklappbaren Sitzlehnen, weil unter den Sitzen die Batterien untergebracht sind.

Mehrere Mitarbeitende am Stand hätten zu gerne die Feinheiten des Infotainment-Systems MBUX und die vielen Spielereien erklärt, die es erlaubt. Eine Antwort auf die einfache Frage, ob der EQE die E-Klasse mit ihren Verbrennern und ihren arg kompromissbehafteten Plug-in-Hybriden ersetzen soll, hatte aber niemand. Auch der für den Taxi-Vertrieb mit zuständige Pressesprecher beim Mercedes-Vertrieb Deutschland hat sich diesbezüglich noch nicht gemeldet.

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