Taxifahrer müssen bei Cannabis-Konsum vorsichtig bleiben

Den taxifahrenden Vater von Hauptkommissar Thiel aus dem Münster-Tatort sollten sich echte Taxifahrer auch nach dem Heraufsetzen des Cannabis-Grenzwerts im Straßenverkehrsgesetz nicht zum Vorbild nehmen.

Claus Dieter Clausnitzer spielt den stets etwas bekifften Herbert Thiel („Vaddern“) in der Tatort Reihe aus Münster. Bild: WDR
Claus Dieter Clausnitzer spielt den stets etwas bekifften Herbert Thiel („Vaddern“) in der Tatort Reihe aus Münster. Bild: WDR
Redaktion (allg.)
Cannabis-Update

Grund ist, dass für Taxi- und Mietwagenfahrer ebenso wie für Busfahrer weiterhin die Bestimmungen der BOKraft gelten („Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr“). Dort heißt es in §8, dass es dem Betriebspersonal von Fahrzeugen im gewerblichen Personenverkehr untersagt ist, „während des Dienstes und der Dienstbereitschaft alkoholische Getränke oder andere die dienstliche Tätigkeit beeinträchtigende Mittel zu sich zu nehmen oder die Fahrt anzutreten, obwohl es unter der Wirkung solcher Getränke oder Mittel steht“. Es bleibt also bei null Toleranz im Falle des Cannabis-Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC). Darauf wies Anfang Juni Marco Schäler, Verkehrsexperte der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in einer Anhörung des Bundestags-Verkehrsausschusses hin.

„Null Toleranz“ heißt in der Praxis ein Grenzwert von ein Nanogramm THC je Milliliter Blut, das ist zugleich die Nachweisgrenze, während für private Pkw-Fahrer künftig 3,5 Nanogramm je Milliliter Blut das Limit sind. Bei Verstößen drohen Taxi- und Mietwagenfahrern Bußgelder bis zu 10.000 Euro, selbst wenn sie keine Ausfallerscheinungen zeigen. Zwar seien ihm keine Gerichtsentscheidungen zu den „anderen Mitteln“ bekannt, erläuterte der Rechtsexperte Thomas Grätz, langjähriger Geschäftsführer des heutigen Bundesverbandes Taxi und Mietwagen (BVTM), gegenüber taxi heute. Jedoch sei bei der Auslegung des Begriffs „Wirkung“ von den Gerichten ein strenger Maßstab anzulegen, so dass ein Einfluss auf die sichere Beförderung so gut wie ausgeschlossen ist. Das lege nahe, das bisherige Ein-Nanogramm-Limit anzuwenden.

Stets mit Bedacht konsumieren

Wer als Taxifahrer künftig trotzdem Cannabis konsumieren will, sollte es also mit Bedacht tun. Die gute Nachricht ist, dass THC vom Körper prinzipiell schnell abgebaut wird. Wer nur gelegentlich konsumiert, zum Beispiel einmal am Wochenende und auch nicht jede Woche, ist nach Aussage des Rechtsmediziners Prof. Reinhard Urban gegenüber taxi heute nach spätestens 24 Stunden wieder auf der sicheren Seite.

Anders sieht es bei Intensivkonsumenten wie dem Fernseh-Taxifahrer aus dem Münster-Tatort aus. THC wird nämlich bei häufigem und intensivem Konsum ins Fettgewebe eingelagert und auch dann noch freigesetzt, wenn der letzte Joint schon mehr als 24 Stunden zurückliegt. Im unglücklichsten Fall wird dann auch noch mehrere Tage nach dem letzten Konsum die Ein-Nanogramm-Grenze gerissen.

Einhellig rieten die Mediziner von Versuchen ab, sich als privater Pkw-Fahrer an die 3,5-Nanogramm-Grenze „heranzukiffen“, wie es manche Autofahrer beim Alkohol praktizieren („Zwei Bierchen darf ich“).

Erstens ist bei Cannabis-Produkten der Wirkstoff-Gehalt meistens unbekannt, bei selbstgezüchteten Pflanzen auf jeden Fall. Bei alkoholischen Getränken hingegen ist dem Etikett klar zu entnehmen, wie viel Alkohol oder „Wirkstoff“ enthalten ist.

Zweitens ist unbekannt, welche Wirkstoffmengen der Konsument tatsächlich aufnimmt – raucht er „auf Lunge“ oder pafft er eher vor sich hin? Bei alkoholischen Getränken ist hingegen klar, dass der gesamte Wirkstoff im körpereigenen Stoffwechsel landet.

Drittens unterscheiden sich die THC-Abbauraten der einzelnen Menschen stärker als bei Alkohol. Hinzu kommen möglicherweise noch Einflüsse durch vorangegangenen Konsum, namentlich das Freisetzen von eingespeichertem THC.

Fazit: Herbert Thiel, Vater von Hauptkommissar Thiel, dürfte in der echten Welt schon lange nicht mehr Taxifahrer sein, weil sein Cannabis-Missbrauch polizeibekannt ist und es wohl unwahrscheinlich ist, dass er auch nach einer Konsumpause schnell wieder unter die Ein-Nanogramm-Grenze kommt. thr

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Seite 22 | Rubrik Recht & Steuern
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