500.000 km und mehr: Taxiunternehmer und ihre treuen Weggefährten
Alte Liebe rostet nicht
Wie lange hält ein gutes Taxi? Und welche Modelle haben das Zeug zum Dauerläufer? Das wollten wir herausfinden und haben Sie nach Ihren Erfahrungen mit der „Taxi-Generation 500.000-Plus“ befragt.
Spätestens, wenn zu hohe Werkstattkosten den Schichteinsatz unwirtschaftlich machen oder das äußere Erscheinungsbild des Taxis zu wünschen übrig lässt, wird es für Taxiunternehmer Zeit, sich ein neues Gefährt zuzulegen. Für viele Taxis fällt so schon nach 200.000 Kilometern der Hammer, andere schaffen 350.000 Kilometer und manche knacken die Halbe-Million-Grenze. Vereinzelt sollen sogar schon sämtliche Stellen der Kilometeranzeige alle Ziffern gesehen haben und die Millionenmarke überwunden worden sein. Solch extreme Fälle konnten wir bei unserem Aufruf an die Taxiunternehmer, uns ihre Erfahrungen mit der „Taxi-Generation 500.000-Plus“ zu schildern, zwar nicht ausfindig machen. Doch so manches Arbeitsgerät verrichtet auch im betagteren Alter noch zuverlässig seinen Dienst. Hier eine (nicht repräsentative) Auswahl einiger Erfahrungsberichte: „Wir sind ein kleines Familienunternehmen und fahren seit über zehn Jahren einen Audi A6 Avant, der bis dato 560.000 Kilometer gelaufen ist. Wir sind sehr zufrieden damit. Seit 35 Jahren haben wir unser Taxigeschäft und noch nie hat ein Fahrzeug so lange gehalten. In der Regel müssen wir ein Taxi alle vier Jahre auswechseln, meist zwischen 200.000 und 300.000 km. Aber der Audi hat noch seinen ersten Motor und die Original-Stoßdämpfer. Die Karosserie ist noch tiptop in Ordnung und ohne Rost. Der A6 wurde natürlich auch sehr gepflegt. Über den TÜV kamen wir immer ohne Probleme. Es fielen in letzter Zeit aber einige größere Eingriffe wie die Einspritzpumpe und mehrere kleine Reparaturen an. Daher überlegen wir, unseren A6 in diesem Jahr auszumustern. Leider werden wir so ein Fahrzeug nie wieder bekommen.“ „Wir haben vier VW-T 4 Busse im Einsatz, die die 500.000-er Marke bald erreichen oder schon weit überschritten haben. Hervorzuheben sind aus unserer Sicht die hohe Wirtschaftlichkeit, die Robustheit und das tolle Platzangebot besonders mit langem Radstand. Ein weiterer Vorteil sind die günstigen Ersatzteilpreise und für Selbstschrauber die überschaubare Technik. Rostprobleme sind uns in den Baujahren von 1998-2003 nicht bekannt. Ich denke, der T4 hat das Zeug zum Kult-Bustaxi. Leider kann der Nachfolger mit seinem hohen und harten 16-Zoll-Fahrwerk nicht an diese Tradition anknüpfen. Nur mit teuren Nachrüstungen (Trittstufen, Sondersitzen) können ältere und behinderte Personen Platz nehmen. Leider gibt es nach meiner Ansicht zurzeit keinen aktuellen Taxibus, der den Anforderungen des Personenbeförderungsgewerbes serienmäßig Rechnung trägt. Die wesentlichen Mankos sind die zu hohe Einstiegshöhe, die fehlenden integrierten Kindersitze für den Schülerverkehr und die für die Rollibeförderung zu geringe Innenhöhe im T5, Vito/Viano, Scudo etc.“ Taxi-Kunath, Freital „Wir führen keine klassischen Taxitouren durch, sondern bieten unseren Kunden exklusive Hochzeitsfahrten. Zum Einsatz kommt ein London-Taxi, dessen Nissan-Diesel mit 2700 ccm bei 500.000 Kilometern ja erst so richtig eingefahren ist. Londoner Taxifahrer sprechen von einer Lebenserwartung von 800.000 Meilen! Die Karosserie braucht natürlich ein wenig Pflege, aber die lässt man diesem Fahrzeug ohnehin angedeihen, da wir ja in der Regel Hochzeitspaare fahren.“ Mortimer London-Taxi, Köln „Ich habe zwei Mercedes im Einsatz, die beide längst die 500.000-er Marke überschritten haben. Besonders zufrieden bin ich mit dem 124-er Kombi, den ich häufig für Schülerfahrten einsetze. Der einzige nennenswerte Eingriff bei einer Laufzeit von inzwischen stolzen 800.000 Kilometern war eine Überholung des Automatikgetriebes. Ansonsten verrichtet der 124-er seit rund 18 Jahren treu seinen Dienst. Bei meinem T-Modell der 210-er E-Klasse gab es vor allem in den ersten beiden Jahren einige Probleme, vorrangig mit der damals neuartigen Lenkung, die sich der Geschwindigkeit anpasst. Die war derart schlecht eingestellt, dass man nur schwer geradeaus fahren konnte. Hinzu kam die bekannte Rostbildung unterhalb der Türgummis. Seit den anfänglichen Wehwehchen läuft der 210-er allerdings ziemlich zuverlässig und hat inzwischen auch mehr als 700.000 Kilometer auf dem Tacho.“ Taxibetrieb Volker Schulze, Beeskow