Thema des Monats

Abgas-Skandal: Nachrüstungs-Hinweise kommen in zwei Briefen

Volkswagen schreibt Kunden wegen TDI-Nachbesserung an

Alle vom Abgas-Skandal betroffenen 1,6-l-TDI und 2-l-TDI der Motorenbaureihe EA 189 mit Euro 5-Einstufung bekommen in allen Leistungsvarianten ein Software-Update. Im Falle der 1,6-l-TDI können eventuell Hardware-Änderungen hinzukommen, die den Zeitaufwand erhöhen. Bei Motoren mit einem Stickoxid-Speicherkat wird wohl der Partikelfilter etwas häufiger regeneriert werden müssen, was aber kaum zu einem messbaren Mehrverbrauch führen werde. Diese Servicemaßnahmen betreffen unter anderem Touran- und Passat-Taxis der in diesem Jahr ausgelaufenen Generationen. Das hat ein Sprecher der Produktkommunikation auf Anfrage von taxi heute präzisiert.

Volkswagen will alle betroffenen Fahrzeughalter mit einem ersten Brief auf die anstehenden Maßnahmen aufmerksam machen. In einem zweiten Brief soll ihnen mitgeteilt werden, dass die Teile für ihr Fahrzeug nun bei ihrem Händler vorrätig sind und sie für die Nachrüstung einen Termin vereinbaren können. Bis dahin sind die Fahrzeuge weiterhin zugelassen, technisch sicher und fahrbereit. Es erübrige sich deshalb ein vorzeitiger Gang zum Händler. Anhand der Fahrgestellnummer kann der ermitteln, ob ein Touran- oder Passat-Taxi einen TDI-Motor der Baureihe EA 189 hat.

Der Mutterkonzern Volkswagen AG hat am 2. Oktober 2015 für seine Pkw und die Modelle der Tochter Volkswagen Nutzfahrzeuge die Internetseite www.volkswagen.de/info eingerichtet. Dort können auch Taxi- und Mietwagenunternehmer prüfen, ob ihre eigenen Fahrzeuge mit einem TDI der Baureihe EA 189 und Euro-5-Einstufung die Software an Bord haben, mit der in den USA bei Prüfläufen die Schadstoffwerte geschönt worden sind. Wie auf der Seite nachzulesen ist, müssen die Kunden dazu nur die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) eingeben, die auch als Fahrgestellnummer bezeichnet wird. Sie steht demnach entweder im Service-Handbuch oder im unteren Bereich der Windschutzscheibe.

Auch die Marke Audi informiert ihre Kunden. Sie tut dies ebenfalls über die Fahrgestellnummer, und zwar auf der Internetseite www.audi.de. Dort muss man den Text-Hinweis erst einmal suchen und sich durchklicken, bis man auf die Eingabemaske für die Fahrgestellnummer stößt.

Nach den neuesten Informationen sollen weltweit rund fünf Millionen Fahrzeuge der Marke Volkswagen Pkw eine Servicemaßnahme erhalten. Nicht betroffen sind Neufahrzeuge der neuesten Passat- und Touran-Generation mit Euro-6-Motoren. Wie sowohl Volkswagen als auch Audi mitteilen, sind Fahrzeuge mit einem 1,6-l- oder 2-l-TDI und Euro-6-Einstufung nicht betroffen. Audi weist sicherheitshalber ergänzend darauf hin, dass seine V6- und V8-TDI unabhängig von ihrer Einstufung nach Euro 5 oder Euro 6 nicht betroffen seien.

Seit dem 5. Oktober können auch Taxi- und Mietwagenunternehmer, die einen Skoda fahren, über das Internet prüfen, ob ihr Fahrzeug von der Abgaswerte-Thematik betroffen ist. Die tschechische Marke hat eine Abfragemaske auf der Startseite ihres Internetauftritts eingebaut. Unter dem Stichwort Kundeninformation / Software für Dieselmotoren erfährt man nach Eingabe der Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN), ob das eigene Fahrzeug betroffen ist oder nicht. Zu den laut Skoda weltweit betroffenen rund 1,2 Millionen Fahrzeugen gehören die auch mit einem Taxi-Paket verkauften Baureihen Roomster der Baujahre 2009 bis 2015, Octavia II der Baujahre 2009 bis 2015 und Superb II der Baureihe 2009 bis 2015.

Seat weist ebenfalls auf seiner Startseite auf die Eingabemaske für die Fahrgestellnummer hin. Sie ist dort unter dem Stichwort Dieselmotoren zu finden. Laut Seat erhalten betroffene Kunden nach Eingabe ihrer Fahrgestellnummer auch Informationen über eventuell nötige Maßnahmen. Dem Kunden entstünden keine zusätzlichen Kosten, teilt Seat mit.

Die Schätzorganisation Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) warnt in diesem Zusammenhang vor voreiligen Spekulationen über die Auswirkungen der Abgas-Manipulationen auf den Gebrauchtfahrzeugmarkt. Kurzfristig einbrechende Klickraten im Internet seien kein verlässlicher Indikator für eine mittelfristige Marktentwicklung. Die DAT gehe davon aus, dass der Hersteller die betroffenen Fahrzeuge zeitnah umrüste und so das verlorengegangene Vertrauen der Verbraucher wieder zurückgewinne.

Die Losung, Ruhe zu bewahren, gab am 1. Oktober 2015 auch die Schätzorganisation Eurotax Schwacke aus. Außerhalb normaler Marktschwankungen sehe man derzeit keine negativen Einflüsse der Diskussion über manipulierte Abgaswerte von Diesel-Pkw in den USA. Für eine genaue Einschätzung fehlten genaue Angaben über die genaue Anzahl betroffener Marken und Modelle. Die Gebrauchtwagenpreise seien von rund 30 Faktoren abhängig, erklärte das Unternehmen, das offenbar schon viele Anfragen von Herstellern, Händlern und Leasinggesellschaften bekommen hat, die sich Sorgen um das Großkundengeschäft machen.

(df)