Toyota bZ4X: Modellpflege bringt mehr Reichweite und Effizienz

Toyota möbelt den bisher eher stiefkindlich behandelten Stromer deutlich auf und führt zwei neue Batterien mit bis zu 569 Kilometer Reichweite ein. Allradversion mit 343 PS und 1.500 Kilogramm Anhängelast. Mehr EV-Features wie Batterievorkonditionierung, verkürzte DC-Ladezeit, optional 22 kW AC. Effizientere Motoren und bessere Aerodynamik erhöhen den Radius.

Bringt einen weiter: Bis zu 569 Kilometer sollen jetzt machbar sein, im Elektro-SUV aus Japan. | Foto: Toyota
Bringt einen weiter: Bis zu 569 Kilometer sollen jetzt machbar sein, im Elektro-SUV aus Japan. | Foto: Toyota
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der japanische Automobilhersteller Toyota hat sein erstes Elektromodell bZ4X umfrangreich überarbeitet. Dabei wurde vor allem der elektrische Antriebsstrang verbessert. Zudem bieten neue Batterien mehr Leistung, schnelleres Laden und eine größere Reichweite. In der Top-Ausstattung verfügt der bZ4X künftig zudem über ein 22-kW-Bordladegerät. Künftig werden zwei Batterievarianten mit 57,7 kWh oder 73,1 kWh Kapazität angeboten, mit Batteriegarantie bis zu 10 Jahre lang oder bis zu einer Laufleistung von 250.000 Kilometer noch über mindestens 70 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität. Die kompakten, leichten und energieeffizienten E-Achsen mit integriertem Elektromotor, Getriebe und Wechselrichter wurden ebenfalls verbessert. Spezielle innere Energieverluste wurden reduziert, was zur weiteren Steigerung von Leistung und Effizienz beiträgt.

Die technischen Verbesserungen gehen mit einem modifizierten Außen- und Innendesign einher, unter anderem einer optimierten Aerodynamik. Auch der Innenraum wurde komplett überarbeitet. Highlights sind eine neue Mittelkonsole für die einfache Nutzung digitaler Geräte und eine neu gestaltete Instrumententafel mit serienmäßigem 14-Zoll-Multimediadisplay. Aktualisierungen an Fahrwerk und Karosserie sorgen für ein niedrigeres Geräusch- und Vibrationsniveau sowie für komfortablere Fahreigenschaften und eine verbesserte Fahrdynamik. Der umfassend verbesserte Toyota bZ4X ist zu Preisen ab 42.990 Euro bestellbar. Die Auslieferung der Kundenfahrzeuge erfolgt in Deutschland ab Januar 2026.

Zwei Batterieoptionen und mehr Reichweite

Das Mittelklasse-SUV ist wahlweise mit einer 57,7-kWh- oder einer 73,1-kWh-Batterie (Bruttokapazität) erhältlich. Die 57,7-kWh-Batterie wird ausschließlich in Verbindung mit Frontantrieb angeboten, während sich der 73,1-kWh-Akku sowohl mit Front- als auch mit Allradantrieb kombinieren lässt. Die höchste Reichweite von bis zu 569 Kilometern (WLTP) erzielt das Modell mit Vorderradantrieb, 73,1-kWh-Batterie und 18-Zoll-Rädern. Die Anhängelast steigt beim AWD auf bis zu 1.500 Kilogramm (gebremst), als FWD sind es unverändert 750 Kilogramm. Die neuen Speicher stammen von Prime Planet Energy & Solutions (PPES), einem 2019 gegründeten Joint Venture zwischen der Toyota Motor Corporation (51 Prozent) und der Panasonic Corporation (49 Prozent). In jedem Modul können mehr Zellen – 26 – als bisher untergebracht werden, ohne dass die Gesamtabmessungen der Einheit wachsen. Die 57,7-kWh-Batterie verfügt über 78 Zellen und die neue Hochleistungsbatterie über 104 Zellen, zuvor 96 Zellen.

Verkürzte Ladezeiten

Das Entwicklungsziel für den neuen bZ4X war es, die DC-Ladezeiten zu verkürzen und eine gleichbleibend hohe Ladeleistung über einen breiten Temperaturbereich, insbesondere bei kalten Bedingungen, zu bieten. In der Top-Ausstattung ist zudem ein 22-kW-Bordladegerät für schnelleres AC-Laden serienmäßig, die Einstiegsversion verfügt über ein 11-kW-Bordladegerät. Der Schlüssel zur Verkürzung der Ladezeiten – insbesondere bei kalten Temperaturen – ist die neue Batterievorkonditionierung. Diese stellt sicher, dass die Batterie zu Beginn des Ladevorgangs die optimale Temperatur hat. Bei vollständig vorkonditionierter Batterie dauert eine DC-Schnellladung von 10 auf 80 Prozent 28 Minuten. Diese Leistung bleibt bei Außentemperaturen von -10 bis +25 °C konstant. Die Konditionierung lässt sich entweder manuell über das Multimediasystem starten, vorab planen oder automatisch aktivieren, sofern man über die Bordnavigation eine Ladestation anfährt.

Batteriekühlung und -heizung sorgt für gleichbleibende Leistung

Die Wasserkühlung für die Batterie nutzt bei Bedarf Kältemittel aus der Klimaanlage, um die Kühlmitteltemperatur zu senken. Der Kühler arbeitet von der Unterseite der Batterie aus, sodass jede Zelle gleichmäßig gekühlt wird. Auch eine Wärmepumpe gehört zur Serie, was die Energieeffizienz weiter steigert. Die Batterieheizfunktion sorgt für eine gleichmäßige Erwärmung aller Zellen und konstanten Betrieb auch bei sehr niedrigen Temperaturen, was zur Verkürzung der Ladezeit beiträgt. Zum Einsatz kommt dabei ein Wasser-zu-Wasser-Wärmetauscher. Wichtige Daten zur Batterieleistung werden über das funktionserweiterte 7-Zoll-Kombiinstrument angezeigt, etwa die aktuelle (Echtzeit-)Ladeleistung, die verbleibende Zeit bis zum Erreichen eines Ladestands von 80 Prozent sowie der Gesundheitszustand der Batterie mit der verbleibenden Kapazität. Der EV-Routenplaner des bZ4X berücksichtigt Batterieladestand und verbleibende Reichweite und schlägt automatisch Ladestationen entlang der Route vor. Die Empfehlungen werden auf Basis des tatsächlichen Energieverbrauch des Fahrzeugs während der Fahrt in Echtzeit aktualisiert.

Leicht und kompakt: Neue E-Achsen für mehr Leistung und Effizienz

Mit der Überarbeitung der EV-Plattform erhält der bZ4X auch aktualisierte E-Achsen. In die kompakten und leichten Einheiten sind die wichtigsten Komponenten des Elektroantriebs integriert: Getriebe, Motor und Wechselrichter. Das platzsparende Design sorgt dafür, dass das Fahrzeug kürzere Überhänge, einen niedrigeren Schwerpunkt und mehr Platz im Innen- und Laderaum bieten soll. Der Frontmotor bietet ein Leistungsplus von mehr als 11 Prozent von 150 auf 167 kW, der hintere Motor produziert nun 87 kW statt wie bisher 80 kW. Die Allradversion leistet nun 252 kW/343 PS. Abgesehen von den GR Performance Modellen wird der neue bZ4X damit zu einem der leistungsstärksten Toyota Modelle in Europa. Ein Pre-Load-Differenzial sowie gleich lange linke und rechte Antriebswellen sorgen dafür, dass diese hohen Antriebsleistung sicher und kontrollierbar auf die Straße gebracht wird.

Verantwortlich für die hohe Leistung sind neue Siliziumkarbid-Halbleiter (SiC) im Wechselrichter. Diese sind effizienter als die bisherigen Silizium-Halbleiter, wenn es um die Verarbeitung hoher Spannungen, den Betrieb bei hohen Temperaturen und das Erreichen höherer Leistungen geht. Zur Reduzierung von Energieverlusten trägt die Anwendung eines speziellen Polierverfahrens für die Oberflächen der Zahnradzähne im Getriebe sowie die Einführung einer elektrischen Ölpumpe bei, die weniger Energie verbraucht als die bisherige mechanische Pumpe.

Optimierte Kraftverteilung

Eine neue Kurvensteuerung soll zudem das Fahrerlebnis im bZ4X AWD verbessern. Das System sagt anhand von Faktoren wie Geschwindigkeit und Lenkwinkel die vom Fahrer beabsichtigte Kurvenlinie voraus und passt das Drehmoment an Vorder- und Hinterachse automatisch an, um stabile und kontrollierbare Fahreigenschaften zu gewährleisten. Sobald der Fahrer beginnt, das Lenkrad zu drehen, wird das Antriebsmoment an den Vorderrädern erhöht, um ein schnelleres Einlenken zu ermöglichen. In der Kurve wird das Antriebsmoment an den Hinterrädern erhöht, um eine den Absichten des Fahrers entsprechende Spurtreue zu gewährleisten. Beim Verlassen der Kurve wird das Antriebsmoment an den Hinterrädern weiter erhöht, um die Traktion zu verbessern und dem Fahrer ein direktes Beschleunigungsgefühl zu vermitteln. Erkennt das System ein Durchdrehen der Räder oder Schnee auf der Straße, wird das Drehmoment an der Hinterachse entsprechend angepasst, um die Fahrstabilität zu erhöhen.

Offroad-Performance

Das Allradsystem des bZ4X wurde von Toyota gemeinsam mit dem Projektpartner Subaru entwickelt. Über die X-Mode Einstellungen kann der Fahrer die Performance des Fahrzeugs für das Fahren in Schlamm oder Schnee, in tiefem Schlamm oder Schnee mit weniger als 20 km/h sowie unter schwierigeren Offroad-Bedingungen in Verbindung mit der Grip Control mit weniger als 10 km/h anpassen. Bei Bergabfahrten bietet die Bergabfahrhilfe alternativ eine ähnliche Unterstützung. Dazu kommt eine Wattiefe von 500 mm. Der Multi-Terrain-Monitor (MTM) hilft dem Fahrer, die Fahrbedingungen im Gelände besser einzuschätzen. Vier Kameras liefern eine Echtzeitansicht der unmittelbaren Umgebung des Fahrzeugs und beseitigen tote Winkel. Zusätzlich werden dabei auch ein Neigungsmesser sowie der Neigungs- und Rollwinkel des Fahrzeugs angezeigt. Die 360-Grad-Kamera hilft beim präzisen Einparken und Manövrieren und bietet wie der MTM eine Option zur Ansicht unter dem Fahrzeug. Die neueste Version des Systems reduziert tote Winkel noch weiter und kann auch per Sprachbefehl bedient werden.

Aufgewertetes Design innen und außen

Im Zuge des komplett überarbeiteten Designs wurde vor allem auch die Aerodynamik verbessert, der Unterboden ist  glatter und die Unterbodenverkleidung größer, der Luftwiderstandsbeiwert (cW) sinkt von 0,29 auf 0,27, was Effizienz und Reichweite steigert. Die neu gestaltete Armaturentafel besitzt ein schlankes horizontales Design, das zum offenen Raumgefühl an Bord des neuen bZ4X beiträgt. Ein neuer 14-Zoll-Multimedia-Bildschirm ersetzt das bisherige 12,3-Zoll-Display. Die Mittelkonsole liegt 10 Zentimeter tiefer und bildet eine eigenständige „digitale Insel”, die einen Drehschalter für das Getriebe und zwei kabellose Smartphone-Ladegeräte für Fahrer und Beifahrer umfasst.

Sparsamere Klimatisierung und Heizung

Die neue Klimaanlage des bZ4X verbraucht 30 Prozent weniger Strom als die Anlage im Vorgängermodell und ist 30 Prozent kompakter. Dadurch entsteht mehr Platz für die Knie und Beine. Das System arbeitet zweistufig: In den oberen Teil des Innenraums wird frische Luft mit geringer Luftfeuchtigkeit geleitet, um ein Beschlagen der Scheiben zu verhindern, während um die Füße der Insassen warme Luft zirkuliert, was die Heizleistung verbessert und gleichzeitig Energie spart. Selbstverständlich ist ein Eco-Modus mit Fokus auf die besetzten Plätze. Der Wegfall der zentralen Verstärkung für das Panoramadach vergrößtert die Glasfläche um 20 Prozent, möglich durch die Verwendung von ultrahochfestem Stahl und eine Verstärkung der Dachverbindungspunkte. Neu ist die optionale Ambientebeleuchtung mit Auswahl von 64 Farben.

Eine neue Warnfunktion ist mit dem Ausstiegsassistenten verbunden: Besteht beim Öffnen der Tür die Gefahr einer Kollision mit Verkehrsteilnehmern, die sich von hinten nähern, leuchten die inneren Türgriffe rot auf. Je nach Ausstattung verfügt der E-SUV über verschiedene Polsteroptionen aus recycelten und nicht-tierischen Produkten. Dazu gehören ein neuer Stoff aus recyceltem PET-Garn und ein weiches, aber strapazierfähiges Kunstleder mit einer attraktiven genarbten Oberfläche.

Modulare eTNGA-Plattform angepasst

Die eTNGA Plattform des bZ4X wurde für die 170 mm breiteren Batterien mit zusätzlichen Verstärkungen aus stranggepresstem Aluminium (EA) ausgerüstet, um bei einem Seitenaufprall zusätzlichen Schutz zu bieten. Neben dem bZ4X nutzt Toyota die Plattform auch für den neuen C-HR+. Der flexible Kofferraum besitzt einen zweistufigen Ladeboden, mit dem sich die Ladehöhe um 71 mm erhöhen lässt; unter dem Boden befindet sich ein zusätzliches Staufach. Bei aufgestellten Rücksitzen und dem Ladeboden in der unteren Position stehen bis zu 452 Liter Ladevolumen (VDA) zur Verfügung. Bei umgeklappten Rücksitzen steigt das Laderaumvolumen auf rund 1500 Liter. Unter der Laderaumabdeckung befinden sich ein Werkzeugsatz sowie Platz für Ladekabel und Warndreieck; die klappbare Laderaumabdeckung kann ebenfalls verstaut werden.

Dynamik und Komfort auf höherem Niveau

Fahrwerkseitig wurden die Feder- und Dämpferraten neu abgestimmt, um Komfort, Fahrstabilität und Kontrollierbarkeit zu erhöhen. Anpassungen an der vorderen Querlenkerbuchse verbessern die Spurtreue und sorgen bei Nässe und Schnee für ein berechenbareres Fahrverhalten. Das Komfortniveau wird durch einen neuen hochdämpfenden Karosseriekleber im Fahrzeugboden angehoben, der die Vibrationsdämpfung verbessert. Bei den vorderen Seitenfenstern kommt jetzt Akustikglas zum Einsatz, während Schaumstoff an wichtigen Stellen im inneren Karosserierahmen das Eindringen von Außengeräuschen verhindert. Ein neuer Schalldämpfer unter dem hinteren Boden und neue schallabsorbierende Materialien in den hinteren Kotflügelverkleidungen reduzieren Antriebsgeräusche. Zudem wurde die Dämpfung der hinteren Motorlager erhöht, um Vibrationen beim Fahren auf unebenem Untergrund zu verringern.

Erhöhte Sicherheit und Komfort

In Sachen Sicherheit wurde ebenfalls aufgerüstet: Die präventiven Sicherheitssysteme sollen frühzeitig eine Vielzahl von Unfallgefahren und helfen dem Fahrer notfalls per automatischem Brems- oder Lenkeingriff dabei, einen Aufprall zu vermeiden, etwa beim Abbiegen nach links oder rechts. Das Pre-Collision System (PCS) überwacht die Straße auf solche Gefahren, warnt den Fahrer oder leitet bei einer drohenden Kollision eine Notbremsung ein. Der Notfall-Lenkassistent des PCS hilft, dem Hindernis auszuweichen und gleichzeitig das Fahrzeug stabil und in der Fahrspur zu halten. Das System erkennt auch, wenn bei niedriger Geschwindigkeit durch plötzliches, starkes Beschleunigen die Gefahr einer Kollision besteht, regelt automatisch die Antriebskraft und übernimmt die Bremssteuerung.

Der Spurhalteassistent arbeitet mit der adaptiven Geschwindigkeitsregelung zusammen und passt das Tempo etwa beim Durchfahren einer Autobahnkurve sicher an. Wenn Lenkrad, Bremsen und Gaspedal für eine bestimmte Zeit nicht betätigt werden, wird ein Nothalteassistent aktiviert. Der proaktive Fahrassistent erfasst die vorausliegende Straße, berechnet Kollisionsrisiken und betätigt frühzeitig Bremsen und Lenkung. Das Multimediasystem und die Sicherheitsfunktionen werden per Over-the-Air-Software-Updates kontinuierlich aktualisiert.

Mehr Elektro-Komfort mit der App

Die aktualisierte App lässt sich mit der heimischen Toyota-Wallbox verbinden und ermöglicht das einfache Steuern, Planen und Überwachen von Ladevorgängen. Insbesondere das intelligente Laden zu Zeiten günstigster Strompreise soll dadurch einfacher werden. Zudem bietet die App einen schnellen Zugriff auf die Abrechnungen. Für das Laden unterwegs bietet die App via Toyota Charging Network nahtlosen Zugang zu einem der größten europäischen EV-Ladenetze. Abrechnungsinformationen werden direkt in der App angezeigt. Über „Send to Car“ können Nutzer den Standort von ihrem Smartphone aus direkt an das Fahrzeug übertragen.

Eine neue Funktion zeigt den aktuellen Ladestand auf dem Smartphone an. Auch die Klimatisierung lässt sich aus der Ferne aktivieren, was die Belastung der Klimaanlage während der Fahrt reduziert und die Reichweite erhöht. Ein EV-Coaching-Tool bewertet frühere Fahrten und gibt Tipps zur Verbesserung von Reichweite und Effizienz. Nicht fehlen darf ein digitaler Schlüssel, der zur Serie zählt und sich per App aus der Ferne mit mehreren Nutzern teilen lässt, etwa um Familienmitgliedern Zugang zum Fahrzeug zu gewähren oder um Lieferungen, Fahrzeugreinigungen oder Abholungen für Wartungsarbeiten zu ermöglichen. Außerdem können mehrere Fahrzeuge in einem Haushalt mit einem einzigen Smartphone bedient werden.

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