Audi Q6 e-tron - sportlicher 800 Volt Stromer

Nach dem Porsche Macan stellt Audi jetzt dessen technischen Bruder, den Q6 und SQ6 e-tron, vor.

Befreiungsschlag auf PPE: Audi hat jetzt Q6 und SQ6 e-tron präsentiert. | Foto: Audi
Befreiungsschlag auf PPE: Audi hat jetzt Q6 und SQ6 e-tron präsentiert. | Foto: Audi
Thomas Kanzler
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Optisch tritt er dezent auf, fast wie ein vergößerter Q4 mit längerer Haube und sportlicheren Proportionen. Und verkneift sich jeglichen Futurismus der „Spehre“-Studien. Trotzdem kann Audi mit dem neuen Q6 e-tron endlich mal wieder klotzen statt kleckern: Der 4,77 Meter lange Stromer, technischer Bruder des Porsche Macan, kommt mit 94,9 kWh-Akku (brutto 100 kWh) und 800-Volt-Technik. „Der Q6 e-tron1 auf der neuen PPE-Plattform ist der nächste Technologiesprung in der elektrischen Premiummobilität für unsere Kundinnen und Kunden“, erklärte Audi-CEO Gernot Döllner dann auch zur Weltpremiere im Ingolstädter Stammwerk.

Die Basis kommt mit 83-kWh-Akku

Später soll eine „günstigere“ Version mit 83 kWh brutto folgen. HPC laden klappt mit maximal 270 kW oder in 21 Minuten von 10 auf 80%. Und da er auch „Bankladen“ kann, könnte man auch mit zweimal 400 Volt mit je 135 kW laden. AC klappt aber erstmal nur mit 11 kW. Die WLTP-Reichweite gibt Audi mit 625 km an, wovon real immer 450 km bleiben dürften. Den Verbrauch gibt Audi nach WLTP mit 17,0 bis 19,4 kWh/100 km an. Beim SQ6 e-tron mit 17,5 bis 18,4 kWh/100 km. Und da wird grad beim Laden waren: Die 526 l Kofferraum lassen sich auf bis zu 1.529 l erweitern, dazu kommt ein 64 l Frunk.

Preis und Power: Klar unter dem Porsche Macan

Preislich und in Sachen Power lässt er dem Macan 4 Electric den Vortritt: Der startet ab 84.100 Euro brutto, der Audi bei 74.700 Euro wofür „nur“ 285kW (387 PS) statt 300 kW (408 PS) geboten sind. Interessant: Audi bleibt beim quattro der Asynchronmaschine vorn treu. So geht es in 5,9 Sekunden auf 100 km/h, das Topseed wird bei 210 km/h abgeregelt. Der 93.800 Euro teure SQ6 e-tron kommt mit 380 kW / 517 PS, sprintet in 4,3 Sekunden auf 100 km/h und rennt bis zu 230 km/h. Das Programm sollen zwei Hecktriebler (mit bis 700 km Reichweite?) und ein RS als Topmodell abrunden. Beim Fahrwerk setzte man neu an: Die zum Fahrwerk gehörigen Systeme und Komponenten sind laut Audi „zum größten Teil“ Neuentwicklungen. Grundsätzlich will man mit den E-Maschinen auch beim quattro eine hecklastige Antriebsverteilung und so mehr Fahrdynamik bieten.

Innen: Viel Platz und bis zu drei Screens

Innen gibt es dank knapp 2,9 Meter Radstand viel Platz auch im Fond und optional drei Screens: 11,9 Zoll-Instrumente, einen 14,5 Zoll Touchscreen und optional für Beifahrende einen 10,9 Zoll-Screen. Und das Head-Up-Augumented-Reality-Display projeziert nochmal virtuelle 88 Zoll auf die Straße. Die neue PPE-E3-Architektur mit der Software-Version 1.2 ist übrigens einer der Hauptgründe der Verspätung. Optisch bleibt der neue Q6 eher zurückhaltend und im Vergleich zu den reduzierten „Sphere“-Studien vergleichsweise verspielt daher.

Neu: Der Q6 e-tron kann mit der Umwelt kommunizieren

Optisches Highlight: Am Heck sollen jetzt je zweimal drei OLED-Panels mit 360 Segmenten bei Gefahrensituationen mit der Umwelt kommunizieren. Bei Betätigen des Warnblinkers erscheint ein digitales rotes Warn-Dreieck, Parkt der Q6 selbsttätig ein, informieren die Heckleuchten die Umwelt mit einem gleichschenkligen Dreieck. Womit Audi „Car2X“ kommuniziert. Das soll die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden steigern, was gesetzlich aber so trivial nicht ist: Denn die Effekte dürfen andere nicht irritieren, weshalb ein extra Algorithmus alle zehn Millisekunden ein neues Muster erzeugen muss. Dafür werden die 360 Segmente individuell angesteuert und durch eine gleichmäßige, aber nicht sprunghafte Bewegung aktiviert, um auch immer die gesetzlich geforderte Lichtintensität und -fläche bieten zu können.

 

Produktion und Montage im Ingolstädter Stammwerk

Die Produktion wird im Stammwerk in Ingolstadt erfolgen. Dazu nutzt Audi nach eigenen Angaben bestehende Strukturen und Anlagen, um die Baureihe nahtlos in bestehende Montagelinien, beispielsweise den Karosseriebau für die PPE zu integrieren. Auf einer Fläche von rund 148.000 Quadratmetern entstehen so im Werk Ingolstadt die Karosserien für die PPE-Modelle. 328 Mitarbeitende je Schicht und 1.150 Roboter fertigen bei einem Automatisierungsgrad von 87 Prozent die Karosseriebauteile für die Q6 e-tron Baureihe.

Der Q6 e-tron ist ein Befreiungsschlag für Audi: Er greift bei den Mittelklasse-SUV an und soll hier für rein elektrische Stückzahlen sorgen. Und wurde geschickt genau zwischen Q5 und Q7 positioniert. Man darf gespannt sein, wie die Kunden ihn annehmen. Optisch lehnt er sich weniger weit aus dem Fenster als erwartet.

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