Thema des Monats

Willkommen in Hamburg – In welcher Stadt brauchen Sie ein Taxi?

Thema des Monats Mai 2006

Geht es nach dem Willen der DTG Deutschland Taxi GmbH, sollen Fahrgäste künftig nur noch eine Nummer wählen müssen, um Taxis in ganz Deutschland zu bestellen. Was dahinter steckt und ob diese Idee tatsächlich neu ist, lesen Sie in unserem Thema des Monats Mai. Taxizentralen gibt es in Deutschland nahezu wie Sand am Meer. Fast jede Klein- und Großstadt hat eine eigene Vermittlung, in den meisten Gebieten buhlen gleich mehrere Zentralen um die Gunst der Fahrgäste. In Frankfurt und Köln verschärft diesen Wettbewerb seit einigen Monaten die DTG Deutschland-Taxi GmbH, die mit einem deutschlandweiten Konzept bald auch in anderen Städten tätig werden wollen.
Der Vorteil für den Kunden: Künftig wird er sich nur noch eine Nummer merken müssen. Diese allerdings beginnt mit 0180 und kostet pro angefangener Minute neun Cent. Das ist auf der einen Seite mehr als eine Taxibestellung über eine Freecall-Nummer, wie sie viele Zentralen zwischenzeitlich eingerichtet haben. Auf der anderen Seite sind neun Cent billiger als der obligatorische Anruf bei der Auskunft, um die Telefonnummer der örtlich ansässigen Taxizentrale zu erfragen.
In den örtlichen Taxizentralen allerdings sitzen in der Regel ortsansässige und ortskundige Telefonisten. Diesen Vorteil bietet Deutschland-Taxi nicht. Das Call-Center liegt in Hamburg. Von dort werden Taxis in Frankfurt und Köln vermittelt. Weitere Städte sind in Planung. Das verrät uns die Internet-Seite des Anbieters. Welche Städte das sind, erfahren wir nicht. Beim Versuch, Kontakt aufzunehmen, meldet sich nur der Anrufbeantworter. Der Bitte um einen Rückruf in der Redaktion der taxi heute ist man bisher nicht nachgekommen.
Die Kosten für den Taxiunternehmer haben wir trotzdem rausgefunden. Laut Informationen der Taxivereinigung Frankfurt verlangt DTG pro vermittelten Auftrag 1,35 Euro und eine feste Monatspauschale über 25 Euro. Die Hard- und Software stammt von der Firma Mixx und wird den angeschlossenen Unternehmern kostenlos zur Verfügung gestellt. Was auf den ersten Blick recht günstig aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung allerdings als sehr teuer: Taxiunternehmer, die sich einer Zentrale anschließen und nicht Doppelfunk fahren oder eine genügend große Anzahl von Stammkunden haben, brauchen mindestens zehn Aufträge pro Tag. Bei angenommen 25 Schichten eines allein fahrenden Einzelunternehmers kommt man so auf 362,50 Euro Funkgebühr (inklusive 25 Euro Pauschale). Damit ist man gegenüber etablierten örtlichen Zentralen nicht unbedingt konkurrenzfähig. Außer es würde der DTG gelingen, nicht nur eine quantitativ hohe Anzahl an Aufträgen zu vermitteln, sondern auch qualitativ hochwertige Aufträge. Was im Taxigewerbe nichts anderes bedeutet als: Es sollten lange und weite Touren sein! Ob das dadurch gelingt, dass man den Kunden eine einheitliche Rufnummer bietet?
Falls sich die DTG damit durchsetzt, sind die bestehenden Taxizentralen selbst schuld. Denn eine einheitliche Taxinummer gibt es bereits: Unter der 19410 sollten Fahrgäste eigentlich überall in Deutschland ein Taxi bestellen können. Vorausgesetzt, man weiß die Vorwahl der Stadt, in der man ein Taxi rufen möchte und hat das Glück, das dort dann auch wirklich eine Zentrale diese Nummer übernommen hat. Das ist entweder gar nicht der Fall oder passiert wie in den meisten Städten nur zusätzlich zur „eingeführten“ regionalen Nummer der Zentrale, die auch weiterhin in der Öffentlichkeit als Hauptnummer beworben wird.
Eine eigentlich gute Idee scheitert damit also an den unterschiedlichen regionalen Interessen der Zentralenbetreiber und an einem fehlenden deutschlandweiten Marketingkonzept, um die 19410 bekannt zu machen.
In diese Lücke ist die DTG in Frankfurt und Köln nun gestoßen. Mal sehen, ob tatsächlich weitere Städte dazukommen.

(jh)