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Thema des Monats

Elektro-Taxis: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Thema des Monats April 2011

Eine Million rein elektrisch betriebene Fahrzeuge sollen laut Bundesregierung bis zum Jahr 2020 auf deutschen Straßen rollen. Ein äußerst ehrgeiziges Ziel, zumal potenzielle Käufer – und ganz besonders Taxiunternehmer – klare Forderungen an Reichweite, Ladedauer, Preis und Sicherheit der Stromer stellen. Werden sie erfüllt?

Nun ist es also soweit: Mit dem Mitsubishi iMiEV, dem Peugeot iON und dem Citroën C-Zero sind die ersten Serienmodelle auf dem Markt. Der Nissan Leaf und der Opel Ampera werden Ende dieses Jahres folgen. Und Renault plant für 2011 und 2012 die Markteinführung der Limousine Fluence Z.E. und des Transporters Kangoo Rapid Z.E..

Nach vielen Jahren der blumigen Ankündigungen wird es in diesen Monaten also konkret. Grund genug für uns, einmal zu überprüfen: Was können die aktuellen Modelle, woran mangelt es noch und welche Entwicklungssprünge sind in den kommenden Jahren zu erwarten?

Kosten: Taxiunternehmer, die einen Blick auf die Anschaffungspreise werfen, werden bei den aktuellen Modellen dankend ablehnen: Rund 35.000 Euro Basispreis für einen Kleinwagen und damit etwa genauso viel wie für eine neue E-Klasse mit kompletter Taxiausstattung? Der Opel Ampera kostet gar 43.000 Euro. Das ist definitiv zu viel, hat aber seinen Grund: die derzeit noch extrem teure Stromspeicher-Technik. Rund 13.000 Euro kostet beispielsweise alleine der Akku des Mitsubishi iMiEV.

Erschwerend kommt für vor allem für Taxiunternehmer hinzu: Die Energiekosten pro 100 Kilometer liegen mit einem Minimum von rund 4,40 Euro selbst bei den elektrischen Kleinwagen in einem Bereich, der eine Amortisation der hohen Anschaffungskosten unmöglich macht. Zum Vergleich: Der VW Passat EcoFuel verursacht mit dem vom Hersteller angegebenen Verbrauch derzeit lediglich 4,13 Euro Kraftstoffkosten pro 100 Kilometer.

Bis reine E-Autos für Taxiunternehmer attraktiv werden, müssen also vor allem die Preise für Akkus sinken. Experten sind sich aber sicher, dass dies in den kommenden Jahren geschehen wird.

Eine staatliche Förderung für den Kauf von Elektrofahrzeugen ist aktuell noch nicht in Sicht. Das könnte sich aber ändern, wenn die ersten serienreifen E-Autos aus deutscher Produktion auf die Straße kommen und verkauft werden wollen.

Reichweite und Ladedauer: Maximal 160 Kilometer elektrische Reichweite sind derzeit drin. Nach Herstellerangaben wohlgemerkt und unter besten Bedingungen. Bei höherem Tempo bzw. eingeschalter Klimaanlage oder Heizung werden daraus schnell weniger als 100 Kilometer. Zu wenig für Taxiunternehmer, zumal der Stromer dann wieder für mehrere Stunden an den Tropf muss.

Etwas hoffungsvoller stimmt da schon der so genannte „Range Extender“ (Reichweitenverlängerer), den Opel im bereits bestellbaren Ampera verbaut hat. Dabei handelt es sich um einen kleinen Verbrennungsmotor, der einspringt, wenn dem Akku die Puste ausgeht. Er treibt den Ampera aber nicht selbst an, sondern er dient lediglich als Generator, der den benötigten Strom für den Betrieb des Elektromotors erzeugt. Bis zu 500 Kilometer Reichweite sollen auf diese Weise möglich sein. Aufgeladen werden muss der Lithium-Ionen-Akku dann bei Gelegenheit wieder an der haushaltsüblichen Steckdose, was etwa drei Stunden dauert.

Angst, unterwegs liegen zu bleiben, müssten Taxiunternehmer zumindest im Ampera also nicht haben. Auch das ausreichende Platzangebot für die Fahrgäste und seine 150 PS stehen einem Taxi-Einsatz des Ampera nicht entgegen. Ebenfalls positiv: Opel garantiert für die Batterie eine Lebensdauer von 240.000 Kilometern.

Die geringe Reichweite im reinen Elektrobetrieb ist generell aber nach wie vor das größte Problem für potenzielle Taxi-Kunden - neben dem Anschaffungspreis natürlich.

Dass in punkto Langstreckentauglichkeit in Zukunft aber noch deutlich mehr zu erwarten ist, lässt beispielsweise die jüngste Rekordfahrt ahnen, die gemeinsam von dem Berliner Technologieunternehmen „DBM Energy“ und dem Energieanbieter „lekker Energie“ durchgeführt wurde: Ein Audi A2 hat dabei die Strecke von München nach Berlin zurückgelegt – rein elektrisch und ohne Nachladen der Stromspeicher! Möglich macht dies eine neue Akku-Technologie namens Kolibri. Dabei handelt es sich um Energiespeicher auf Lithium-Metall-Polymer-Basis, deren Wirkungsgrad bei mehr als 97 Prozent liegen soll. Zudem sind Kolibri-Batterien nach Angaben von DBM Energie leichter als vergleichbare Akkus, komplett wiederverwertbar und an einem Starkstrom-Anschluss binnen 20 Minuten vollständig aufgeladen. Umfangreiche Tests durch die DEKRA und das Bundesamt für Materialforschung (BAM) bestätigen die enorme Leistungsfähigkeit der Kolibri-Batterien. Es bleibt abzuwarten, ob und wie schnell sich die Technologie durchsetzen wird. Und wie teuer sie wird.

Sicherheit: Wie sicher ist ein Auto, das ständig unter Strom steht? Immerhin führen die Akkus im geladenen Zustand eine ganz Menge Energie mit sich. Vor allem bei Lithium-Ionen-Technik kann es durch mechanische Beschädigungen oder elektrische Überlastungen zu einer Entzündung kommen. Was im Falle eines Notebooks oder Handys noch vergleichsweise glimpflich ausgehen mag, könnte bei der im Elektroauto mitgeführten Menge an Energie zu einem echten Sicherheitsrisiko für die Insassen werden.

Doch abgesehen von der Tatsache, dass auch ein Benziner bei einem Unfall in Brand geraten kann, besteht nach neusten Erkenntnissen zu den Elektrofahrzeugen kein Grund zur Panik: Der ADAC hat erst kürzlich den Sicherheitsaspekt am Beispiel des Mitsubishi iMiEV überprüft und das Elektroauto einem Crashtest mit Front- und anschließendem Heckaufprall unterzogen. Ergebnis: Trotz Leichtbauweise und Hochvoltsystem blieben sowohl die Fahrgastzelle als auch das Batteriefach stabil. Die Sensoren des Fahrzeugs reagierten beim Crashtest programmgemäß und schalteten den Strom in Sekundenbruchteilen ab.

Fazit: Die Elektromobilität macht definitiv Fortschritte. Das ist für einen möglichen Einsatz der Stromer als Taxi auch dringend notwendig, denn das Gewerbe stellt vor allem an die Akkukapazität und -ladezeit naturgemäß ganz andere Anforderungen als der private Gelegenheitsfahrer, der mit 50 Kilometern prima über den Tag kommt und sein E-Auto über Nacht wieder aufladen kann.

Um unseren Ansprüchen gerecht zu werden, reicht der derzeitige Entwicklungsstand leider noch nicht aus. Bis dahin bleibt für Taxiunternehmer als ökonomisch sinnvolle Alternative immerhin der teilweise elektrische Hybridantrieb.

Der ökologische Nutzen der Elektro-Autos ist angesichts des aktuellen Anteils erneuerbarer Energien von 17 Prozent am deutschen Strommix noch sehr fraglich. Das wird sich möglicherweise erst mit dem Durchbruch der Brennstoffzelle ändern, die den Strom aus Wasserstoff erzeugt und damit wirklich emissionsfreies Fahren ermöglicht.

Bis dahin gilt es, sinnvolle Kompromisse zu finden. Denn eines ist klar: Das Elektroauto muss und wird sich langfristig durchsetzen. Auf dem heutigen Niveau des Energiekonsums reicht Erdöl noch 44 Jahre, Erdgas noch 59 Jahre. Angesichts der rasant steigenden Fahrzeugdichte und damit des Kraftstoffbedarfs in Ländern wie China und Indien muss der Umstieg wohl sogar noch schneller gelingen.
 
Da ist das von der Bundesregierung angekündigte Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen bis zum Jahr 2020 schon einmal ein guter Anfang. Das kann aber nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn in den kommenden Jahren weitere Fortschritte in punkto Alltagstauglichkeit und Bezahlbarkeit der E-Autos folgen. Hier sind sowohl die deutschen Autobauer als auch die Politik gefordert - wer A sagt, muss auch „E“ sagen.

(sk)
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