Test Opel Insignia 1,5 Diesel: Nagelsmann statt Kloppo

Was taugt ein kompakter Dreizylinder-Diesel im fast fünf Meter langen Auto? Ist er Opels Supersparangebot für Langstrecken?

Elegante Erscheinung: Der Insignia punktet mit schicker Optik und viel Platz - streckt sich aber auch auf 4,89 Meter Länge. (Foto: G. Soller)
Elegante Erscheinung: Der Insignia punktet mit schicker Optik und viel Platz - streckt sich aber auch auf 4,89 Meter Länge. (Foto: G. Soller)
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Im Herbst seiner Laufbahn traut sich die Stellantis-Marke Opel noch, bei ihrem letzten eigenständigen Modell Insignia einen Dreizylinder-Diesel unter die Haube zu packen. Wild genug, um den (vielleicht) letzten Dieselmotor zum Test zu bitten, um zu sehen, ob der Verzicht auf einen vierten Zylinder entsprechende Sparergebnisse bringt. Viele andere Hersteller verordnen ihren Selbstzündern aufwendige 48-Volt-Technik, um noch ein paar Zehntel zu sparen. Unser Erfahrungen mit der Technik – auch bei Benzinern: Viel Aufwand für vergleichsweise wenig Ertrag.

Weniger Reibung, weniger Gewicht, weniger Verbrauch?

Da ist es einfacher, einen Zylinder wegzulassen und neben den Kosten auch Teile und Reibung sowie gegenüber dem Vierzylinder 100 Kilogramm Gewicht zu sparen – weshalb Opel den Dreizylinder der 48-Volt-Technik vorzieht. Schon nach dem Druck am Startknopf wird klar: Hier hat eher Julian Nagelsmann als Kloppo die Pferde unter der Haube trainiert, so ungeniert nagelt der Dreizylinder los. Er legt dann prinzipbedingt freudig, aber nicht übertrieben kräftig los: Die maximalen 300 Newtonmeter Drehmoment hat er zwischen 1.750 und 2.500 Touren vollständig versammelt, die 122 Pferde stehen bei 3.250 Umdrehungen parat. Einmal warmgelaufen, werden die Umgangsformen geschmeidiger.

Geschmeidig ist auch der sonstige Umgangston des Insignia, der nach wie vor mit viel Platz, sauber abgestimmtem Fahrwerk und guter Bedienbarkeit punktet. Hier gefällt nach wie vor das professionelle Auftreten des Insignia, was ihm auch in Taxi- oder Mietwagen-Flotten immer einen Platz sichert. Trotzdem: wer viel Langstrecke schnürt und dort auch mal zügiger unterwegs ist, findet vor allem im Insignia Sports Tourer einen sparsamen und eleganten Lademeister. Doch wie sparsam kann man den Dreizylinder denn nun bewegen?

In unserem Test kamen wir vor allem wegen dem Innenstadtverbrauch von 7,3 l/100 km auf 5,6 l/100 km, was für ein so großes Auto schwer Ordnung geht, aber nicht die völlige verbrauchsseitige Überraschung war - zumal man mit dem Vierzylinder und der vierzylindrigen Konkurrenz unserer Erfahrung nach (fast) genauso sparsam unterwegs sein kann. Interessant: Auf unserem Landstraßen-und Autobahnabschnitt sowie bei längeren Strecken der Kollegen blieb der Opel stoisch bei 5,4 l/100 km! Ein 936 Kilometer-Langstreckentrip, bei dem kaum mehr als 100 km/h Durchschnittstempo möglich sind, trainierte ein anderer Kollege den Insignia auf 5,3 l/100 km herunter. Was der Dreizylinder nicht mag: Nerviges Stopp-and Go: Dann wird der große Opel zum Frusttrinker, während er über Land auch mal nahe an die 5,0 l/100 km kam. Die vier ist allerdings ebenso schwer zu erreichen wie die acht vorm Komma, außer man wütet innerstädtisch umher oder hat über längeren Zeitraum freie Autobahn.

Mit 1.630 Kilogramm Leergewicht gehört der Insignia im Reigen der Mittelklasselimousinen mittlerweile eher zu den leichteren Modellen – hier hilft ihm auch der Dreizylinder. Der machte den Insignia 1,5 Diesel auch zum günstigsten Modell in der Palette, was vor allem für Sparfüchse das Zünglein an der Waage sein kann – wenngleich der 174 PS-Diesel bei fast identischem Verbrauch deutlich mehr Antriebskomfort und –Souveränität bietet. In der Kostenrechnung schnitt der Dreizylinder aber sehr gut ab und kam auf günstige 0,38 Euro/km. Weshalb wir am Ende des Tests sagen: Gut getraut, Opel!

Die Preise für den „Edition“ starten offiziell bei 36.250 Euro mit 6-Gang-Handschaltung (das sind 30.462,19 Euro netto) und bei 38.530 Euro für den Achtgang-Automaten (32.378,16 Euro netto). Die Ausstattungsstufe Elegance kostet 38.720 (32.537,82 Euro netto) respektive 41.000 Euro (34.453,79 Euro). Der 174-PS-2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel kostet brutto nur 700 Euro mehr, ist aber nicht als „Edition“ zu haben.

Den Opel Insignia kannman  mit einem Taxi- oder Mietwagenpaket mit oder ohne Folierung über INTAX in Oldenburg bestellen. Alternativ dazu bietet auch der Kölner Opel-Händler Paul Bauer an, den Insignia über seinen lokalen Partner Jürgen Weberpals zum Taxi oder Mietwagen umzurüsten und ihn auf Wunsch auch folieren zu lassen.

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