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Die unverständlichste Geschichte des Jahres

Irgendwo in einer deutschen Großstadt befindet sich ein Taxifahrer auf Anfahrt zu einer Kundenabholung. Doch als er an einer roten Ampel anhält, springen ihm plötzlich drei Männer ins Auto und prügeln auf ihn ein.
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Redaktion (allg.)

Warum nur? Aus Sicht der Männer mag das Ganze schnell erklärt sein. Sie kommen aus einer Kneipe, haben schon reichlich Alkohol getrunken und wollen so schnell wie möglich ein Taxi. Sie sehen eines und springen auf die Straße, um es aufzuhalten. Es interessiert sie nicht, dass das Taxischild unbeleuchtet ist. Es interessiert sie auch nicht, dass der Fahrer sie fast überfährt und ihnen nur durch ein reaktionsschnelles Ausweichmanöver das Leben rettet. Im Gegenteil: Sie fühlen sich dadurch provoziert.

Sie rennen dem Taxi hinterher, als es wenige Meter später an der roten Ampel anhält. Sie reißen die Türe auf und steigen ein. Der Fahrer versucht zu erklären, dass er auf den Weg zu einer Abholadresse sei und nimmt reflexartig seine Brille ab. Später wird einer der Täter aussagen, er habe dies als Zeichen verstanden, dass der Taxifahrer handgreiflich werden wollte. Die Männer prügeln ohne Vorwarnung sofort los. Der Fahrer wehrt sich. Er schafft es, aus dem Auto zu flüchten und rennt in den U-Bahnhof.

Dadurch gewinnt er wertvolle Sekunden, um seine Zentrale zu rufen und um Hilfe zu bitten. Doch die Dispo-Damen reagieren nicht. Er solle erst zu seinem Taxi zurück und dort über Funk Hilfe anfordern, bekommt er zu hören. Ein irrsinniger Vorschlag, denn zwischenzeitlich haben ihn die Männer wieder eingeholt. Sie schlagen und treten auf ihn ein, selbst dann noch, als er schon auf dem Boden liegt. Keiner der Passanten, die am Bahnsteig auf die U-Bahn warten, greift ein.

Den Tätern muss eigentlich klar sein, dass alles von der Überwachungskamera aufgezeichnet wird und sie deshalb wenig später auch gefasst werden. Doch vernünftige Gedanken haben keinen Platz mehr im vom Alkohol benebelten Gehirn.

Dieser Fall hat sich tatsächlich zugetragen. Der Fahrer hatte noch die Kraft, sich wieder zu seinem Taxi zu schleppen und dort die Polizei zu rufen. Er erlitt keine lebensgefährlichen Verletzungen und fährt seit einigen Wochen auch schon wieder Taxi. Er hat keine andere Wahl, denn er muss seine Familie ernähren.

Die Staatsanwaltschaft wird Anklage erheben, er wird als Nebenkläger auftreten. Eine Antwort auf das „Warum?“ wird der Taxifahrer aber wahrscheinlich nicht finden.

Ich wünsche mir für das neue Jahr Menschen, die Respekt und Achtung voreinander haben. Ich wünsche Ihnen und Ihren Fahrern nur solche Fahrgäste, die diesen Respekt auch unserem Beruf gegenüber an den Tag legen.

Jürgen Hartmann, Chefredakteur taxi heute

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